Jüdisches Museum

"Für Marcel Reich-Ranicki"
Das Jüdische Museum Frankfurt gratuliert zum 90. Geburtstag

Frankfurt am Main (ots) - "Demokratie wird durch Kritik geradezu definiert." Marcel Reich-Ranicki 1970

Marcel Reich-Ranickis Popularität reicht weit über die Literaturszene hinaus - 98 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen seinen Namen. Ruhm und Erfolg erlangten ihren Höhepunkt, als 1999 die Autobiographie "Mein Leben" erschien. Bei aller Anerkennung kursiert jedoch weiterhin das Image vom Kritiker als "Verreißer". Die Ausstellung würdigt Leben und Werk eines der bedeutendsten jüdischen Intellektuellen der Nachkriegszeit und fragt nach dem Bild der Kritik in der Öffentlichkeit, in der sie zu selten als demokratische Tugend erscheint.

Im Juni 2010 wird der Literaturkritiker neunzig Jahre. Aus diesem Anlass rollt das Jüdische Museum den roten Teppich aus. "Für Marcel Reich-Ranicki" - die Widmungsformel ist Programm der Ausstellung. Gezeigt werden Widmungsexemplare zeitgenössischer Autoren aus der Privatbibliothek. Die Liste großer Namen reicht von Ingeborg Bachmann über Heinrich Böll bis zu John Updike. Ihnen beigesellt sind Schriftstellerporträts aus der Sammlung Reich-Ranicki, darunter Arbeiten von Günter Grass und Horst Janssen - auch sie Geschenke in freundschaftlicher Verbundenheit: "Für Marcel".

Trotz aller Anerkennung erscheint Marcel Reich-Ranicki immer wieder als Literaturpapst und wütender "Verreißer". Bei aller ironischen Distanz, die dieses Bild mit den Jahren auch erfahren hat, bleibt jedoch ein generelles Misstrauen gegen Kritik spürbar. Seit Goethes berühmter Zeile "Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent" gilt Literaturkritik in Deutschland als unlauteres Geschäft, dessen Vertretern es allein um Macht gehe. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn Reich-Ranicki seinen Gegnern entgegen hält: "Sie wollen und können nicht begreifen, dass literarisches Leben ohne Kritik ebenso undenkbar ist wie parlamentarisches Leben ohne Opposition."

Weitere Schwerpunkte der Ausstellung bilden die Biographie Reich-Ranickis sowie der Stellenwert des Judentums in seinem Leben. Marcel Reich-Ranicki betont immer wieder, dass er sich weder als Pole noch als Deutscher fühle, dafür aber als Jude, schon aus Trotz gegen den Antisemitismus, jedoch als ein säkularer Jude, der nicht an Gott glaubt und keine Synagoge besucht.

Pressevorbesichtigung: 27. Mai, 17 Uhr
Ausstellungseröffnung: 30. Mai, 17 Uhr 
Laufzeit: 01.06.-05.09.2010 
Ort: Museum Judengasse, Kurt-Schumacher-Str. 10, 60311 Frankfurt 

Pressekontakt:

Erik Riedel, Jüdisches Museum, T.: (069) 212-40746, 
riedel@juedischesmuseum.de
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