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Risiko von Terroranschlägen "wird dramatisch überschätzt"

Berlin (ots) - Verhaltensökonom Horst Müller-Peters: Seltene Gefahren werden überschätzt / Alltägliche Risiken wie Krebserkrankungen dagegen tendenziell unterschätzt / Besser nicht auf die Intuition verlassen

Berlin, 20. Juni 2017 - Angesichts der Angst vieler Deutscher vor Terroranschlägen im Urlaub rät der Verhaltensökonom Horst Müller-Peters zu mehr Gelassenheit. "Das Risiko von Ländern, in denen es aktuell Anschläge gab, wird dramatisch überschätzt", sagte Müller-Peters, Professor an der Technischen Hochschule Köln, im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 7/2017, EVT 22. Juni). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Wahrnehmung und Fehlwahrnehmung von Alltagsrisiken" von Müller-Peters und der Mathematikerin Nadine Gatzert, Professorin an der Universität Erlangen-Nürnberg, die das von Menschen wahrgenommene Risiko an der statistischen Realität spiegelt. Im Gegensatz zu seltenen Ereignissen würden häufige Gefahren unterschätzt. "Das Risiko, an Krebs zu erkranken, wird um das 13-fache unterschätzt, obwohl es jeden zweiten Mann und zwei von fünf Frauen trifft."

Das beobachtete Phänomen einer verzerrten Risikowahrnehmung erklärt Müller-Peters mit der mangelnden Fähigkeit des Menschen, in Wahrscheinlichkeiten zu denken. "Die meisten Menschen sind schon mit relativ einfachen Wahrscheinlichkeitsfragen überfordert", erläuterte der Professor. "Wir ersetzen die schwierige Frage, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Ereignis ist, durch eine einfachere: Wie gut kann ich mir das vorstellen? Alles, was wir uns leicht vorstellen können, halten wir auch für besonders wahrscheinlich."

Müller-Peters rät, sich bei der Einschätzung von Risiken im Alltag nicht von seiner Intuition leiten zu lassen, sondern rational vorzugehen. "Es macht einfach Sinn, extrem seltene Risiken wie einen Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt auszublenden. Solche Sorgen vergällen uns ansonsten unnötig den Tag." Bei Alltäglichem lohne es sich dagegen mehr, hinzuschauen und sich zu fragen, wie häufig und vor allem wie gravierend das Risiko sei. "Gehen Sie ruhig weiter auf den Weihnachtsmarkt, fahren Sie aber besser nicht mit dem Auto oder gar Motorrad hin."

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