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"ZDF-Mittagsmagazin": Wirtschaftsethiker Lütge kritisiert deutsches Wirtschaftssystem

    Mainz (ots) - Der Wirtschaftsethiker Dr. Christoph Lütge hat angesichts der Ermittlungen gegen Postchef Klaus Zumwinkel das deutsche Wirtschaftssystem kritisiert. Man müsse aber zunächst den Einzelfall prüfen. "Wenn Herr Zumwinkel sich strafbar gemacht hat, dann muss das natürlich geahndet werden", sagte Lütke im "ZDF-Mittagsmagazin" am Donnerstag, 14. Februar 2008. "Pikant wird es dadurch, dass es sich um ein ehemaliges Staatsunternehmen handelt, das heute noch zum allergrößten Teil im Besitz des Bundes ist." Bei vielen Fällen der letzten Zeit, in denen Manager sich bereichert hätten, habe es sich um Firmen gehandelt, an denen der Staat beteiligt war: "Offenbar war diese alte Deutschland-AG sehr durchsetzt von solchen Vorfällen", sagte Lütge.

    Lütge kritisierte das deutsche Wirtschaftssystem. In Amerika gebe es wesentlich stärkere Kontrollen der Börsenaufsicht bei den großen Aktiengesellschaften. "Dort werden noch sehr viel schärfere Strafen für Manager ausgesprochen, die sich schuldig gemacht haben", erklärte Lütke.

    Nötig sei deshalb ein "scharfer Wettbewerb mit scharfen Regeln", die auch durchgesetzt würden. "Das haben die USA schon besser praktiziert als wir. Ich denke, dass wir auch in diese Richtung gehen. Etwa mit dem 'Deutschen Corporate Governance Kodex'', den es seit einigen Jahren gibt", sagte Lütge. Dieser müsse natürlich mit Leben erfüllt werden. "Aber keinesfalls darf man, wie es im Moment passiert, den Wettbewerb wieder einschränken", forderte Lütge. "Etwa dadurch, dass man einen bestimmten Mindestlohn vereinbart, der die Wettbewerber aus dieser Branche heraushält. Das sind genau die Maßnahmen, die im Grunde auch gegen die Moral arbeiten, nicht nur gegen die Ökonomie", betonte er.

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