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'Capital': Stromkonzerne bremsen preiswerten Strom durch hohe Netzentgelte
Energieversorger subventionieren mit den Leitungserlösen eigene Strompreise

    Köln (ots) -
    - Berliner Bewag verlangt mit rund 14 Pfennigen pro Kilowattstunde
        die geringsten Netzentgelte  
    - Wemag in West-Mecklenburg mit fast 21 Pfennigen die höchsten
  
    Von wegen freier Markt für Haushaltsstrom: Die
Stadtwerke und Regionalversorger müssen zwar ihre Leitungsnetze auch
Konkurrenten zur Verfügung stellen, doch verlangen sie dafür so hohe
Gebühren, dass sie die selbst kaum aufbringen könnten. Dies zeigt das
Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 18/2000, EVT 24. August), das
die so genannten Netzentgelte der Ex-Monopolisten mit ihren eigenen
Tarifen verglich, zu denen sie Strom frei Haus liefern. Fazit: Zieht
man von diesem Komplettpreis das Netzentgelt sowie die fälligen
Steuern und Abgaben ab, bleibt unterm Strich bei den allermeisten
Konzerne weniger übrig, als die E-Werke beim Großhandel mit
Haushaltsstrom verlangen. Da können Wettbewerber nur mithalten, wenn
sie bewußt Verluste in Kauf nehmen. Für die Platzhirsche ist es
dagegen letztlich gleich, wie sie ihre Gesamtkosten auf Netzentgelt
und die eigentliche Energie verteilen.
    
    Im Test, der vom Stromverbrauch einer Familie (4000
Kilowattstunden/Jahr) ausging, waren die 50 größten Ex-Monopolisten,
die die nach den aktuellen Regeln berechneten Netzentgelte nennen.
Sie versorgen gut 27 Millionen der insgesamt 43 Millionen Tarifkunden
mit Strom. Das Extrem: Die Stadtwerke Düsseldorf würden bei ihrem
Tarif mit jeder verkauften Kilowattstunde durch Netzentgelt, Abgaben
und Steuern schon fast zwei Pfennig Verlust machen, noch bevor sie
überhaupt etwas für den Strom selbst einkalkulieren. Bei der
Energieversorgung Offenbach blieben beim Verkauf des Haushaltsstroms
nach Abzug aller übrigen Posten gerade noch ein Siebtel Pfennig für
den Strom selbst. So viel, wie Haushaltsstrom im Schnitt ab Kraftwerk
kostet, nämlich fünf Pfennig je Kilowattstunde, lassen nur die
Konzerne EAM (Kassel), RWE (Essen), EnBW (Karlsruhe), Lech-Werke
(Augsburg) und Ewag (Nürnberg) in ihrer Kalkulation.
    
    Das Durchleiten einer Kilowattstunde Strom kostet bei den 50
größten Netzbetreibern, die 'Capital' unter die Lupe nahm, zwischen
14 und fast 21 Pfennigen mit Mehrwertsteuer, aber ohne Stromsteuer
und sonstige Abgaben. Die jährlichen Festbeträge sind beispielhaft
für eine Familie eingerechnet. In den alten Bundesländern liegen die
Netzentgelte mit Preisen zwischen 14 und 18 Pfennigen recht dicht
beieinander, in Ostdeutschland werden im Schnitt gut drei Pfennig
mehr kassiert. Entsprechend sind von den zehn teuersten
Netzbetreibern sechs Unternehmen aus den neuen Bundesländern. Die
höchsten Netzentgelte verlangt die Wemag aus West-Mecklenburg (0,2073
DM) vor der Avacon/EV Magdeburg (0,2015 DM) sowie der Edis in
Brandenburg und Mecklenburg (0,1974 DM). Auf dem vierten Rang liegt
die Meag aus Halle/Saale (0,1951 DM) gefolgt von der Eon/Teag in
Thüringen (0,1898 DM). Die fünf billigsten Anbieter sind die
Stadtwerke Bremen (0,1447 DM), Karlsruhe (0,1444 DM) und München
(0,1424 DM) sowie die Energieversorgung Leverkusen (0,1423 DM) und
die Bewag Berlin (0,1417 DM). Wie hoch selbst diese Werte sind, zeigt
ein Blick nach Großbritannien: Dort kostet die Netznutzung im Schnitt
elf Pfennig je Kilowattstunde.
  

    
ots Originaltext: Capital
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