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Südafrika von der Straße aus / ZDF zeigt On-The-Road-Doku von Mo Asumang

Mainz (ots) - "Road to Rainbow - Willkommen in Südafrika" heißt der Dokumentarfilm von Mo Asumang, den das ZDF am Mittwoch, 30. Juni 2010 um 23.30 Uhr zeigt. Um das echte Südafrika jenseits von Tourismus und Fußballweltmeisterschaft kennen zu lernen, reist die Moderatorin und Regisseurin - genau wie für viele Afrikaner üblich - in einem klapprigen Minibus. Begleitet wird sie von dem einheimischen Comedian Kagiso Lediga, der ihr viele Türen öffnet.

Bevor die Autorin, deren Debutfilm "Roots Germania" 2007 im ZDF zu sehen war, Einblicke in das alltägliche Leben der armen Leute wagt, begegnet sie Erzbischof Desmond Tutu. Er gibt ihr die südafrikanische Weisheit "Ubuntu" mit auf den Weg: "Ich kann nicht Ich sein ohne Dich, wir sind alle miteinander verbunden". Tutu schickt Mo Asumang auf die Suche nach der "Rainbow Nation", ein von ihm geprägter Begriff für das Miteinander und die Gleichberechtigung von Menschen aller Hautfarben. In der Hoffnung, dass sich nach dem Ende der Apartheid Entscheidendes geändert hat, werden Mo Asumang und ihr Begleiter in einem Township mit der schmerzlichen Realität konfrontiert: Der kleine Inganathi ist arm, HIV-positiv, und er träumt dennoch davon, später Fußballer oder Anwalt zu werden. Seine Zuversicht prägt die Drehreise.

Ob in Townships oder in Villenvierteln, im Gespräch mit schwarzen und weißen Südafrikanern erhält die Autorin erstaunliche Antworten auf ihre Frage, wie sich das Land entwickelt hat. Der Zuschauer erfährt von Sprachbarrieren innerhalb einer Nation, von einem gravierenden wirtschaftlichen Gefälle zwischen den Menschen, das auch zu Sicherheitsrisiken führt. Wie die Privilegierten umgeben von Sicherheitsanlagen und Elektrozäunen in Festungen leben, zeigt die Dokumentation aus nächster Nähe.

Asumang trifft Politiker aller Couleur, um sich über Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsvisionen auszutauschen. Sie besucht Senioren in einem deutschen Altersheim in Johannisburg, deren Rückblick auf die Apartheid Gänsehaut verursacht.

"Road to Rainbow - Willkommen in Südafrika" ist eine bunte, lebendige On-The-Road-Doku, die ganz nah an die Menschen und ihr Leben heranführt. Ungewöhnlich offen, aber nicht verbittert prangern sie Ungerechtigkeit und Korruption an, schildern mit Stolz und Optimismus ihre Vorstellungen von einem Leben in einem wunderschönen Land, auf das im Sommer 2010 die ganze Welt blickt.

Der Dokumentarfilm wurde produziert von MA Motion Filmproduktion, im Auftrag von ZDF/Das kleine Fernsehspiel, gefördert vom Auswärtigen Amt, vom Goethe Institut und vom Evangelischen Entwicklungsdienst/EZEF.

Fotos sind erhältlich über den ZDF-Bilderdienst, Telefon: 06131 - 706100, und über http://bilderdienst.zdf.de/presse/roadtorainbowwillkommeninsuedafrika

Hinweis für Redaktionen:

Das beigefügte Interview mit Mo Asumang ist zur Berichterstattung über den Film frei zum Abdruck. Die Regisseurin steht ab 22. Juni für individuelle Interviews zur Verfügung.

Eine DVD des Films kann angefordert werden.

"Der Blick auf Südafrika ändert sich nur, wenn wir es zulassen" Interview mit Mo Asumang (zur Sendung am Mittwoch 30. Juni 2010, 23.15 Uhr)

Wie kamen Sie als schwarze Deutsche auf die Idee, einen Film über Südafrika zu drehen?

