Bertelsmann Stiftung

Deutschland bleibt trotz Rentenreform bei Kapitaldeckung in der Altersvorsorge international weit abgeschlagen
Experten-Netzwerk der Bertelsmann Stiftung empfiehlt größere Spielräume für die Kapitalanlage

Gütersloh (ots) - Das deutsche Rentenversicherungssystem belegt bei der Kapitaldeckung im internationalen Vergleich nur einen hinteren Platz. Daran werden auch die Pläne der Bundesregierung nichts ändern, den Aufbau eines individuellen Kapitalstocks für die Altersvorsorge etwa durch Lebensversicherungen oder Investmentfonds staatlich zu fördern. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann Stiftung unter renommierten Think Tanks und Wirtschaftsforschungsinstituten in 15 OECD-Ländern hervor. Während in Großbritannien, Australien und der Schweiz weit über zwei Drittel der gesamten Beitragszahlungen in die Kapitaldeckung fließen, sind es in Deutschland weniger als ein Viertel. Damit liegt die Bundesrepublik zusammen mit Frankreich, Österreich, Italien und Spanien auf einem hinteren Rang. Die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland, in der die Beiträge unmittelbar an die heutigen Rentner weitergereicht werden, gerät aus dem Gleichgewicht: Die Einnahmebasis bröckelt bei stetig wachsenden Ansprüchen. Im Unterschied zu anderen Ländern wurde es in der Vergangenheit versäumt, einen Kapitalstock zur Stabilisierung der Rentenversicherung aufzubauen. So reichen die kapitalgedeckten Schwankungsreserven in Deutschland nicht einmal für die Rentenzahlungen eines Monats. Dagegen sind die Renten in Schweden durch Kapitalreserven für fünf Jahre im Voraus gesichert. Auch Australien, die Niederlande, die USA und Kanada bauen innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung systematisch beträchtliche Kapitalpolster auf. Die Experten empfehlen einen weiteren Ausbau der kapitalgedeckten Altersvorsorge, mahnen dabei aber mehr Flexibilität an, als im Gesetzesentwurf der Bundesregierung geplant. Er sieht vor, dass - auf Kosten der Rendite - alle staatlich geförderten Ersparnisse für die Altersvorsorge verrentet werden und daher nach Eintritt ins Rentenalter die Zahlungen aus dem angesparten Kapital bis zum Lebensende garantiert werden müssen. Die Experten setzen dagegen auf Anlagefreiheit und fordern lediglich, dass durch die Kombination von gesetzlicher und privater Rente Alterseinkünfte oberhalb der Armutsgrenze erreicht werden müssen. Zudem sagt Gary Burtless, Rentenexperte der renommierten Washingtoner Brookings Institution: "Wenn die umlagenfinanzierte Rentenversicherung in Deutschland zurückgefahren und durch kapitalgedeckte Elemente ausgeglichen werden soll, dann müssen alle Bürger verpflichtet werden, einen individuellen Kapitalstock aufzubauen. Andernfalls droht die Altersarmut zum Massenphänomen zu werden." Befragt wurden Experten eines von der Bertelsmann Stiftung initiierten internationalen Reformnetzwerkes. Ihm gehören neben Wissenschaftlern der London School of Economics, des Wiener Institutes für Höhere Studien, des japanischen National Institute of Population and Social Security und der Schweizer Hochschule St. Gallen renommierte Forschungsinstitute aus insgesamt 15 OECD-Staaten an. Die Umfrage enthält sowohl quantitative als auch qualitative Informationen zur kapitalgedeckten Altersvorsorge und einen Überblick zu aktuellen internationalen Reformen in diesem Feld. ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen an: Andreas Esche, Tel.: 0 52 41/ 81 73 33 Die Ergebnisse der Umfrage und ein Ländervergleich finden sich in der Studie "Advance Funding of Pensions" unter www.reformmonitor.org. Original-Content von: Bertelsmann Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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