Bertelsmann Stiftung

Carl Bertelsmann-Preis 2000 in die Schweiz und die Niederlande
Herausragende Lösungen in beiden Ländern mit Vorbildfunktion für das deutsche Gesundheitswesen

Gütersloh (ots) - Der mit 300.000 Mark dotierte Carl Bertelsmann-Preis für vorbildliche Leistungen im Gesundheitswesen geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen in die Schweiz und in die Niederlande. Das Eidgenössische Departement des Innern erhält den Preis für die Einführung eines neuen Krankenversicherungsgesetzes in der Schweiz, das Wettbewerb und solidarische Prinzipien miteinander in Einklang bringt. In den Niederlanden wird die Vereinigung der Hausärzte für ihre einzigartigen Anstrengungen um die Versorgungsqualität ausgezeichnet. In einem Festakt in der Gütersloher Stadthalle nahmen heute die Schweizer Bundesrätin Ruth Dreifuss und der Präsident des niederländischen Hausärzteverbandes, Dr. Wim Stalman, die hohe Auszeichnung aus den Händen von Reinhard Mohn entgegen. Zu den knapp 900 Gästen gehörten die wichtigsten gesundheitspolitischen Repräsentanten und Verbandsvertreter aus Deutschland sowie internationale Gesundheitsexperten, darunter Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer, ihr Vorgänger Horst Seehofer sowie die niederländische Gesundheitsministerin Els Borst-Eilers. Deutsches Gesundheitssystem liegt im internationalen Vergleich zurück In seiner Laudatio zeichnete der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Dr. Mark Wössner, ein kritisches Bild vom Zustand des deutschen Gesundheitswesens: "Unser Gesundheitssystem selbst ist nicht gesund. Die Leistungen liegen im internationalen Vergleich zurück, bei den Kosten nimmt Deutschland aber eine Spitzenposition ein. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht mehr!" Zu den wesentlichen Gründen zählte Wössner die große Angebotsdichte: Die Ärztezahl sei weit überdurchschnittlich und die Zahl der Akutbetten höher als in allen Vergleichsstaaten. Verkrustete Strukturen, mangelnder Wettbewerb und Ineffizienz Auch bei der Inanspruchnahme des Gesundheitssystems seien die Deutschen Weltmeister. "Unsere Landsleute gehen dreimal häufiger zum Arzt als die Schweden und bleiben doppelt so lange im Krankenhaus wie unsere nördlichen Nachbarn", sagte Wössner. Dennoch seien dort die Lebenserwartung und die Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung deutlich höher. Zudem kritisierte Wössner die verkrusteten Strukturen, den mangelnden Wettbewerb und die Ineffizienz im deutschen Gesundheitssystem. Die Folge sei eine Verschwendung von Ressourcen. So würden jedes Jahr Arzneimittel im Wert von vier Milliarden Mark auf den Müll geworfen. 50 Prozent der Röntgenuntersuchungen seien überflüssig. Wössner: Gesundheitssystem grundlegend reformieren Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung forderte die anwesenden Gesundheitspolitiker und Verbandsvertreter auf, nicht weiter an den Symptomen herum zu kurieren, sondern das System grundlegend zu reformieren und für größere Transparenz zu sorgen. Dabei könnten die herausragenden Modelle in der Schweiz und den Niederlanden wertvolle Orientierung geben. Schweiz: Wettbewerb und Sozialverträglichkeit sind keine Gegensätze So hätte die Schweiz einen vorbildlichen gesetzlichen Rahmen geschaffen, der durch Einführung marktwirtschaftlicher Elemente im Gesundheitswesen zu einem Wettbewerb unter Ärzten und Krankenkassen geführt habe. Resultat sei eine vorbildliche Integration von ambulantem und stationärem Sektor, Serviceverhalten und Dienstleistungsverständnis bei Medizinern und Kassen sowie ein differenziertes Leistungsangebot. Der Wettbewerb sei dennoch sozialverträglich gestaltet und verhindere so negative Effekte für die Patienten. "In Deutschland werden die Ärzte dafür bezahlt, möglichst viele Leistungen am Kranken auszuführen. In der Schweiz erhalten sie ihren Lohn dafür, dass der Patient gesund wird", brachte Wössner die gravierenden Systemunterschiede auf den Punkt. Niederlande: Hervorragende Grundversorgung durch Allgemeinmediziner In den Niederlanden sei es gelungen, in der Basisversorgung für die Bevölkerung eine herausragende medizinische Qualitätssicherung mit hoher Effizienz zu entwickeln. "Bei unseren holländischen Nachbarn herrscht eine hervorragende gesundheitliche Grundversorgung durch die Allgemeinmediziner," begründete Wössner die Preisvergabe. Diese sogenannten Primärärzte hätten die Funktion eines Gatekeepers für das gesamte Gesundheitssystem. Die dafür erforderliche Kompetenz würde durch eine hervorragende Aus- und Fortbildung und einen alle fünf Jahre stattfindenden "Ärzte-TÜV" gesichert. Behandlungsleitlinien, die auch als Informationsbroschüren für Patienten herausgegeben werden, würden dazu führen, dass die Primärärzte auch wissenschaftlich immer auf dem neuesten Stand seien, so Wössner. Weltweite Recherche Grundlage für die Preisverleihung Die Grundlage für die Verleihung des Carl Bertelsmann-Preises bildete eine internationale Recherche, die von der Prognos AG (Basel) durchgeführt wurde. Dabei nahmen die Experten vor allem die Gesundheitssysteme in Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Kanada, den Niederlanden, der Schweiz und den USA unter die Lupe. Die Studie konzentrierte sich auf die Themenfelder Versorgungssicherheit, Steuerungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit, Versorgungsqualität und Nachhaltigkeit. ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen an: Andreas Esche, Telefon: 0 52 41 / 81-73 33 Jan Böcken, Telefon: 0 52 41 / 81-74 462 Hintergrundinformationen unter: http://www.preis.stiftung.bertelsmann.de Original-Content von: Bertelsmann Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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