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FZ: "Gespenster des Kalten Krieges" Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Freitag, 4. April 2014) zu USA/Russland/Nasa

Fulda (ots) - Jetzt hat der neue kalte Krieg das All erreicht: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa setzt die Zusammenarbeit mit Moskau in weiten Teilen aus, lediglich die Internationale Raumstation ISS zieht weiter unbeirrt ihre Umlaufbahn ¬- mit amerikanischen und russischen Raumfahrern an Bord. Der Schritt der Nasa, deren Mitarbeiter am Erdboden nun nicht einmal mehr E-Mails an ihre russischen Kollegen schreiben dürfen, zeigt, wie ernst die Lage ist. Galt doch die Kooperation über den Wolken mehr als 20 Jahre lang als starkes und scheinbar unverbrüchliches Symbol dafür, dass die Konfrontation und der Wettlauf der Supermächte vorbei sind. Nicht zuletzt sollte sich die "Friedensdividende" auch im All auszahlen: gemeinsame Projekte, halbierte Kosten, bessere Forschungsergebnisse. Das alles steht nun auf dem Spiel. Die Nasa sendet Drohgesten, obwohl sie ¬- zumindest im Moment noch - von russischer Transporttechnik auf Gedeih und Verderb abhängig ist. Man kann sich vorstellen, welchen Druck die US-Politik auf die Forscher ausgeübt haben muss. Für die Regierung Obama, die von der Opposition in Washington seit Monaten zu einem härteren Kurs gegenüber Moskau gepeitscht wird, bietet der Weltraum-Boykott ein willkommenes Ventil: Er signalisiert Entschlossenheit, ohne dass die militärische Option forciert werden muss. Doch längst sind auf beiden Seiten die Gespenster des Kalten Kriegs zurück: Truppenaufmärsche, verbale Scharfmacher, Propaganda und gegenseitiges Misstrauen. Weder Russland noch die Nato scheinen an einer Deeskalation interessiert zu sein. An der ukrainischen Ostgrenze braut sich etwas zusammen, was eine tödliche Eigendynamik entwickeln kann. Besonnenheit ist jetzt gefragt - und mehr von jenem weltbürgerlichen Geist, der die Astro- und Kosmonauten auf der ISS zusammenschweißt.

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