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#WDR360-Recherche: Ghostwriter - Das Geschäft mit den Hausarbeiten

Köln (ots) -

Das junge Format #WDR360 hat einen Ghostwriter gesucht, um 
herauszufinden: Wie geht das überhaupt? Presenter Tim Schrankel macht
den Selbsttest - verdeckt. Der Auftrag: zwölf Seiten Hausarbeit. Die 
Dauer: zwei Wochen. Die Kosten: 1030,- Euro. Ein Last-Minute und 
Rundum-sorglos-Paket für faule, aber reiche Studenten. Wer Geld hat, 
kann andere seine Hausarbeit schreiben lassen. So scheint es 
zumindest.

Schnell und anonym an einen Ghostwriter kommen - das geht schneller 
als erwartet. Nach einer Googlerecherche, zwei unverbindlichen 
Anfragen bei Vermittlungsagenturen und weniger als fünf Minuten ist 
der erste Kostenvoranschlag im Mailpostfach. Nach 30 Minuten folgt 
der zweite. Dieser wird angenommen. Ein Termin für eine 
Telefonkonferenz wird ausgemacht und anonym mit dem Ghostwriter über 
das Thema gesprochen. 

Das Ergebnis
Der Test geht noch weiter: Tim Schrankel gibt die gekaufte Arbeit und
eine echte Arbeit zum gleichen Thema bei 
Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Susanne Keuneke vom Institut für 
Sozialwissenschaften von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf
ab. Welche Arbeit von wem stammt, ist ihr nicht bekannt, aber 
trotzdem erkennt die Wissenschaftlerin genau, welche der Arbeiten 
gekauft ist. Die Arbeit des Ghostwriters sei geschliffen formuliert 
und es würde deutlich, dass sich jemand mit dem Zitieren von 
wissenschaftlichen Quellen gut auskenne. Allerdings ist die Arbeit 
inhaltlich am Thema vorbei und hätte nur die Note 3,3 erhalten.
 
Wenn es sich um einen echten Täuschungsversuch gehandelt hätte, dann 
würde dem Studierenden zumindest an der Heinrich-Heine-Universität in
Düsseldorf Strafgeld in Höhe von 500,- bis 1.000,- Euro drohen. Und 
die Prüfung selbst wäre nicht bestanden. Die Ghostwriter selbst 
entziehen sich der Verantwortung mit einem Trick in den AGB der 
Agenturen, die ihre "Dienstleistung" vermitteln. Die Behauptung: Sie 
würden lediglich ein "Beispiel" oder ein "Muster" erstellen, das 
nicht eins zu eins eingereicht werden soll.

Das #WDR360-Video zu dem Selbstversuch ist ab dem 5.10.2016 um 6 Uhr 
unter folgendem Link verfügbar: https://youtu.be/E9BDE1eBtvU

Redaktion: Jonas Wixforth

Fotos finden Sie unter ARD-Foto.de 
 

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