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Merz: Gedenken an Alfred Dregger

    Berlin (ots) -     Sperrfrist: Beginn der Ansprache. Es gilt das gesprochene Wort.

    Traueransprache des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,     Friedrich Merz MdB, beim Requiem für Dr. Alfred Dregger am 5. Juli     2002 im Dom zu Fulda

    Sehr verehrte, liebe Frau Dregger,     sehr geehrte Familie Dregger,     sehr geehrte Trauergemeinde,          Wir nehmen Abschied von Alfred Dregger. Wir geben unserem langjährigen Vorsitzenden und unserem Ehrenvorsitzenden das letzte Geleit.

    Unsere besondere Anteilnahme gilt Ihnen, liebe Frau Dregger, Ihren Söhnen und Ihrer ganzen Familie. Wir trauern mit Ihnen um Ihren Mann, Ihren Vater, Schwiegervater und Großvater.          Wir trauern um einen Kollegen, der fast vier Jahrzehnte engagierter und überzeugter Parlamentarier war. Wir trauern um einen großen Mann der deutschen Politik.          In Fulda, in seiner Heimatstadt, endet ein Lebensweg, der hier mit dem Amt des Oberbürgermeisters begonnen und ihn über hohe politische Ämter im Hessischen Landtag und im Deutschen Bundestag geführt hat.          Alfred Dregger war geprägt durch Krieg und Nachkriegszeit. Er gehörte der Generation an, die von den Nationalsozialisten um ihre Jugend betrogen war und für einen furchtbaren Krieg missbraucht wurde.          Daraus wollte und daraus hat er für sich und für uns alle die richtigen Konsequenzen gezogen: Nie wieder sollten Unfreiheit und Diktatur das Land und seine Menschen in solche Abgründe führen. Die wehrhafte Demokratie, Freiheit und Verantwortung im sozialen Rechtsstaat sollten immer gegen ihre Feinde verteidigt und behauptet werden.          Mit dieser Grundüberzeugung hat Alfred Dregger politische Verantwortung übernommen. In ihm fand vor allem die Kriegs- und Nachkriegsgeneration, auch und vor allem diejenigen, die selbst Teilnehmer des zweiten Weltkrieges waren und die persönlich keine Schuld auf sich geladen hatten, einen Repräsentanten von Format, der ihnen ihre Würde und ihre Ehre wieder zuerkannte. Ich habe dies noch vor vier Jahren in meiner Heimatstadt Brilon mit ihm zusammen in einer bewegenden Begegnung am Rande einer Wahlversammlung selbst erlebt.          Alfred Dregger war ein Mann fester Überzeugungen und klarer Worte. Nur wenige haben sich über Jahrzehnte der politischen Linken in Deutschland so klar und deutlich entgegengestellt wie Alfred Dregger.          Er hat die Bundestagsfraktion auf einem klaren Kurs geführt. Die Regierung von Helmut Kohl hätte ohne ihn in fast einem Jahrzehnt seines Vorsitzes nicht so erfolgreich sein können wie sie es war. Mit der Wiederherstellung der deutschen Einheit ist gerade für Alfred Dregger ein Traum in Erfüllung gegangen. Die deutsche Einheit hat ihn ermutigt, sich noch stärker für die Einheit Europas und deren Vollendung einzusetzen, als er dies ohnehin schon immer getan hat.

    Was heute im vermeintlich schönen Schein der Mediendemokratie
manchmal verloren zu gehen droht, war ihm immer wichtig: Die
argumentative Auseinandersetzung, die auch in der Zuspitzung nicht
verloren gehen darf, und die politische Führungskraft, die
richtungsweisend ist.
    
    Zeitlebens trat Alfred Dregger mit seiner ganzen Persönlichkeit
dafür ein, nicht allein auf Wohlstand zu setzen, so wichtig dass für
die Menschen gerade der Aufbaugeneration war. Noch wichtiger waren
für ihn Wertvorstellungen, Haltung und Anstand.
    
    Für manchen wirkte das etwas altmodisch. Doch angesichts der
jüngsten Ereignisse werden wir erneut darauf gestoßen, welche
wichtige Bedeutung gerade heute Werte und Haltungen für den
Zusammenhalt unserer Gesellschaft und das friedliche Miteinander der
Menschen in Achtung und Toleranz besitzen. Wenn wir eine menschliche
Gesellschaft wollen, bleiben Werte und die Tugenden des Anstands
unverzichtbar. Er wäre jedenfalls nie auf die Idee gekommen
Pünktlichkeit, Fleiß, Disziplin als Sekundärtugenden herabzusetzen.
    
    Als Repräsentant der Stadt Fulda und des Landes Hessen, als
deutscher Patriot und guter Europäer hat er die Belange seiner Heimat
mit Offenheit für Veränderungen und der Bewahrung von Traditionen
verbunden.
    
    Dauerhafter Einsatz für die Belange der res publica und
Verantwortung für die eigene Nation fielen bei ihm zusammen.
    
    In diesem Sinn hat er ohne Eitelkeit und mit Beharrlichkeit,
Prinzipienfestigkeit, Würde und aufrechter Haltung dem Land gedient.
Er hat sich um unser Land und um seine freiheitliche Ordnung verdient
gemacht.
    
    Alfred Dregger wird einen gebührenden Platz nicht nur in der
Geschichte unserer Fraktion, sondern in der Geschichte des deutschen
Parlamentarismus und unseres ganzen Landes erhalten.
    
    Wir verneigen uns vor seinem Sarg. Die Bundestagsfraktion, seine
Fraktion, der er so leidenschaftlich gedient hat, wird seiner dankbar
und voller Respekt gedenken.
    
    
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