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Donnerstag, 5. Juli 2001, 21.15 Uhr / auslandsjournal
Tödlicher Ausweg - Japans verschuldete Selbstmörder

    Mainz (ots) - "Meine Frau und ich, wir saßen im Auto und wollten über die Klippen fahren. Wir haben keine Kinder, da ist es leicht sich umzubringen. Aber dann haben wir beschlossen, dass wir doch lieber kämpfen wollen", sagt Kiyohiro Shintani. Und so steht er weiterhin jeden Tag in seinem Curryhaus, von 8.00 Uhr früh bis nach Mitternacht. Nur, um überhaupt die 300 000 Mark Schulden bezahlen zu können. "Ich musste das Lokal renovieren, dazu brauchte ich Geld - aber die Banken geben ja heute keine Kredite mehr. Nur diese Kreditunternehmen. Die schwatzten mir einen auf und noch einen und am Ende noch einen, nur damit ich die Zinsen bezahlen konnte. Zinsen von 40 bis 50 Prozent", erzählt Shintani.          Der Restaurantbesitzer ist kein Einzelfall in Japan. Anderthalb Millionen Kleinunternehmen sind hoch verschuldet - Friseurläden, Reinigungsunternehmen, Blumengeschäfte. Schulden sind derzeit Japans einzige Wachstumsbranche. Und Kredite gibt es am Automaten - bis zu 10 000 Mark sofort, anonym und unbeobachtet. Genauso schnell tauchen wenig später allerdings auch die Schuldeneintreiber auf. Sie fordern gnadenlos das Geld zurück und treiben dafür die Menschen sogar in den Tod, erzählt Kunio Nomiya, ehemaliger Schuldeneintreiber einer der größten Kreditfirmen Japans.          "Es gibt viele Eintreiber, die ausdrücklich zum Selbstmord auffordern. Bei Selbstmord zahlt in Japan die Versicherung, und ich habe einige Fälle erlebt, wo sich Schuldner nicht mehr anders zu helfen wussten. Vom Standpunkt der Versicherungsfirma ist jeder Selbstmord willkommen", so Nomiya. Er hat viele Menschen vernichtet und will das jetzt mit Seminaren wieder gutmachen.

    ZDF-Korrespondent Gert Anhalt hat den Schuldenberater bei seiner
Mission begleitet. Er hat Menschen getroffen, die wieder Hoffnung
haben, aber auch Familien, für die jede Hilfe zu spät kam. Frau
Yamada, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, hat ihren Mann
verloren. Er ertränkte sich, weil er Angst hatte, seine Familie
könnte von seinen Schulden erfahren.
    
    Weitere Themen im auslandsjournal:
    
    Teure Erblast - Mitterrands einstürzende Prachtbauten
    
    Grausames Ritual - Die Schlangenschlächter von Oklahoma
    
    
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