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EU-Experte Reichenbach lobt Reformpolitik in Griechenland: Regierung in Athen will Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds loswerden

Berlin (ots) - Deutsche beraten bei Gesundheitsreformen

Berlin, 22. Januar 2014 - Nach viel Kritik und Frustration über schleppende Reformen revidiert die EU-Kommission ihr Urteil über die Reformpolitik in Griechenland. Ausdrücklich lobte der Chef der EU-Taskforce, Horst Reichenbach, die Arbeit der Regierung in Athen. "Diese Regierung ist bereit, technische Hilfe umzusetzen. Kooperationsbereitschaft und Lernwilligkeit sind in vielen Gebieten höher als erwartet", sagte Reichenbach dem Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 2/2014, EVT 23. Januar). Die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras habe "die Zusammenarbeit beflügelt und viele Dinge ins Laufen gebracht". Gerade in den Bereichen Gesundheit und Infrastruktur gebe es deutliche Fortschritte.

Das Bild, das Reichenbach im Gespräch mit 'Capital' von Griechenland zeichnete, fällt deutlich differenzierter aus als bislang. Erst Anfang Januar hatte die Regierung in Athen erneut viel Kritik für ihre zögerliche Reformpolitik einstecken müssen. Jetzt sagte Reichenbach: "Strukturreformen brauchen Zeit." Die Fortschritte seien zum Teil "beeindruckend", gerade in der Gesundheitspolitik. Um in den kommenden drei bis fünf Jahren das gesamte Gesundheitssystem des Landes umzubauen, arbeiten inzwischen mehrere Dutzend Berater und Entwicklungshelfer aus ganz Europa in Athen. Die meisten von ihnen kommen aus Deutschland, die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel ist "Domain Leader" für die Gesundheitsreformen. Unter anderem ist inzwischen ein großes Team der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Athen im Einsatz. 'Capital' hat die Helfer über mehrere Wochen begleitet und bei ihrer Arbeit vor Ort beobachtet.

"Dieses Programm ist Neuland - und zwar für alle Beteiligten. So etwas hat es vorher noch nie gegeben", sagte Reichenbach. Selbstkritisch räumte er ein, auch in Brüssel habe es lange gedauert, bis er Geld für all die Berater und Helfer habe auftreiben können, um damit wiederum die griechische Regierung zu unterstützen. Zugleich forderte Reichenbach allerdings weitere Anstrengungen, um Staat und Wirtschaft Griechenlands zu sanieren. "Mehr Reformen sind nötig, um Griechenlands Zukunft zu sichern", sagte Reichenbach. Dazu zählte er bessere Rahmenbedingungen für Unternehmer und eine Modernisierung der öffentlichen Verwaltung.

Der griechische Staatssekretär für die Koordination der Reformen und enger Berater von Regierungschef Samaras, Dimitrios Vartzopoulos, bekräftigte die Forderung seiner Regierung nach einem Stopp der regelmäßigen Kontrollen durch die internationale Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Mit den geplanten Reformen und bilateralen Kooperationen wolle Griechenland das Vertrauen der internationalen Investoren zurückgewinnen - auch ohne die regelmäßigen Voten der Troika. Vor allem die Experten des IWF sind in Griechenland äußerst unpopulär. "Wir wollen die Troika ersetzen", sagte Vartzopoulos gegenüber 'Capital'. Griechenlands Gesundheitsminister Adonis Georgiadis nahm die Deutschen gegen die verbreitete Kritik seiner Landsleute in Schutz: "Die Verschwörungstheorien, dass uns die Deutschen zu einer Kolonie machen wollen, sind Bullshit." Zwar habe es bei der Planung und Umsetzung von Reformen harte Widerstände gegeben. "Jetzt aber verstehen selbst Beamte, die ganz links außen wählen, dass ihnen die Taskforce-Leute helfen wollen", sagte Georgiadis.

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