Biogasrat+ e.V.

Biogasrat e.V. stellt umfassendes Konzept für den Wärmemarkt vor: Kombination aus finanziellen Anreizen und Pflicht zur Heizungserneuerung

Berlin (ots) - "Die Ökologisierung des Wärmemarktes muss sofort angepackt werden, wenn Deutschland seine energiepolitischen Ziele nur annähernd erreichen will", fordert Reinhard Schultz, Geschäftsführer des Biogasrat e.V. "Wir setzen darauf, dass der neue Umweltminister Peter Altmaier in konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Wirtschafts- und dem Städtebauminister diese Aufgabe beherzt anpackt. Dabei müssen finanzielle Anreize zur Heizungsmodernisierung mit gleichzeitiger Nutzungspflicht für Erneuerbare Energien Hand in Hand gehen und nach deren Auslaufen durch die Verpflichtung zum Austausch veralteter Heizungsanlagen abgelöst werden."

Der Biogasrat e.V., der Verband der führenden Unternehmen der Biogaswirtschaft, hat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Heizungsbau und der Wohnungswirtschaft ein systemübergreifendes Konzept zur Effizienzsteigerung des Energieeinsatzes und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Abdeckung des Wärmebedarfs von Wohngebäuden in Deutschland erarbeitet. Grundlage ist die Systemstudie "Ökologische und ökonomische Optimierung des Wärmemarktes unter Berücksichtigung des Endenergiebedarfs und von Biogas/Biomethan", die der Biogasrat e.V. gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Institut für Wohnungswesen, Stadt- und Regionalentwicklung InWIS, Bochum, dem Leipziger Institut für Energie GmbH IE Leipzig, dem Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und dem Lehrstuhl für Energiewirtschaft EWL, Universität Duisburg-Essen in den vergangenen acht Monaten erarbeitet hat. Die Arbeit ist die bislang umfassendste Systemstudie zum Wärmemarkt, die jemals erarbeitet wurde.

Die Struktur des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes soll weiterentwickelt werden und den Gebäudebestand einbeziehen

Der Biogasrat e.V. schlägt für die Weiterentwicklung des EEWärmeG eine kombinierte Strategie aus befristeter und degressiver Förderung und späteren Modernisierungs- und Nutzungspflichten vor. Der Vorschlag umfasst drei zeitlich versetzte Handlungsebenen, die aufeinander aufbauen und sich im Rahmen der EEWärmeG-Struktur umsetzen lassen.

Die Kernpunkte sind dabei:

1. Anreizprogramm ab 01.01.2013 bis 31.12.2019 - Förderung effizienter Heizungstechnik mit Nutzung von Erneuerbaren Energien im Fall der vorfristigen Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtungen

   - Einführung eines Fördermodells, das den Einsatz effizienter 
     Heizungstechnik unter gleichzeitiger Nutzung erneuerbarer 
     Energien über Abschreibungsregelungen bzw. Zuschussregelung 
     anreizt und durch eine moderate degressive Ausgestaltung 
     zusätzlichen Handlungsdruck erzeugt bzw. die 
     Investitionsbereitschaft erhöht. 
   Vorschlag Sonder-AFA auf die Investitionssumme:

                                  2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
AFA 5 Jahre 20% von               100%  90%  80%  70%  60%  50%  40% 
Zuschuss 5 jährliche Raten auf     50%  45%  40%  35%  30%  25%  20% 
   - Technikoffene Förderung unter den Vorgaben des bestehenden 
     EEWärmeG und Zulassung von Biomethan als Beimischprodukt in Höhe
     von mindestens 15% unter Mindestanforderungen für die 
     Brennwerttechnik als Erfüllungsoption. Der Austausch von 
     Etagenheizungen auf Brennwerttechnik mit den relativ hohen 
     Kosten für die Abgastechnik wird ausdrücklich einbezogen. 
   - Anpassung der EnEV (Primärenergiefaktor auf 0,3). 

2. Verpflichtende Erneuerung von Wärmeerzeugern ab 2017 - Einführung eines Mindeststandards und Nutzungspflicht für Erneuerbare Energien

Für alle Wärmeerzeuger gilt hinsichtlich des Wirkungsgrades die Mindestanforderung 97% (Brennwert). Ausgetauscht werden müssen Anlagen, die diesen Standard nicht erfüllen und älter sind als 20 Jahre innerhalb von 3 Jahren.

3. Einführung einer Nutzungspflicht für Erneuerbare Energien bei der Wärmeerzeugung ab 2020

Für Heizungsanlagen, die ab dem 01.01.2020 errichtet werden, gilt die Verpflichtung, Erneuerbare Energien einzusetzen (technikoffen, Vorgaben des bestehenden EEWärmeG und Zulassung von Biomethan als Beimischprodukt in Höhe von mindestens 15 % unter Mindestanforderung Brennwerttechnik als Erfüllungsoption). Mögliche Ausnahme: Ggf. Sonderregelung für Wohnungsunternehmen, die sich durch eigene verbindliche und zu evaluierende Wärmekonzepte den gesetzlichen Verpflichtungen entziehen können.

