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"Capital" deckt Skandal auf: Jeder dritte Rentenbescheid ist falsch / Renten-Versicherte werden einer Exklusiv-Umfrage bei privaten Rentenberatern zufolge um Millionen geprellt

    Köln (ots) -
    
    Fehler, Willkür und Überforderung sind bei der BfA und den
Landesanstalten an der Tagesordnung
    
    Eine neue Hiobsbotschaft zur Rente in Deutschland: Millionen
Versicherte werden bei der Berechnung ihrer Rente geprellt und
miserabel beraten. Im Zentrum der Kritik steht die
Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Das hat jetzt das
Wirtschaftsmagazin "Capital" (Ausgabe 14/2002, EVT 27. Juni)
aufgedeckt. Eine exklusive Umfrage unter privaten Rentenberatern
ergab, dass jeder dritte Rentenbescheid (37 Prozent) falsch ist.
Zudem sind 29 von 100 Beratungen der BfA und der
Landesversicherungsanstalten (LVA) fehlerhaft.
    
    "Die Rentenversicherer bleiben häufig hinter dem zurück, was
Gesetzgeber und Sozialgerichte von ihnen verlangen - nämlich
engagiert die Interessen der Versicherten wahrzunehmen", so Rolf
Ponzelet, Präsident des Bundesverbandes der Rentenberater, gegenüber
"Capital" Von den 105 befragten Experten seines Verbandes klagen 87
Prozent zudem darüber, dass die Rentenbehörden bei Invalidenrenten
willkürlich entscheiden. Insgesamt 49 Prozent der privaten Berater
halten das Personal bei BfA oder LVA für schlicht überfordert.
    
    Alarmzeichen hatte die BfA nach dem "Capital"-Bericht bereits bei
einer Kunden-befragung vor zwei Jahren ausgemacht, die Daten aber
wohlweislich nicht im Geschäftsbericht veröffentlicht: 54 Prozent der
Befragten ist der Rentenbescheid schleierhaft; 14 Prozent zweifeln an
der Zuverlässigkeit und Richtigkeit der BfA-Auskünfte; 12 Prozent
finden, die Sorgfalt der Bearbeitung lasse zu wünschen übrig.
    
    Laut "Capital" ist der Schaden durch die schlechte Arbeit der
Rentenverwaltung immens. Wenn die Behörden in jedem dritten Fall die
Rente um nur 30 Euro pro Monat falsch berechneten, würden 1,4
Millionen Neurentner in diesem Jahr um fast 200 Millionen Euro
gebracht. Bezogen auf alle 23,5 Millionen Ruheständler spare die
Rentenversicherung auf kaltem Wege sogar 3,2 Milliarden Euro. Die
mangelnde Qualität bei der Rentenberechnung spiegele sich auch in
offiziellen Zahlen wider: Die BfA als größte Anstalt musste 2001 gut
250.000 Widersprüche bearbeiten - knapp 20 Prozent mehr als vor zwei
Jahren. Bei sechs von zehn Widersprüchen gab die BfA klein bei oder
verständigte sich mit dem Versicherten. Die Zahl der Klagen vor
Sozialgerichten stieg 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent.
    
    Wie "Capital" weiter berichtet, wiesen die Behörden die Schuld für
Fehler meist weit von sich. Ihr Standardargument laute, der
Versicherte habe eben nicht konstruktiv mitgearbeitet. Das sähen
Deutschlands Gerichte aber anders. Diese legten der Verwaltung die
Pflicht auf, beim Versicherten stets nachzuhaken und ihm umfassend zu
helfen.
    
    
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