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Neuer Hackerangriff auf Bundespolitiker - BSI warnt Parteien vor Cyberangriffen

Köln (ots) -

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI warnt 
Parteien und Bundestagsfraktionen vor Ausspähung durch Hacker. Grund 
dafür sind Cyberangriffe auf Parteien und Bundestagsabgeordnete, 
hinter denen das BSI nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher
Zeitung die mutmaßlich russische Hackergruppe "apt28" vermutet. Die 
Behörde befürchtet offenbar, die Angriffe könnten dazu dienen, 
Informationen zu sammeln, mit denen die öffentliche Meinung in 
Deutschland gezielt manipuliert werden soll, etwa vor der 
Bundestagswahl. 

Ziele waren unter anderem die SPD-Bundestagsfraktion, die 
Bundesgeschäftsstellen der Linken und der Jungen Union, zahlreiche 
Bundestagsabgeordnete, darunter die Fraktionsvorsitzende der Linken, 
Sahra Wagenknecht sowie Spitzenpolitiker der CDU Saar. 
Der Absender sah aus, als kämen die Nachrichten von der NATO. 
Tatsächlich stammten sie von Hackern, die nach Einschätzung von 
Sicherheitsbehörden von russischen Geheimdiensten gesteuert werden. 
Die Mails enthielten Links, die angeblich zu Informationen über das 
Erdbeben in Italien und zum Putschversuch in der Türkei führen 
sollten. Sie verlinkten aber auf eine Seite, die Schadsoftware 
verbreitet. 

Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung informierten
die NATO und der Bundesnachrichtendienst am 7. September das 
Cyberabwehrzentrum des Bundes über die Hacker-Attacke. Auch das 
Bundesamt für Verfassungsschutz warnte vor den Mails. Nach einer 
Bewertung informierte das BSI schließlich die betroffenen Personen 
und Parteien:
"Wir hatten Sorge, dass einfach Gefahr im Verzug ist, wir haben jetzt
dort einen Warnhinweis bekommen, es habe Angriffe gegeben und es geht
ja darum, dass man auch schnell handelt, von daher war es auch 
wichtig, dass wir am Freitag alle Parteien, die im Bundestag 
vertreten sind, darüber informiert haben", erklärt Arne Schönbohm, 
Präsident des BSI. 

Der Angriff scheiterte jedoch zumindest im Bereich des Bundestags, da
die Verwaltung den Zugriff auf die Server mit der Schadsoftware aus 
dem Netz des Bundestages bereits im Juli gesperrt hatte.
Das Vorgehen ist offenbar typisch für die Gruppe mit dem Namen 
"apt28". Sie soll westlichen Behörden seit 2007 bekannt sein. Ihr 
wird auch der Angriff auf Server des deutschen Bundestages im 
vergangenen Jahr zugerechnet. Dabei flossen erhebliche Datenmengen 
ab. Erst als die Bundestags-IT abgeschaltet wurde, konnte der Angriff
gestoppt werden.

In der Bundesregierung und im BSI wird die neue Attacke sehr ernst 
genommen. Man befürchtet, dass sensible Informationen gesammelt 
werden sollen, um damit die Meinungsbildung etwa vor der 
Bundestagswahl zu manipulieren. BSI-Chef Arne Schönbohm: "Man kann 
hier die Sorge haben, dadurch dass das so flächendeckend passiert 
ist, also nicht einzelne Personen nur angegriffen worden sind, dass 
es hier auch vorbereitende Maßnahmen gibt für Angriffe, um später 
diese Informationen zu verwerten." Ähnliche Vorwürfe gibt es in den 
USA nach einem Hacker-Angriff auf die Demokratische Partei. Auch 
dieser soll von Russland ausgegangen sein. 

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