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ZDF-Pressemitteilung
Gemeinsame Erklärung zur zügigen Einführung des MHP-Standards für das digitale Fernsehen
Treffen beim ZDF in Mainz

    Mainz (ots) - Bei einem Spitzengespräch von ARD, ZDF, KirchGruppe, RTL und den Landesmedienanstalten am 19. September 2001 in Mainz haben sich die Teilnehmer auf eine gemeinsame Erklärung zur zügigen Einführung des MHP-Standards verständigt.

    Mit diesem Standard soll bei den Empfangseinrichtungen für digitales Fernsehen sichergestellt werden, dass die Zuschauer die verschiedenen Programmangebote und multimedialen Zusatzdienste unabhängig vom jeweilig genutzten Endgerät (Set-Top-Boxen, integrierte Endgeräte etc.) ungehindert empfangen können. Mit dieser Übereinkunft wird in einem Zeitalter des Fernsehens ohne Grenzen auch der europaweiten Entwicklung der Technik Rechnung getragen.

    Die gemeinsame Erklärung wurde vom ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen, dem Intendanten des ZDF, Dieter Stolte, dem stellvertretenden Vorsitzenden der KirchGruppe, Dieter Hahn, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von RTL, Gerhard Zeiler, und dem Vorsitzenden der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Norbert Schneider, unterzeichnet.

    Der Text der Erklärung:

  Gemeinsame Erklärung der deutschen Programmveranstalter und der Landesmedienanstalten zur zügigen Einführung von MHP

    1. Einheitliches technisches System gefordert

    Der digitale Fernsehmarkt bietet die große Chance zur Erschließung neuer Inhaltsangebote. Neben Bild, Ton und Teletext tritt dabei eine neue Gestaltungsebene, die es dem Zuschauer erlaubt, Fernsehinhalte "interaktiv" werden zu lassen und multimedial zu verknüpfen. "Interaktiv" heißt, dass die bereits eingebauten Fähigkeiten zur Datenverarbeitung in den digitalen Fernsehempfängern zum Leben erweckt werden. Spielesendungen ermöglichen dann dem Zuschauer, am Bildschirm mitzuspielen, Dokumentationssendungen erlauben den Abruf komplex aufbereiteter Hintergrundinformationen, Werbesendungen verknüpfen sich mit E-Commerce, etc.. Der Übergang zu einer professionellen Gestaltung interaktiver Fernsehangebote und damit nachhaltigen Erschließung dieser neuen Erlebnisebene war bisher durch unterschiedliche Benutzeroberflächen und Eigenheiten bei den Empfangsgerätetypen für ein breites Publikum praktisch ausgeschlossen. Der digitale Fernsehmarkt kann aber nur auf der Basis einer einheitlichen Multimedia-Plattform für dieses Publikum erschlossen werden. Als Lösung steht heute die auf internationaler Ebene standardisierte sogenannte Multimedia Home Plattform - MHP zur Verfügung, ein offenes Betriebssystem für alle Typen von Empfangsgeräten. Auf der Berliner Funkausstellung 2001 wurden erste Prototypen von MHP-Geräten gezeigt, damit ist MHP inzwischen technische Realität geworden und zugleich kann nun mit der notwendigen internationalen Unterstützung und Anerkennung gerechnet werden. In diesem Zusammenhang wird auch auf die gemeinsam von ARD, ZDF und dem VPRT erstellten technischen und betrieblichen Anforderungen an Kabelplattformen verwiesen.

    2. Erfolgschancen mit MHP

    Gerade die Entwicklung der vergangenen Jahre hat deutlich gemacht, wie sehr es darauf ankommt, eine elektronisch vernetzte und multimediataugliche Welt mittels technologischer Standards in die Lage zu versetzen, auch tatsächlich miteinander kommunizieren zu können. In der Welt der Telekommunikation wäre ein internationales Telefongespräch oder eine Nutzung des Internet nicht möglich, gäbe es nicht eine Vielzahl "unsichtbarer" Technologiestandards. So wird auch der Zuschauer beim interaktiven Fernsehen die Mehrwerte von Multimediainhalten überhaupt erst nutzen können, sobald die hierfür notwendigen Standards im Markt eingeführt und umgesetzt sind. In der Vergangenheit hat es zwar schon inhaltliche Mehrwerte beim digitalen Fernsehen gegeben, diese konnten jedoch immer nur mittels proprietärer Technologien und dann auch immer nur für einen Teil des Publikums dargeboten werden. Dass damit eine tiefgreifende Verunsicherung des Zuschauers und eine deutliche Einschränkung der Marktchancen einhergehen musste, mag nicht überraschen. Hier kann im Grunde nur mit der konsequenten Unterstützung einer einheitlichen Multimediaplattform Abhilfe geschaffen werden.