Ich finde es spannend, welche Chance Südafrika nach dem Ende der Apartheid bekam. Ich wollte wissen, ob es gelungen ist, Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weißen herzustellen, und ob damit die so genannte Regenbogen-Nation entstanden ist. Vor etwa zehn Jahren war ich das erste Mal in Südafrika und sah, dass es die Rassentrennung immer noch gab. Mich hat das emotional so berührt, dass ich vor lauter Enttäuschung wieder abreisen musste. Ich habe es einfach nicht auf die Reihe bekommen, als Europäerin in der Luxusgegend zu wohnen und zu wissen, dass nur ein paar Kilometer weiter der Hauptteil der Bevölkerung in absolut erbärmlichen Zuständen lebt, ärztlich unterversorgt ist und sich Aids ausbreitet, weil nicht genug Geld da ist. Seit meiner Abreise hatte ich immer den Satz im Kopf: "Südafrika, zwischen uns gibt es noch eine Geschichte". Mein Dokumentarfilm "Road to Rainbow - Willkommen in Südafrika" ist nun das Ergebnis, das ich mit allen teilen möchte.

Was für Erfahrungen haben Sie mit der Regenbogen-Nation gemacht?

Meine Erfahrungen zeigt der Film.16 Jahre nach dem Ende der Apartheid kann man eine Art Zwischenbericht machen: Ist der Traum von Freiheit und Gleichheit, die Vision der Regenbogen-Nation, wahr geworden? Und wenn nicht, warum, und was kann man besser machen? Wichtig war für mich, meine Erfahrungen mit der Regenbogen-Nation auf der einen Seite kritisch mitzuteilen, aber auf der anderen Seite den Zuschauer nicht vom schönen Gefühl und der Euphorie für Südafrika abzubringen. Beides ist wichtig. Ich habe deshalb für meinen Film eine humorige Variante gewählt, nämlich dass ich das Land in einem alten, rostigen Minibus mit dem südafrikanischen Comedian Kagiso Lediga bereise.

Wie sind Sie bei der Auswahl der Protagonisten vorgegangen? Wem wollten Sie eine Stimme für Südafrika geben?

Das war unglaublich schwer, es liegen 9630 Kilometer zwischen Berlin und Kapstadt, und ich kannte absolut niemanden. Ich wollte auf jeden Fall neben all den Politikern und Desmond Tutu auch den einfachen Menschen eine Stimme geben. Ich suchte einen kleinen Jungen, dessen Zukunftschancen in Südafrika gering sind, der wie die meisten Menschen im Township wohnt und ein ganz natürliches, einfaches Wesen hat. Ich fand Inganathi durch das wunderbare Projekt "Yabonga" (HIV/Aids - Empowering Children and Mothers), das meine Basis in Kapstadt bildete und mir Zugang zu den normalen Leuten verschaffte. Mit ihm habe ich eine recht ungewöhnliche kleine Nebenstory entwickelt.

Erzbischof Desmond Tutu war natürlich ganz oben auf meiner Liste der Protagonisten. Er ist der Namensgeber des Wortes "Rainbow-Nation". Er ist auch die Seele des Landes, die mit großer Kraft für Gerechtigkeit in Südafrika kämpft. Er gab mir am Anfang meiner Reise weise Worte mit auf meine Suche nach der Regenbogen-Nation. Und dann hab ich's einfach laufen lassen. Ich sprach sowohl mit Transvestiten in Kapstadt als auch mit Leuten aus den Townships und habe höchste Politiker des Landes vor die Linse bekommen. Hatte ich den einen, wollten die anderen auch dabei sein ... Ein wirklicher Höhepunkt war die Begegnung mit Frederik de Klerk, dem letzten Präsidenten Südafrikas während der Apartheid. Sehr stutzig hat mich seine Antwort auf die Frage gemacht, ob er je zugegeben habe, dass die Apartheid ein Verbrechen war. "Nein!" Als Anwalt wüsste er, dass er damit zugegegeben hätte, ein Krimineller zu sein! Eine solche Antwort von einem aufgebrachten Friedensnobelpreisträger zu bekommen, ist für die Dokumentarfilmerin natürlich ein echtes Highlight, aber es macht mich zugleich traurig.

Denken Sie, dass die WM den Blick auf Südafrika ändern kann?

Nicht mit romantisierender Berichterstattung über Südafrikas Safaris und die Garten- und Weinroute. Das ist nicht Afrika! Man darf nicht alles ausklammern, was wehtun könnte. Man soll hinschauen und die Chance nutzen, dass sich ein afrikanisches Land der ganzen Welt präsentiert ... Aber Fußball ist das eine, das neue Afrika eine andere Sache. Ich denke, der Blick auf Südafrika ändert sich nur, wenn wir es zulassen.

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