Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung: Kommunalpolitische Mandate aufwerten und Ratsarbeit effektiver gestalten

Gütersloh (ots) - Kommunalpolitische Studie: Parteien leiden unter Nachwuchsmangel in der Kommunalpolitik - Loyalität bei der Personalrekrutierung wichtiger als Fachkenntnisse - Defizite in der Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung Die politischen Parteien in Deutschland haben große Probleme, geeignete Kandidaten für die Kommunalparlamente zu finden. Besonders junge Menschen sind kaum noch bereit, sich politisch für ihr Gemeinwesen zu engagieren. Das belegt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, die vom Gelsenkirchener Institut für Arbeit und Technik durchgeführt wurde. Die Untersuchung verweist darauf, dass die Verwaltungsreform bislang weitgehend ohne eine Reform der Kommunalpolitik stattgefunden hat. Ein Hauptgrund für den bedrohlichen Nachwuchsmangel sind undurchsichtige Kriterien bei der Kandidatenauswahl und bei der Platzierung auf vorderen Listenplätzen. So zeigt die Befragung von Politikern in neun Kommunen unterschiedlicher Größenordnung, dass bei den Qualifikationsmerkmalen eines Kandidaten Kriterien wie "Loyalität" und "Gesunder Menschenverstand" deutlich vor "Fachkenntnissen" und "Sozialen Kompetenzen" rangieren. Die Untersuchung der Bertelsmann Stiftung soll Aufschluss darüber geben, wie die Kommunalpolitik wieder attraktiver gestaltet und politische Arbeitsstrukturen verbessert werden können. Befragt wurden zahlreiche Ratsmitglieder in den Städten Dortmund, Arnsberg, Halberstadt, Coesfeld, Celle, Herford, Passau und Leipzig sowie im Landkreis Osnabrück. "Da alle untersuchten Städte in der Verwaltungsreform bundesweit zur Spitzengruppe gehören, weisen die Ergebnisse auf die Dimension des Problems hin und lassen auf einen großen Handlungsbedarf in den 14.000 deutschen Kommunen schließen", sagte Dr. Marga Pröhl von der Bertelsmann Stiftung heute bei der Vorstellung der Studie auf einem kommunalpolitischen Kongress in Gütersloh. Die Untersuchung zeigt, dass rund ein Drittel der befragten Kommunalpolitiker die Auffassung vertreten, der Rat sei nicht mehr in der Lage, die Verwaltung zu steuern. Aber auch diejenigen Befragten, die an die Steuerungsfunktion der Politik glauben, setzen dabei nicht auf moderne, sondern klassische Instrumente wie das "Zurückpfeifen" der Verwaltung. So spielt das oft zitierte "Neue Steuerungsmodell" kaum eine Rolle; 60 Prozent der Befragten meinen, es sei noch nicht weit genug ausgereift. Während die Kommunalpolitiker der Verwaltung die Fähigkeit zur strategischen Planung zubilligen, geben 90 Prozent der Befragten an, die strategische Planung von Politik und Fraktionen sei unzureichend. Als Gründe dafür werden Zeitmangel und das "politische Tagesgeschäft" angegeben. Die Ergebnisse der Recherche der Bertelsmann Stiftung belegen auch einen großen Qualifizierungs- und Fortbildungsbedarf in der Kommunalpolitik. So fühlen sich 70 Prozent der Befragten lediglich durch eigene Berufserfahrung oder die "Schule des Lebens" auf ihre Tätigkeit vorbereitet. 30 Prozent fühlen sich nur teilweise oder überhaupt nicht für ihre Aufgaben qualifiziert. Dennoch werden die bereits existierenden Fortbildungsangebote auf Grund beruflicher Belastung oder Zeitmangel kaum wahrgenommen. Vor dem Hintergrund dieser Recherche-Ergebnisse will die Bertelsmann Stiftung aktive Beiträge zur Reform der Kommunalpolitk leisten. Gemeinsam mit reformorientierten Kommunen soll zukünfig aufgezeigt werden, wie Ratsarbeit effektiver, das heißt zielorientierter gestaltet werden kann. Hierzu gehört die Entwicklung moderner Informationssysteme, Ergebniskontrolle und Rechenschaftslegung gegenüber der Bürgerschaft. Dazu benötigen Ratsmitglieder gezielte Qualifizierungsangebote, die in Zusammenarbeit mit politischen Stiftungen und anderen Partnern entwickelt und angeboten werden sollen. Die Bertelsmann Stiftung verfolgt damit das Ziel, ehrenamtliche kommunalpolitische Mandate wieder aufzuwerten: Durch bessere Zeitökonomie und Ergebnisorientierung würde Kommunalpolitik auch für "zeitarme" Bevölkerungsgruppen wieder attraktiv. Die politischen Parteien sind in diesem Zusammenhang aufgefordert, Anforderungsprofile für kommunalpolitische Mandate genauer zu formulieren und Strategien für Führungsnachwuchsarbeit zu entwickeln. ots Originaltext: Bertelsmann Stiftung Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Rückfragen an: Andreas Henke, Telefon: 0 52 41 / 81 71 29 Dr. Andreas Osner, Telefon: 0 52 41 / 81 72 80 Original-Content von: Bertelsmann Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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