    Wichtige neue Impulse gehen dabei auch von der bevorstehenden Reorganisation der Kabelnetze aus. Gerade hier ist der Einsatz von MHP als offene und standardisierte Multimediaplattform Grundvoraussetzung für den Markterfolg des digitalen Fernsehens, das trotz einer Regionalisierung des Kabels immer bundesweit gesehen werden muss. Schließlich dürfen die Programmangebote und dabei insbesondere auch die neuen multimedialen Mehrwerte nicht regional begrenzt gesehen werden. Weitere Impulse gehen auch von der Satellitenverbreitung aus. Wie bei der Kabelverbreitung gilt auch hier die Notwendigkeit, Mehrwerte aus einer neuen multimedialen Erlebniswelt dem Zuschauer zugänglich zu machen. Die Satellitenverbreitung entzieht sich hinsichtlich ihrer Empfangstechnologie einem zentralen Einfluss. Sie ist daher ohne den europaweiten MHP-Standard für ein internationales, breites Publikum praktisch nicht in die Multimediawelt fortzuentwickeln. Unter Einbezug von MHP wird dagegen der medienpolitisch bedeutende Anspruch eines "free flow of information" oder besser "Fernsehen ohne Grenzen" auch im Zeitalter des digitalen Fernsehens und von Multimedia verwirklicht.

    Unabhängig also von den  Übertragungsmedien wird die Notwendigkeit offener internationaler Standards deutlich. Nur mit einer konsequenten Unterstützung des hierzu in Europa erarbeiteten MHP-Standards können bislang bestehende Verunsicherungen ausgeräumt und eine rasche Marktöffnung herbeigeführt werden. Damit beginnt zugleich eine neue multimediale Dimension des Fernsehens mit großer inhaltlicher Vielfalt.

    3. Übereinkunft der Partner

    Die unterzeichnenden Partner begrüßen die Möglichkeiten, die das DVB-Konsortium mit der Entwicklung des MHP-Standards geschaffen hat. Die Partner stellen zudem mit Befriedung fest, dass MHP inzwischen technische Realität geworden ist. Die Partner wissen, dass es nun zur Entwicklung des Marktes auf eine schnelle und nachhaltige Einführung der MHP-Technologie ankommt. Vor diesem Hintergrund kommen die Partner überein, alle neuen interaktiven Mehrwertfunktionen auf dem MHP-Standard zu entwickeln erste Dienste auf dem MHP-Standard bis zum 01.07.2002 anzubieten begleitend hierzu wird die Geräteindustrie aufgefordert, rechtzeitig zu diesem Datum die benötigten Empfänger zu verbraucherfreundlichen Preisen im Fachhandel anzubieten; zugleich werden die Betreiber von Kabelnetzen aufgefordert ihre digitalen Plattformen auf MHP auszurichten; alle bestehenden interaktiven Diensteangebote in einem überschaubaren Zeitraum auf MHP zu überführen begleitend hierzu werden die Netzbetreiber aufgefordert, an MHP-Empfänger gerichtete Dienste vollständig zu übertragen, auch wenn bestehende Diensteangebote simultan noch an Vorläufer-Gerätegenerationen gerichtet sind.

    Bislang getätigte Investitionen, also existierende Dienste und Geräte, werden durch dieses Vorgehen nicht in Frage gestellt und können weiterhin ohne zeitliche Begrenzung betrieben werden. Das gilt insbesondere für die derzeit in Deutschland eingesetzten downloadfähigen Set-Top-Boxen (z. B. d-Box); diese unterstützen eine organische Entwicklung zu MHP.


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