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ZDF-Magazin "Frontal 21" am 20. Mai: Auschwitz-Überlebende besucht mit Bundespräsident Gauck ehemaliges KZ Buchenwald

Mainz (ots) - Éva Pusztai erinnert sich jeden Tag daran, wie der KZ-Wächter sie und ihre Familie am Bahnhof des Vernichtungslagers Auschwitz in Empfang nahm. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie ihre Eltern und ihre kleine Schwester sah. Alle drei wurden in Auschwitz ermordet. "Strafen kann man ihn schon nicht mehr. Er hat nur ein einziges Leben. Er ist auch am Ende seines Lebens. Wir sind gleichaltrig. Aber es muss gesagt werden: Er muss verurteilt werden. Solche Sünden können nicht einfach unberührt bleiben", erklärt sie am Dienstag, 20. Mai 2014, 21.00 Uhr, im ZDF-Magazin "Frontal 21".

Heute lebt die 89-jährige in Budapest. Und sie verlangt auch 70 Jahre später Gerechtigkeit. Sie habe das Gefühl, dass die heutige deutsche Gesellschaft und Justiz ihr das schuldig sei, die KZ-Wächter zu verurteilen. Mindestens 30 Männer, die an den Massenmorden in Auschwitz, Dachau und anderswo beteiligt waren, leben noch, sind um die 90 Jahre alt.

Vorbild für solche Verfahren könnte der Prozess gegen Demjanjuk sein. Der war Wachmann im KZ-Flossenbürg und im Vernichtungslager Sobibòr. Das Landgericht München verurteilte ihn 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe am Mord von fast 28 000 Juden. Der Prozess machte Schlagzeilen, da Demjanjuk ohne konkreten Nachweis verurteilt wurde, dass er selbst gemordet hat. Rechtsanwalt Thomas Walther, der den Prozess ins Rollen gebracht hatte, argumentiert gegenüber "Frontal 21": "Individuelle Schuld heißt nicht individuelles Schießen, individuelles Hineinschubsen in die Gaskammer, sondern das geschieht durch eine Funktion im Räderwerk."

Mehrere Staatsanwaltschaften in Deutschland bereiten sich derzeit auf Strafprozesse gegen mutmaßliche NS-Täter vor. Die Ermittlungen gegen die Täter laufen jetzt, 70 Jahre nach den Morden, auf Hochtouren. Einer von ihnen war Hans Lipschis, im vergangenen Mai wegen Verdachts der Beihilfe zum zehntausendfachen Mord verhaftet. Doch im Februar dann die überraschende Einstellung der Ermittlungen. Lipschis ist an Demenz erkrankt. Jetzt steht ihm sogar Haftentschädigung zu - über 5000 Euro.

Gegen weitere mutmaßliche Täter ermittelt die Staatsanwaltschaft Weiden. Sie bereitet eine Anklage gegen Johann Breyer vor. Der ehemalige SS-Wächter von Auschwitz lebt in den USA, hat die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seit 2012 laufen die Ermittlungen. Ein Rechtshilfe-Ersuchen an die Vereinigten Staaten ist gestellt. Doch wann Breyers Auslieferung beantragt wird, ist unklar.

Éva Pusztai begleitet Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem Besuch des früheren Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar. Wenn sie die Gelegenheit bekommt, will sie ihm ihr Anliegen persönlich überbringen. Die Täter müssten bestraft werden.

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