MDR Mitteldeutscher Rundfunk

Reiter: Knappe Kabelplätze gerecht verteilen
Intendant gegen Benachteiligung der Dritten Programme in Bayern

    Leipzig (ots) - Die Fernsehzuschauer in Bayern sollen künftig auf
das MDR FERNSEHEN sowie weitere Dritte Programme der ARD verzichten.
Das sehen Pläne der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM)
vor, die jetzt bekannt wurden. Danach ist ein Kahlschlag im Kabel zu
Gunsten kommerzieller Anbieter vorgesehen. Betroffen sind neben dem
MDR die Fernsehprogramme des HR, des NDR, des SWR und des WDR,
außerdem die beiden Programme des Österreichischen Rundfunks ORF und
des Schweizer Fernsehens DRS. "Wer solche Pläne hegt, hat nicht die
Zuschauer im Blick," so MDR-Intendant Udo Reiter. "Die Zuschauer
schätzen die Dritten Programme, denn sie überzeugen durch Qualität
und sie bieten Informationen aus den verschiedenen Regionen
Deutschlands. Darüber hinaus leistet das MDR FERNSEHEN einen Beitrag
zur Herstellung der inneren Einheit Deutschlands. Diese Leistung
sollte man nicht leichtfertig zur Disposition stellen."
    
    Mit einer Änderung des Pflichtkatalogs, so der MDR-Intendant
weiter, öffneten die bayerischen Kabelaufseher das Tor für eine
willkürliche Streichung zahlreicher öffentlich-rechtlicher Programme
durch die Netzbetreiber. "Es ist nicht nachvollziehbar, warum die
Münchner Medienhüter die informationsorientierten Dritten wie das MDR
FERNSEHEN zum Freiwild erklären, aber schützend ihre Hand über reine
Unterhaltungskanäle und über Premiere halten." So werde Premiere
derzeit in den bayerischen Kabelnetzen gleich zweimal verbreitet:
analog und digital. Die verschiedenen Digital-Bouquets von Premiere
World würden allein fünf Kabelkanäle in Anspruch nehmen. "Gerade weil
die Ressourcen knapp sind, müssen die Plätze im Kabel gerecht
verteilt werden. Der Umbau des Kabels darf nicht die
öffentlich-rechtlichen Programme einseitig benachteiligen. Er darf
auch nicht zu Lasten der Zuschauer gehen, die mit der Fernbedienung
längst entschieden haben, was ihnen die Dritten wert sind."
    
    Die Nachfrage nach den Dritten ist ungebrochen. Im Jahr 2000
erzielten sie bereits einen bundesweiten Marktanteil von 12,7
Prozent. Auch das MDR FERNSEHEN trägt mit bundesweit 2,4 Prozent dazu
bei. In seinem Sendegebiet erreicht das MDR-Angebot 9,3 Prozent aller
Zuschauer ab 14 Jahren und ist damit das erfolgreichste Dritte. In
Bayern, wo das MDR FERNSEHEN nur in 45 Prozent der Kabelanlagen
eingespeist wird, sehen es täglich rund 800 000 Zuschauer und
erreicht es einen Marktanteil von immerhin 1,1 Prozent. Trotz der
Benachteiligung hat es wie kein anderes Drittes zugelegt: 1996 lag
die Zahl der täglichen Seher in Bayern noch bei rund 500.000.
    
    Ganz und gar nicht überzeugen könne die Begründung der BLM, die
Dritten Programme würden im digitalen ARD-Bouquet verbreitet, so
Intendant Reiter. Derzeit verfügten nicht einmal sechs Prozent der
Haushalte über eine digitale Set-Top-Box. Damit seien rund 94 Prozent
der Zuschauer vom Empfang digitaler Programme ausgeschlossen, ganz
abgesehen von der begrenzten Eignung zahlreicher Boxen für das
ARD-Bouquet. Reiter wörtlich: "Die digitale Verbreitung rechtfertigt
nicht den analogen Kahlschlag."
    
    Darüber hinaus habe der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bereits
1997 entschieden, dass auch ortsfremde Dritte Programme wie das MDR
FERNSEHEN Anspruch auf Gleichbehandlung mit den privaten Sendern
haben. In einem offiziellen Schreiben an den Medienrat der
Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien appellierte der
MDR-Intendant daher an die Medienwächter, "für eine gerechte
Verteilung der knappen Kabelkapazitäten einzutreten und keine
Benachteiligung der Dritten Programme zuzulassen."
    
ots Originaltext: MDR
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