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BUND stellt wertvolle Biotope im "Grünen Band" vor
Gorbatschow weiht West-Östliches Tor im Eichsfeld ein

    Berlin/Eichsfeld (ots) - Anlässlich der Einweihung des "WestÖstlichen Tors" im Eichsfeld zwischen Thüringen und Niedersachsen durch Michail Gorbatschow hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Bestandsaufnahme der schützenswerten Lebensräume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze vorgestellt. Die Ergebnisse machen deutlich, was für ein seltenes Naturerbe die DDR mit dem Grenzstreifen ungewollt hinterlassen hat. Für den Erhalt dieses längsten Biotopverbundsystems Deutschlands setzt sich der BUND bereits seit dem Fall der Mauer im Rahmen des Naturschutzprojekts "Das Grüne Band" ein.

    Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Von der Ostsee bis ins bayerisch-sächsische Vogtland bildet das Grüne Band eine Perlenkette wertvollster Biotope. Zugleich erinnert es an die Teilung Deutschlands und Europas. Das WestÖstliche Tor verbindet beide Elemente - den Naturschutz und die politische Geschichte - in einem künstlerischen Zeichen. Wir freuen uns sehr über die besondere Ehrung, die unser langjähriger Einsatz für das Grüne Band erfährt, indem Michail Gorbatschow, einer der Protagonisten der Wende in Europa, das WestÖstliche Tor einweiht." Zwei zwölf Meter hohe Eichenstämme, am Boden mit einer Edelstahlschwelle verbunden, formen das Tor. Darum herum wurden 66 Roteichen gepflanzt, deren tiefrote Blätter im Herbst weithin sichtbar sein werden.

    Über die Stahlschwelle hinaus werden Herbstblausterne blühend den Verlauf der ehemaligen Grenze anzeigen. Gefördert wurde das Projekt des BUND maßgeblich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie von der "Naturstiftung David" des BUND-Thüringen und der Niedersächsischen Lottostiftung "Bingo! Die Umweltlotterie". Fritz Brickwedde, DBU-Generalsekretär: "Das WestÖstliche Tor vereinigt künstlerisch gestaltet die gegensätzlichen Elemente der Durchlässigkeit und der Verbundenheit und symbolisiert gleichermaßen den Schutz von Naturräumen durch ein offenes Tor, nicht durch Zäune. Sein Prinzip kennzeichnet die zentrale Botschaft des Vorhabens: Es bietet Schutz und ermöglicht Zugang. Es kennzeichnet eine Grenze, aber es ermöglicht auch ihre Überschreitung, ist Eingang und Ausgang gleichermaßen. Es lädt zum Durchblick ein auf die wieder zusammenwachsende deutsche Landschaft, zum ungehinderten und ungefährdeten Durchschreiten und zur Erinnerung. Es gestattet damit den Blick zurück und den nach vorn. Für diesen Zweck haben wir gern über 100.000 Euro zur Verfügung gestellt."

    Um den aktuellen Zustand der Biotope auf dem ehemaligen Grenzstreifen zu ermitteln und Schutzkonzepte zu erarbeiten, hat der BUND-Landesverband Bayern (Bund Naturschutz) seit April 2001 die "längste" Bestandsaufnahme in der Geschichte des deutschen Naturschutzes durchgeführt. Das Erprobungs- und Entwicklungs-Vorhaben (E+E) "Bestandsaufnahme Grünes Band" wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Auftrag von Bundesumweltminister Jürgen Trittin gefördert. Die Ergebnisse untermauern die hohe Schutzwürdigkeit des 194 km2 großen und 1393 km langen Grünen Bandes, das vor allem durch Flächenverkäufe, landwirtschaftliche Eingriffe und Straßenbauprojekte bedroht wird. Im Rahmen der Bestandsaufnahme wurden über 80 verschiedene Biotoptypen erfasst. Knapp die Hälfte der Fläche (48 %) des Grünen Bandes besteht aus Biotoptypen, die von der Roten Liste als gefährdet eingestuft werden, wie zum Beispiel Halbtrockenrasen, orchideenreiche Buchenwälder, Zwergstrauchheiden.

    In einigen ausgewählten Gebieten wurden auch die Tier- und Pflanzenarten aufgenommen. Dabei wurden bereits 1044 Arten mit unterschiedlichsten ökologischen Ansprüchen nachgewiesen, die in Deutschland gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Durch die Vielfalt seiner Biotoptypen bietet das Grüne Band Rückzugsräume für seltene Tiere, vom Laubfrosch und dem Braunkehlchen über den Raubwürger und den Wachtelkönig bis hin zum Schwarzstorch und dem Fischotter. Jürgen Trittin, Bundesumweltminister: "Die Bestandsaufnahme liefert eine gute Grundlage, um die Naturschätze auf dem Gelände des ehemaligen Grenzstreifens gezielt zu schützen. So konnten 32 besonders schützenswerte Schwerpunkträume ermittelt werden. 20 davon sind von bundesweiter Bedeutung und decken zusammen 659 Kilometer des Grünen Bandes ab."

    Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz:
"Zuversichtlich stimmt, dass 90 Prozent des Grünen Bandes noch nicht
zu Acker, Intensivgrünland oder Intensivweideflächen degradiert
wurden. Die Funktion des ersten gesamtdeutschen Naturschutzprojekts
als modellhaftes, europaweit bedeutsames Biotopverbundsystem ist zur
Zeit noch intakt." Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des
Bundesamtes für Naturschutz: "Entlang des Grünen Bandes sind bislang
150 Naturschutzgebiete ausgewiesen worden. Darin sind 28 Prozent der
Flächen (5347 ha) geschützt und sogar 42 Prozent (8151 ha) als
FFH-Gebiete gemeldet. Der Schutz solcher Biotopverbundstrukturen
stellt ein zentrales Ziel des Naturschutzes dar, was auch durch eine
neue Regelung im § 3 des Bundesnaturschutzgesetzes deutlich
hervorgehoben wird. Hier sind der Bund und die Länder gefragt, ihre
Schutzbemühungen weiter voran zu treiben." Zur Ergänzung der
Bestandsaufnahme ermittelte das BUND-Projektbüro Grünes Band die
Knoten und Quervernetzungen des Biotopverbunds, indem es gezielt die
Unterlagen und Planungen der Naturschutzfachbehörden und Verbände der
38 angrenzenden Landkreise auswertete. In Kürze wird der BUND
konkrete Vorschläge für den Schutz und die Entwicklung des einmaligen
Ökosystems vorlegen.      
    

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