Bertelsmann Stiftung

Studie: Deutsche Mitbestimmung kein negativer Standortfaktor - Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Management wird positiv beurteilt

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    Berlin/Gütersloh (ots) -
    
    Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung befragten deutsche
Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen
    
    Die Mitbestimmung in Deutschland ist kein negativer
Standortfaktor. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die
vom Wissenschaftszentrum Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
und der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführt wurde. Die Untersuchung
basiert auf einer Befragung von Managern der 400 größten deutschen
Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen. Die Studie belegt,
dass weder das System der Arbeitsbeziehungen noch die
Mitbestimmungspraxis hierzulande Investitionsentscheidungen hemmen.
    
    Auf die Frage nach den wichtigsten Standortfaktoren stufen die
befragten Manager das System der Arbeitsbeziehungen als eher neutral
ein und weisen diesem Kriterium damit keine abschreckende Wirkung für
ausländische Investitionen zu. An der Spitze der Standortvorteile
rangieren die Faktoren Marktgröße/Marktdynamik, Kundennähe,
Verkehrsinfrastruktur, Angebot an gut ausgebildeten Arbeitskräften
sowie Lohnkosten. Deutlich hinter dem System der Arbeitsbeziehungen
liegen Standortfaktoren wie Investitionshilfen, Nähe zu
Forschungsinstituten oder Universitäten, Energiekosten oder die
Steuerpolitik in Deutschland.
    
    Die Bewertung der Einzelelemente des Systems der
Arbeitsbeziehungen zeigt, dass die Mitbestimmung von den
ausländischen Unternehmen insgesamt als zukunftsfähig eingeschätzt
wird. Vor allem die Möglichkeit, auf betrieblicher Ebene
Vereinbarungen abzuschließen, wird positiv bewertet und sogar mit dem
hoch eingeschätzten dualen Berufsausbildungssystem gleichgestellt.
Besorgt zeigen sich die befragten Manager dagegen über den
Kündigungsschutz.
    
    Die Studie belegt, dass die Mitbestimmungspraxis bei ausländischen
Tochtergesellschaften in der Bundesrepublik kaum Unterschiede zu
deutschen Betrieben aufweist. In allen befragten Unternehmen sind
Betriebsräte aktiv. Die Zusammenarbeit zwischen diesen Betriebsräten
und dem Management wird von der überwiegenden Anzahl ausländischer
Unternehmen als gut bis sehr gut eingeschätzt: 59 Prozent der
Unternehmensleitungen charakterisieren diese Beziehung als
"überwiegend kooperativ"; 17 Prozent sogar als "sehr kooperativ".
Obwohl die Mitbestimmung das Tempo der Entscheidungen nach Aussage
der Manager eher verlangsame, würde die Qualität der
unternehmensinternen Information und Kommunikation jedoch verbessert.
Außerdem fänden Managemententscheidungen eine größere Akzeptanz.
    
    Auch die Annahme, die Mitbestimmungspraxis sei für die Integration
unterschiedlicher Managementkulturen hinderlich, kann durch die
Studie nicht bestätigt werden. Ein Beleg dafür ist die Tatsache, dass
transnationale Unternehmen inzwischen ihre Topmanager nur noch selten
(16 Prozent) aus dem Heimatland entsenden. 56 Prozent rekrutieren
ihre wichtigsten Führungskräfte in Deutschland und immerhin weitere
28 Prozent der Unternehmen verfolgen eine Mischung aus beiden
Praktiken. Auch der typische Entscheidungsstil der befragten
Unternehmen entspricht eher der deutschen Praxis der Konsensfindung
als dem Vorbild des "starken Mannes" in der Person des
Vorstandsvorsitzenden, das in Ländern wie den USA vorherrscht.
    
    "Unsere Untersuchung belegt, dass ausländische Unternehmen sehr
pragmatisch und wenig ideologisch mit der deutschen
Mitbestimmungsgesetzgebung umgehen", interpretiert Projektleiterin
Birgit Riess von der Bertelsmann Stiftung die Ergebnisse der Studie.
"Damit können wir die weit verbreitete Annahme nicht bestätigen, die
Mitbestimmung sei nicht kompatibel mit internationalen Unternehmens-
und Managementpraktiken, die sich vorwiegend am Leitbild des
'Shareholder Value' orientieren."
    
    "Dennoch lassen sich immer noch viele potentielle ausländische
Investoren vom negativen Image der Mitbestimmung beeindrucken",
ergänzt Dr. Norbert Kluge, Leiter des von beiden Stiftungen
getragenen "Forums Mitbestimmung und Unternehmen". Die Unternehmen
müssten daher im Vorfeld einer Standortentscheidung informiert und
aufgeklärt werden. "Wenn die deutschen Arbeitgeberverbände in dieser
Situation die Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes für eine
Kostenexplosion verantwortlich machen, ist das negative
Standortwerbung und abschreckend für ausländische Investitionen",
kritisiert der Mitbestimmungsexperte.
    
ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung
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