Bertelsmann Stiftung

Zustimmung zu Studiengebühren in Deutschland wächst
Deutliche Mehrheit für Gebühren, die in die Hochschulen fließen - CHE Centrum für Hochschulentwicklung legt Ergebnisse einer forsa-Umfrage vor

Gütersloh (ots) - 57 Prozent der Deutschen sind mit der Einführung von Studiengebühren von 1.000 Mark pro Semester einverstanden, wenn die Mittel direkt in die Hochschulen fließen und dort zur Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt werden. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage von Bevölkerung und Studierenden hervor, die das CHE Centrum für Hochschulentwicklung bei forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) in Auftrag gegeben hat. Mit 62 Prozent noch größere Akzeptanz besteht in der Bevölkerung, wenn die Kosten über ein Darlehen finanziert werden, das erst nach dem Studium und bei Überschreitung einer bestimmten Einkommensgrenze zurückzuzahlen ist. Vor allem Wähler der SPD mit 62 Prozent und der CDU/CSU mit 69 Prozent sowie die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen mit 71 Prozent befürworten dieses Konzept. Dagegen lehnen es die Bürger ab, dass die Mittel in die Haushalte von Bund und Ländern fließen. In diesem Fall sind 74 Prozent der Bevölkerung gegen Studiengebühren. Bei den Wählern von Bündnis 90/Die Grünen ist diese Ablehnung besonders stark (97 Prozent), während die Gebühren mit Darlehensfinanzierung auch bei dieser Wählergruppe mehrheitsfähig sind (52 Prozent). Bei den Studierenden gibt es mit 94 Prozent ebenfalls eine rigorose Ablehnung von Gebühren, die in den Staatshaushalt fließen. Darlehensfinanzierte Gebühren, die direkt an die Hochschulen gehen, finden bei den Studierenden hingegen eine Zustimmung von 47 Prozent. Junge Studierende bis 23 Jahre befürworten dieses Konzept mehrheitlich (52 Prozent). Forsa hatte bereits Anfang 1998 im Auftrag des CHE die selben Fragen gestellt. Die Zustimmung zu Studiengebühren, die in die Hochschulen fließen, lag damals bei 54 Prozent. Über ein Darlehen finanzierte Gebühren wurden zu 56 Prozent befürwortet. Damit wird insbesondere das zweite Modell heute mit 62 Prozent deutlich positiver bewertet. Gegenüber der damaligen Befragung zeigt sich, dass die Bevölkerung die Gebührendiskussion differenzierter wahrnimmt: Während die Zustimmung zur Darlehensvariante um 6 Prozent stieg, erhöhte sich die Ablehnung von Gebühren, die in die Länderhaushalte fließen, um 4 Prozent. "Damit entfernt sich die Politik, die über generelle Gebührenverbote nachdenkt, zunehmend vom Willen der Bürger", sagte Professor Müller-Böling, Leiter des CHE. Es sei bedauerlich, dass internationale Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und die differenzierte Einstellung der Bevölkerung von der Politik nicht zur Kenntnis genommen würden. Auch zeige eine kürzlich vom CHE veröffentlichte Studie, dass Hochschulabsolventen auf Kosten der Allgemeinheit profitierten. "Es ist Zeit für den Wettbewerb im Föderalstaat. Bundesländer, die Gebührensysteme erproben wollen, sollten nun endlich die Chance dazu erhalten", forderte Müller-Böling. Anstatt weiter über das "Ob" von Studiengebühren zu diskutieren, gehe es jetzt vielmehr um das "Wie". "Es gibt inzwischen genügend gute Ideen, wie man Studiengebühren sozialverträglich und praktikabel umsetzen kann", so Müller-Böling. So berücksichtige das von CHE und Stifterverband vorgestellte Studienbeitragsmodell die beiden zentralen Erfolgskriterien für Gebührensysteme: Den Einsatz der Beiträge für die Verbesserung der Studienbedingungen an den Hochschulen und das Vermeiden von sozialen Zugangsbarrieren zum Studium durch das Darlehen. Auch die derzeit diskutierten Modelle der "Studienkonten" ließen sich mit allgemeinen Studiengebühren verknüpfen und würden dadurch eine konsistente Verbindung zwischen privater und staatlicher Bildungsfinanzierung schaffen. ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen an: Susanne Dopheide, Telefon: 0 52 41 / 97 61 27, E-Mail: susanne.dopheide@che.de Die Ergebnisse der forsa-Befragung können im Internet unter http://www.che.de abgerufen werden. Original-Content von: Bertelsmann Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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