4. Keine Einschränkung bei den Einsatzstoffen

Die Anerkennung von Biomethan als Brennstoff in Heizungsanlagen soll sich an der Zulassung von Biokraftstoffen orientieren.Herkunfts- und Nachhaltigkeitsnachweis sind Voraussetzung. Eine Vorgabe für die Zusammensetzung der Einsatzstoffe soll es nicht geben. Der Import von Einsatzstoffen oder Biomethan soll zulässig sein. Dadurch wird der Druck auf Ackerflächen gemindert, eine unnötige "Teller-Tank-Diskussion" vermieden,eine kostengünstige und ökologische Beschaffung erleichtert und von vornherein eine europäische Perspektive aufgezeigt.

Eine wesentliche Forderung des Biogasrat e.V. im Zuge der anstehenden EEWärmeG-Novelle zielt auf die Ausweitung des Gesetzes auf den Gebäudebestand. "Wir alle wissen, dass der Gebäudebestand erhebliche CO2-Emissionen verursacht. Der Einsatz Erneuerbarer Energien kann die CO2-Bilanz von Wohngebäuden erheblich verbessern und muss daher auch für den Gebäudebestand verpflichtend geregelt sein", so Schultz. Wohnungseigentümer sollten jedoch frei entscheiden können, welche Energieträger und Technologien sie einsetzen wollen. Die besten Effekte seien jedoch durch eine Kombination von energetischen Sanierungsmaßnahmen mit Effizienzgewinnen und dem Einsatz Erneuerbarer Energien zu erreichen, ist sich Reinhard Schultz sicher.

Mit großem Nachdruck setzt sich der Biogasrat e.V. im Rahmen der Gesetzesnovelle dafür ein, dass Biomethan als Beimischprodukt in hochmoderner Brennwerttechnik eingesetzt werden darf, um die Verpflichtung, Erneuerbare Energien im Wohngebäudebestand zur Wärmeerzeugung zu nutzen, zu erfüllen. "Diese anhaltende Diskriminierung eines erneuerbaren Energieträgers ist weder nachzuvollziehen noch gerechtfertigt", kritisiert Schultz. So weist die aktuelle Studie klar nach,dass der Einsatz einer 15% -Biomethanbeimischung in einer hochmodernen Brennwertherme hinsichtlich Energieeffizienz und Treibhausgasvermeidung nahe an den Daten für Biomethan-KWK liegt. Dies gelte insbesondere bei einer effizienten Erzeugung von Biomethan entsprechend dem Stand der Technik und gerade auch bei der Einbeziehung von Reststoffen und biogenen Abfällen.

"Angesichts der aufgezeigten KWK-Potenziale zur Wohnraumbeheizung, die zwar längst nicht ausgeschöpft aber doch begrenzt sind, geben Energieeffizienz und Treibhausgasminderung keine Begründung, um Biomethan als Erneuerbare Energie auszuschließen, wie es das bestehende Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz noch vorgibt. Auch die Flächenpotenziale in Deutschland reichen ohne Nutzungskonkurrenzen mit Lebensmittelerzeugung und Naturschutz aus, um neben der KWK-Verstromung auch den Wärmemarkt durch Brennwerttechnik mit Biomethan zu bedienen", erklärt Schultz. So könnte durch eine Nutzungspflicht und Beimischungsquoten - einschließlich Biomethan - die zunehmende Zahl an Gasheizungen künftig zu einem Großteil durch Brennstoffe aus erneuerbaren Quellen betrieben werden.

Großen Nachholbedarf sieht der Biogasrat e.V. auch bei der energetischen Gebäudesanierung. "Die Sanierungsrate für Wohnungen ist in den letzten Jahren ständig gesunken, trotz mancher finanzieller Anreize. Ursache hierfür ist die unterschiedliche Entwicklung des Wohnungsmarktes aufgrund der allgemeinen demografischen Entwicklung, Zu-und Abwanderungen und nicht zuletzt der Vorgabe, dass nur ein Bündel aus mehreren Maßnahmen gefördert wird, um dem Ziel der Vollsanierung möglichst nahe zu kommen", stellt Schultz klar und fordert ein Umsteuern hin zu einer Förderung auch finanziell überschaubarer Einzelmaßnahmen insbesondere des Austausches veralteter Heizungsanlagen.

"Unser Maßnahmenpaket verknüpft den Einsatz Erneuerbarer Energien im Wärmemarkt mit der Steigerung der Energieeffizienz und könnte im Fall der politischen Umsetzung einen wesentlichen Beitrag leisten, die Zielsetzungen der Bundesregierung bis zum Jahr 2050 wirtschaftlich vertretbar und sozialverträglich zu erfüllen", so der Geschäftsführer des Biogasrat e.V., Reinhard Schultz.

Die Studie inkl. der vollständigen Handlungsempfehlungen ist für die Presse frei verfügbar und kann über die Geschäftsstelle des Biogasrat e.V. bezogen werden. Die Handlungsempfehlungen stehen zum Download bereit unter http://www.biogasrat.de im Bereich Downloads/ Studien.

Pressekontakt:

Biogasrat e.V.
Janet Hochi/Nantje Gloy/Marco Neher
Email: geschaeftsstelle@biogasrat.de
Tel: +49 30 201 431 33
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