Bertelsmann Stiftung

Noch ein langer Weg bis zum virtuellen Rathaus
Studie der Bertelsmann Stiftung: Potenziale der Informationstechnologie bei weitem noch nicht ausgeschöpft

    Gütersloh (ots) - Das virtuelle Rathaus, in dem Behördengänge rund
um die Uhr per Mausklick abgewickelt werden können, steht in den
meisten Städten erst am Anfang. Nach einer Befragung der Bertelsmann
Stiftung von Führungskräften fast aller deutschen Städte über 50.000
Einwohner bereitet erst rund ein Drittel städtische Dienstleistungen
online auf. Ein weiteres Drittel arbeitet noch an einem interaktiven
Online-Angebot für die Bürger; der Rest kann nur auf statische
Informationen auf der eigenen Homepage verweisen.
    
    Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Verwaltungschefs in
Deutschland den strategischen Einsatz neuer Informations- und
Kommunikationstechnologien noch nicht ausreichend als
kommunalpolitische Führungsaufgabe erkannt haben. In lediglich einem
Viertel aller befragten Kommunen, in denen mit der Umsetzung des
virtuellen Rathauses bereits begonnen wurde, sei dieses Projekt zur
"Chefsache" geworden. Und das, obwohl die ebenfalls befragten
führenden Verwaltungsexperten der Ansicht sind, dass die politische
Führung dieses Thema nicht delegieren dürfe.
    
    Immerhin wird die große Bedeutung moderner Technologien erkannt:
Für drei Viertel der rund 160 befragten Verwaltungschefs haben die
Modernisierung und der Umbau der Verwaltung eine sehr große Bedeutung
für die Zukunft ihrer Stadt. Die Elektronisierung der
Geschäftsprozesse soll für die Bürger spürbare Vorteile bringen, wie
z.B. wegfallende Anfahrtswege, kürzere Bearbeitungszeiten sowie die
ständige Erreichbarkeit der Ämter.
    
    Die Studie belegt, dass die Potenziale der Informationstechnologie
für die städtischen Verwaltungen noch bei weitem nicht ausgeschöpft
sind. Hindernisse auf dem Weg zum "Virtuellen Rathaus" sehen die
Verwaltungschefs vor allem in finanziellen Engpässen sowie der
mangelnden Medienkompetenz bzw. der unzureichenden technischen
Ausstattung breiter Bevölkerungsschichten. Hier geht die Hälfte der
Befragten davon aus, dass den Bürgerinnen und Bürgern beim Umgang mit
den neuen Technologien wesentlich mehr Anleitungen gegeben werden
müssen als bisher.
    
    Aus den Ergebnissen der repräsentativen Befragung wie auch den
Expertenstatements geht hervor, dass der Erfolg einer
Elektronisierung der Verwaltungsvorgänge auch wesentlich von der
Kompetenz der Führungskräfte sowie der Qualifikation und dem
Engagement der Mitarbeiter abhängt. 83 Prozent der befragten
Verwaltungschefs schätzen den Weiterbildungs-bedarf für sich selbst
wie auch für ihre Mitarbeiter als sehr groß ein. Hier stehen die
öffentlichen Verwaltungen vor ähnlichen Herausforderungen an die
Personalentwicklung wie die private Wirtschaft. Um das virtuelle
Rathaus möglichst effizient aufzubauen, empfiehlt die Studie darüber
hinaus ein systematisches Benchmarking sowie einen Informations- und
Erfahrungsaustausch der Städte untereinander.
    
    Die Studie "Virtuelle Medien als Chance für die Stadt der Zukunft
- Strategische Herausforderung für die politische Führung" kann bei
der Bertelsmann Stiftung angefordert werden.
    
ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung
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