Capital, G+J Wirtschaftsmedien

EU-Kommissar kritisiert Naumanns Verhalten im Fall der Buchpreisbindung
Verhandlungen zur Buchpreisbindung war "undankbarster Fall meiner Amtszeit"
Deutschlands Verständnis von Wettbewerb im EG-Raum ist beunruhigend

Köln (ots) - Vorabveröffentlichung der Memoiren von Ex-EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert "Markt, Macht, Wettbewerb" in 'Capital' 17/2000 vom 10. August 2000: Der bis 1999 amtierende EU-Kommissar für Wettbewerbsfragen, Karel van Miert, hat in seinen Ende August in der Deutschen Verlagsanstalt erscheinenden Memoiren "Markt, Macht, Wettbewerb" das Verhalten der Verleger und von Staatsminister Michael Naumann im Streit um die Buchpreisbindung scharf kritisiert. Wie aus dem Vorabdruck seines Buches exklusiv im Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 17/2000, EVT 10. August) hervorgeht, waren für van Miert die Verhandlungen zum Preiskartell der Verleger und Buchhändler in Deutschland und Österreich "der undankbarste Fall meiner Amtszeit". In "keiner anderen Angelegenheit war die Mauer gezielter Falschinformation so schwer zu durchdringen, der Chor persönlicher Anfeindungen so laut und der zu Grunde liegende Sachverhalt so einfach", schreibt van Miert in seinem Buch. Besonders irritiert hat van Miert in diesem Zusammenhang die Rolle und das Verhalten von Staatsminister Michael Naumann. In persönlichen Gesprächen habe sich gezeigt, dass Naumann die rechtlichen Hintergründe offenbar nicht kannte und Sachdienliches nicht verlauten ließ. Dafür habe Naumann aber versucht, ihn in einer Mischung aus Anbiederung und Taktieren umzustimmen: "Herr van Miert, wir sitzen im gleichen Boot. Ich habe nach 100 Tagen im Amt einen Erfolg nötig, Sie nach fünf Jahren in diesem Falle auch." Als Naumann dann wenige Tage später über die Presse verlauten ließ, er habe es geschafft, den bösen Wüterich van Miert zur Einsicht gebracht zu haben, so dass dieser auf Eingriffe in die Preisbindung innerhalb eines Landes verzichtet habe, sei van Mierts Vertrauen in Naumanns Einfluss nahe null gewesen. Van Miert zeigt sich im exklusiven Vorabdruck in 'Capital' außerdem alarmiert darüber, "wie lange es einer gut organisierten Branche selbst im Medienzeitalter gelingen kann, ihre rein wirtschaftlichen Interessen hinter den Argumenten eines heiligen Krieges für die kulturellen Werte einer Nation zu verstecken". Selbst der "Spiegel" habe seine Redakteure zur Linientreue geraten. Für den ehemaligen Wettbewerbskommissar ist dieser Fall symptomatisch für arrogantes deutsches Verhalten gegenüber dem EG-Recht: "Wir bekamen des öfteren das schlichte Argument zu hören, was für die anderen gilt, müsse deswegen noch lange nicht für Deutschland gelten. Dies beunruhigt mich viel mehr als die Folgen diverser Schlammschlachten, von denen sich der Mensch erholt. ots Originaltext: Capital Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: Rainer Hübner, Redaktion 'Capital', Tel. 0172/281 47 22 Original-Content von: Capital, G+J Wirtschaftsmedien, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Weitere Meldungen: Capital, G+J Wirtschaftsmedien

Das könnte Sie auch interessieren: