Leipzig (ots) - Alles neu bei mdr.de - MDR-Intendant Udo Reiter setzt auf die verjüngende Wirkung des Internets In der Nacht vom 10. zum 11. Juli hat der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK sein neues Internetangebot mdr.de gestartet. "Mehr Frische, mehr Übersicht, mehr MDR" verspricht der Sender seinen Nutzern. Der Neuauftritt unter www.mdr.de umfasst unter anderem die Seiten von 38 Fernsehsendungen und sechs Radioprogrammen. Zum ersten Mal sind damit beispielsweise "Riverboat" oder das neue DAB-Radioprogramm MDR Klassik im Netz vertreten. Mit dem neuen elektronischen "Programmführer" können TV- und Radio-Programme vier Wochen im voraus durchsucht werden. Er reicht außerdem zwei Wochen zurück, um zum Beispiel direkt zu den Archivseiten einer gesehenen Sendung zu gelangen oder deren Quoten nachzulesen. Eine neue "Multimedia-Konsole" zeigt alle im Angebot vorhandenen Audios und Videos. Auch hier profiliert sich mdr.de noch stärker mit den Kernkompetenzen eines Rundfunksenders. MDR-Intendant Udo Reiter: "Unser Internetangebot nimmt auf die Hörfunk- und Fernsehprogramme des MDR unmittelbar oder mittelbar thematisch Bezug. Dazu muss man uns nicht zwingen: Wir wären kurzsichtig, würden wir nicht die journalistische Kompetenz und exklusiven Inhalte unserer Radio- und Fernsehprogramme auch im Internet in den Vordergrund rücken. Mit der Profilierung als multimedialer, glaubwürdiger, kosten- und werbefreier Informationsanbieter für die Region werden wir dem Programmauftrag gerecht." Dabei setzt Udo Reiter große Hoffnungen in den neuen Internetauftritt: "Wenn wir etwas gegen die drohende Überalterung unserer Programme tun wollen, kann uns das Internet von Nutzen sein. Ganze zwei Drittel der mdr.de-Nutzer sind nämlich jünger als 49 Jahre. Diese Menschen wollen wir mit unseren Neuen Medien auch an die klassischen Medien Hörfunk und Fernsehen heranführen." Internet-Chef Georg Maas erklärt, wie es gehen soll: "Die zentrale Idee ist die Präsentation in sechs Themenbereichen: Viele junge Internetnutzer kennen unsere klassischen Sendungen zwar nicht, interessieren sich aber für Themen wie Sport oder Boulevard. Denen liefern wir interessante Informationen und zeigen ihnen, wo sie im Fernsehen und Radio Ähnliches finden." Die dazu nötige Integration verschiedenster Quellen und Inhalte ermöglicht die Einführung des Content-Management-Systems "Vignette". Rund 120 Mitarbeiter in der Online-Redaktion sowie in den verschiedenen Bereichen der Dreiländeranstalt nutzen die Software zur Produktion des Internetangebotes. Insgesamt 24 Monate arbeiteten IT-Spezialisten des MDR zusammen mit den Firmen MSG, Cap Gemini und Tallence an dem System. Das komplett neue Design wurde im MDR entwickelt. Es soll klar und durchgängig eine Dachmarke schaffen und damit den Portalcharakter von mdr.de für die digitale MDR-Welt verdeutlichen. Mit dem Neuauftritt will mdr.de seine führende Position vor allem bei der regionalen Nutzung des Internets weiter ausbauen. In der Rangliste der meistbesuchten TV- und Radioseiten in den drei Bundesländern belegt mdr.de zur Zeit den zweiten Platz nach RTL und vor allen anderen überregionalen Sendern. Das ergab eine vom MDR in Auftrag gegebene Repräsentativ-Befragung durch NFO Infratest Anfang 2002. Mit der einzigen 24 Stunden besetzten Online-Redaktion in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, über 60.000 Seiten und mehreren Millionen Zugriffen pro Monat ist das Angebot von mdr.de das größte und bedeutendste im MDR-Sendegebiet sowie ein wichtiger Teil des ARD-Online-Verbundes. Die Erwartungen sind groß - und zu erfüllen MDR-Intendant Udo Reiter äußert sich in einem Interview anlässlich des Neuauftritts von mdr.de zur aktuellen Diskussion um den Auftrag öffentlich-rechtlicher Sender im Internet Die Internetauftritte der ARD und ihrer Landesrundfunkanstalten sind gerade wieder heiß umstritten. Kommt der Ausbau von mdr.de da nicht zur Unzeit?
Nein, auf ein Ende der Debatte können wir nicht warten. Von den rund drei Millionen Internetnutzern in unserem Sendegebiet wollen wir niemanden mit einem schwachen Angebot enttäuschen. Die Erwartungshaltung der Nutzer übertrifft das, was uns einige Kritiker zugestehen wollen, bei weitem. Und es ist unsere Aufgabe, im Rahmen des gesetzlich Möglichen die Erwartungen der Gebührenzahler zu erfüllen. Unter anderem wird kritisiert, dass wir mehr Inhalte ins Internet packen als in die eigentlichen Sendungen ...
