Bertelsmann Stiftung

Studie: Riester-Rente benachteiligt Haushalte in Notlagen und sozial schwache Bevölkerungsgruppen

Gütersloh (ots) - Bertelsmann Stiftung sieht erhebliche Mängel beim neuen Gesetz zur Förderung einer privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge Die Riester-Rente benachteiligt Haushalte in Notlagen - dies ist ein Ergebnis einer von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Analyse des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V., Hamburg. Wer seinen Vorsorgevertrag aufgrund finanzieller Engpässe vorzeitig kündigen muss, hat der Studie zufolge gravierende Nachteile zu erwarten: Zum einen fordert der Staat die Zuschüsse inklusive Zinsen zurück. Zum anderen garantiert der Anbieter keine Rückzahlung bereits eingezahlter Vorsorgebeiträge mehr und darf höhere Kosten verlangen als bei einer regulären Kündigung. "Der Fall einer vorzeitigen Kündigung ist bislang gesetzlich nicht geregelt. Wer in einer Notsituation an sein Erspartes muss, wird doppelt bestraft", so Johannes Leinert von der Bertelsmann Stiftung. Die Detail-Analyse der Anfang Januar in Kraft getretenen Riester-Gesetzgebung, mit der eine ergänzende Altersvorsorge für Arbeitnehmer gefördert werden soll, offenbart noch weitere Mängel: Ursprünglich förderberechtigten Personen werden bei langen Erziehungszeiten oder lang andauernder Arbeitslosigkeit die staatlichen Zuschüsse von jährlich bis zu 154 Euro pro Arbeitnehmer und 185 Euro pro Kind entzogen. Die Autoren der Analyse regen an, diesen Gruppen weiterhin Zuschüsse zu gewähren, wenn sie pauschale Mindestbeiträge zur ergänzenden Altersvorsorge selbst aufbringen. So würde vermieden, dass alleinerziehenden Müttern oder Langzeitarbeitslosen mit meist ohnehin schon niedrigen Sparbeiträgen auch noch große Lücken in den Zuschüssen entstünden und der Anreiz selbst vorzusorgen schließlich ganz entfalle. Die Autoren schlagen außerdem vor, die Ungleichbehandlung von nichtehelichen Partnerschaften zu beseitigen. "Bisher ist ein Hinterbliebenenschutz im geförderten Vorsorgevertrag nur für im Haushalt lebende Kinder und Ehepartner möglich. Unverheiratete Partner gehen leer aus", so Johannes Leinert. Ein weiterer Kritikpunkt: die mangelnde Transparenz bei den "Riester"-geförderten privaten Altersvorsorgeprodukten. "Es wird eine Einheitlichkeit suggeriert, die es in der Praxis nicht gibt und auch zukünftig nicht geben wird", betont Prof. Dr. Udo Reifner vom Institut für Finanzdienstleistungen. Gravierende Kostenunterschiede würden durch die komplizierte Darstellung und Verwendung vieler unterschiedlicher Kostensätze verschleiert. "Um die Vorsorgeprodukte vergleichbar und damit wettbewerbsfähig machen zu können, müssen einheitliche Parameter entwickelt werden, z.B. ein allgemeiner Renditesatz oder ein vergleichbarer Kostensatz", so Reifner. Die Studie ist kostenlos erhältlich unter: http://www.vorsorgestudien.de. ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de Rückfragen an: Johannes Leinert, Telefon: 0 52 41 / 81-81 273 Weitere Informationen unter: http://www.bertelsmann-stiftung.de/presse Original-Content von: Bertelsmann Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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