Bertelsmann Stiftung

Schüler und Lehrer mit Beratung an Schulen unzufrieden
Internet-Nutzung nicht ausreichend
Umfrage mit über 5.000 Schülern, Eltern und Lehrern aus NRW

Gütersloh (ots) - Schüler und Lehrer sind gleichermaßen unzufrieden mit den Beratungsmöglichkeiten in der Schule. In einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung berichten mehr als zwei Drittel der Schüler aus sechs nordrhein-westfälischen Städten, dass sie weder bei persönlichen und schulischen Problemen noch bei Fragen der Berufsfindung ausreichend Unterstützung finden. Gleichzeitig sind 45 Prozent der Lehrer überzeugt, dass sie die Schüler bei der Berufsvorbereitung nicht genügend unterstützen können. Insgesamt wurden 2.500 Schüler, 2.100 Eltern sowie 220 Schulleiter aus Unna, Herten, Arnsberg, Herford, Minden und Castrop-Rauxel zu den Bedingungen in der Schule befragt. Außerdem wurden die Meinungen von 350 Lehrern in die Auswertung einbezogen. Besonders unzufrieden sind Lehrer mit ihren Hilfsmöglichkeiten bei persönlichen Problemen der Schüler: 71 Prozent der Pädagogen sehen hier deutliche Defizite. Beratungsstellen in der Stadt können diese Lücke bisher kaum schließen. Wartezeiten von bis zu 10 Wochen für eine schulpsychologische Beratung zeigen die Überlastung dieser Stellen. Zudem sind Erziehungs- oder Familienberatungseinrichtungen bei rund der Hälfte der Eltern und Schüler völlig unbekannt. Die groß angelegte Befragung ist Teil des Projekts der Bertelsmann Stiftung "Lebendige Schule in einer lebendigen Stadt", das eine vernetzte Schul- und Bildungslandschaft in Kommunen aufbauen will. Die Daten zeigen auf, an welchen Stellen besonderer Handlungsbedarf besteht. So sind etwa 74 Prozent der Schulleitungen mit der Ausstattung an Lehr- und Lernmitteln nicht zufrieden. Außerdem halten 75 Prozent der Schüler die Internetnutzung im Unterricht für nicht ausreichend - 55 Prozent davon sind sogar sehr unzufrieden damit. Ebenfalls schlecht bewertet werden die baulichen Gegebenheiten an den Schulen: Jeweils über 80 Prozent der Schüler und Eltern finden das Schulgebäude nicht attraktiv und vermissen ausreichende Spielmöglichkeiten auf dem Schulhof. 71 Prozent der befragten Schüler aus siebten, neunten und zwölften Klassen gefällt auch die Ausstattung der Klassenräume nicht. Die Studie zeigt aber auch, dass das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern besser ist, als häufig angenommen: 55 Prozent der Schüler und 89 Prozent der Lehrer halten die gegenseitigen Beziehungen für gut; sehr unzufrieden sind dagegen nur 14 Prozent der Schüler und nur ein Prozent der Lehrer. Schlechter beurteilen die Schüler den Umgang untereinander: ein Drittel ist zufrieden mit den Beziehungen zu seinen Mitschülern, 43 Prozent sind weniger zufrieden und 24 Prozent sogar sehr unzufrieden. "Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass Schule mehr ist als nur Unterricht und Noten", sagt Marga Pröhl, Bereichsleiterin der Bertelsmann Stiftung. "Schüler und Lehrer benötigen Freiräume für den Umgang miteinander, für persönliche Beratung und notwendige Hilfestellung." Um bereits vorhandene Kapazitäten weiter auszubauen und miteinander zu verzahnen, müssten Schulen und Kommunen zukünftig deutlich enger zusammenarbeiten. Die ähnlichen Befragungsergebnisse in den untersuchten Städten zeigen nach Meinung der Expertin, dass es sich um strukturelle Probleme handelt, die auch an anderen Orten bestehen können. Voraussetzung für die Lösung dieser Schwierigkeiten sei vor allem Transparenz. Marga Pröhl: "Die Bereitschaft der sechs Städte aus NRW und ihrer Schulen, an der Umfrage teilzunehmen und die Daten ermitteln zu lassen, ist vorbildlich." Hierin zeige sich der große Reformwille aller Beteiligten, die in den Befragungsergebnissen die Chance sähen, gemeinsam positive Veränderung zu bewirken. Detaillierte Ergebnisse der Umfrage, die vom Institut "PROSOZ/PROkids" durchgeführt wurde, stehen im Internet (www.bertelsmann-stiftung.de/presse) oder können bei der Bertelsmann Stiftung angefordert werden (Tel.: 0 52 41 / 81-72 52). ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen an: Andrea Rohden, Telefon: 0 52 41 / 81-73 71 Original-Content von: Bertelsmann Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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