Dieser Vorwurf ist paradox, denn gerade darin besteht doch die geforderte "Ergänzung und Vertiefung der Programme", hier liegt der Mehrwert für den Nutzer. Die natürlichen Grenzen unserer Programme - Medium, Sendezeit, Sendezeitpunkt und regionale Verbreitung - verschwinden im Internet. Sollen wir also einen Musterbrief des Verbrauchermagazins "Umschau" nicht im Internet anbieten, weil es den nicht in der Sendung gibt? Sollen wir auf detaillierte Wahlkreis-Ergebnisse verzichten, weil im Radio auch nicht alle genannt werden? Sollen wir auf den Chat mit einem gerade gewählten Ministerpräsidenten verzichten, weil die Zuschauer im Fernsehen ja auch nicht mitreden können? Das kann doch nicht ernsthaft so gemeint sein. Im § 4 Abs. 3 ARD-Staatsvertrag wird von den Online-Diensten ein "vorwiegend programmbezogener Inhalt" gefordert. Wie geht der MDR mit dieser Richtlinie um?
Sehr pragmatisch: Unser Internetangebot nimmt auf die Hörfunk- und Fernsehprogramme des MDR unmittelbar oder mittelbar thematisch Bezug. Dazu muss man uns nicht zwingen: Wir wären kurzsichtig, würden wir nicht die journalistische Kompetenz und exklusiven Inhalte unserer Radio- und Fernsehprogramme auch im Internet in den Vordergrund rücken. Doch auch wenn dieser Programmbezug zu Recht verlangt wird: Die Inhalte müssen dem Medium Internet und den Interessen und Gewohnheiten seiner Nutzer angepasst werden. Mit der Profilierung als multimedialer, glaubwürdiger, kosten- und werbefreier Informationsanbieter für die Region werden wir unserem Programmauftrag gerecht. mdr.de will sich als regionaler Informationsanbieter profilieren. Ist das nicht ein Widerspruch zum weltumspannenden Internet?
Keinesfalls. Wir wissen etwa aus der ARD-ZDF-Onlinestudie, wie wichtig regionale Informationen sind. 38 Prozent aller Internetnutzer haben daran Interesse. Als Landesrundfunkanstalt werden wir mit genau dieser Perspektive identifiziert. Regionalität ist eines unserer wichtigsten Markenzeichen im Netz. Im Internet ist längst auch eine Art duales System entstanden, in dem sich privat und öffentlich finanzierte Informationsanbieter im Wettbewerb gegenüberstehen. Wäre es denn nicht an der Zeit, nachvollziehbare Zugriffszahlen zu veröffentlichen, um die Stellung der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet-Markt besser beurteilen zu können?
Allerdings, doch der Beitritt zum einzigen allgemein anerkannten Messverfahren, der IVW-Zählung, wurde uns bislang verwehrt. Die IVW hatte ausschließlich die Akzeptanz werbetragende Angebote ermittelt. In Zukunft wird es aber von der IVW ermöglicht, auch werbefreie Angebote zu messen. Besteht nicht die Gefahr, dass sich erfolgreiche gebührenfinanzierte Angebote zur kommerziellen Konkurrenz für privatwirtschaftlich finanzierte Angebote entwickeln?
Wir konkurrieren um viel: Schnelligkeit, Qualitätsstandards,
Meinungsführerschaft. Um eines ganz sicher nicht: um Geld. Unser
Werbe- und Sponsoring-Verbot im Internet ist ebenso eindeutig wie die
Beobachtung, dass die Einführung kostenpflichtiger Angebote ohne uns
stattgefunden hat. mdr.de kann als Vertrauensmarke ohne
Geschäftsbeziehungen seine Unabhängigkeit von den Interessen Dritter
glaubhafter belegen.
Wann wird die Debatte um öffentlich-rechtliche Internetangebote
also beendet sein?
Seit dem 1. April 2000 ist die Rechtmäßigkeit und Notwendigkeit
programmbezogener Zusatzdienste im 4. Rundfunkänderungsstaatsvertrag
anerkannt worden. Ich erwarte, dass unser Internetangebot irgendwann
genau so selbstverständlich akzeptiert wird wie der Videotext, der ja
bei seiner Einführung 1980 ebenfalls vehement zu einer Grundsatzfrage
publizistischer Gewaltenteilung stilisiert wurde. Spätestens mit dem
nächsten digitalen Zusatzdienst wird sich die medienpolitische
Aufmerksamkeit auf neue Felder verschieben.
Und was versprechen Sie sich von dem überarbeiteten Netzangebot?
Wenn wir etwas gegen die drohende Überalterung unserer Programme
tun wollen, kann uns das Internet von Nutzen sein. Ganze zwei Drittel
der mdr.de-Nutzer sind nämlich jünger als 49 Jahre. Diese Menschen
wollen wir mit unseren Neuen Medien auch an die klassischen Medien
Hörfunk und Fernsehen heranführen.
ots Originaltext: MDR
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