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capital.de-Interview mit Chefregulierer Matthias Kurth: Netzagentur will Bau von Windstrom-Leitungen lukrativer machen
Kurth gibt Entwarnung für neue Regulierung: Maßvolle Effizienz-Vorgaben

    Köln (ots) - 27. Juni 2008 - Die Bundesnetzagentur will stärkere Anreize zum Bau neuer Stromleitungen in Deutschland schaffen und kommt damit Forderungen aus der Energiewirtschaft entgegen. Bei den Investitionsbedingungen für den Transport von Elektrizität aus den zahlreichen geplanten Windparks in der Nord- und Ostsee seien Anpassungen in der Diskussion, sagte Behörden-Präsident Matthias Kurth der Online-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins 'Capital': "Wir denken über Maßnahmen speziell und ausschließlich für Windkraft-Projekte nach, um Netzbetreibern, die außergewöhnliche Investitionen tätigen, hier angemessene Margen zu ermöglichen."

    Konkret geht es um Verbesserungen für die Energie-Konzerne E.ON und Vattenfall, die mit Milliarden-Investitionen für die Anbindung der Offshore-Windparks und den Weitertransport des Stroms an Land sorgen müssen. Dazu sind dringend neue Leitungen erforderlich. Die Konzerne beklagen aber, dass ihnen für den Bau real weitaus geringere Renditen verbleiben, als ihnen der Regulierer nominell zubilligt - statt knapp acht Prozent Eigenkapitalverzinsung kämen tatsächlich weniger als vier Prozent bei ihnen an. Damit sind die Investitionen aus Sicht der Unternehmen nicht lukrativ.

    Kurth gab laut capital.de zudem weitgehende Entwarnung für die künftige Anreizregulierung - das ab 2009 geltende neue System zur Bestimmung der Netzentgelte. Das Gros der deutschen Stromnetzbetreiber werde unter der veränderten Methode nicht dem befürchteten erheblichen Renditedruck ausgesetzt sein. Erste Erhebungen seiner Behörde hätten gezeigt, dass die durchschnittliche Effizienz bei den Verteilnetzen, also den Leitungen von den großen Strom-Autobahnen zu den Verbrauchern, bereits bei 91 Prozent liege, sagte Kurth. "Es werden also nur neun Prozent In-Effizienzen abzubauen sein. Das führt zu sehr bescheidenen Vorgaben."

    Damit sei die Sorge vieler Unternehmen, unter einen Existenz gefährdenden Sparzwang zu kommen, völlig unbegründet. "Man kann schon jetzt ausschließen, dass die Anreizregulierung zu ehrgeizige Vorgaben setzt. Wir müssen im Gegenteil nun darauf achten, dass die Effizienz-Anreize noch stark genug sind und nicht durch weitere Maßnahmen verwässert werden", betonte Kurth. Nicht in der Betrachtung erfasst sind die vier Übertragungsnetze der Stromriesen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Für diese läuft noch ein getrennter Effizienzvergleich auf internationaler Ebene.

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Stefan Paul Mechnig, Redaktion 'Capital', Tel. 0221/4908-427, E-Mail:
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