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Ein Jahr BSE: Agrarwende hat gerade erst begonnen
BUND und EURONATUR verlangen konsequente Fortsetzung

    Berlin (ots) - Ein Jahr nach bekannt werden des ersten BSE-Falles
in Deutschland haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) und die Umweltstiftung EURONATUR eine erste Bilanz der
Agrarwende vorgelegt. Die Verbände kommen zu dem Ergebnis, dass die
Veränderungen hin zu einer tier- und naturgerechten Landwirtschaft
erst am Anfang stehen. Auf Bundesebene habe Landwirtschaftsministerin
Künast wichtige  Maßnahmen zur Bekämpfung von BSE eingeleitet und
richtige Grundsatzentscheidungen für eine Neuausrichtung der
Agrarpolitik getroffen. So würden beispielsweise beim Stallbau
künftig nur solche Betriebe finanziell unterstützt, die für zwei
Großvieheinheiten mindestens einen Hektar selbst bewirtschafteter
Fläche und verbesserte Tierhaltungsformen nachweisen könnten. Auch
mit der neuen Legehennenverordnung sei ein entscheidender Schritt weg
von der Massentierhaltung getan. Allerdings gibt es nach Ansicht von
EURONATUR und BUND sowohl auf EU-Ebene als auch in den Bundesländern
weiterhin massiven Widerstand gegen eine Reform der Landwirtschaft.
    
    Prof. Hubert Weiger, agrarpolitischer Sprecher des BUND: "Vor
einem Jahr hat sich Bundeskanzler Schröder für die Abschaffung der
Agrarfabriken stark gemacht. Doch sobald es an die Umsetzung
einzelner Reformvorhaben wie die Umschichtung von EU-Fördergeldern
geht, blockieren auch die SPD-geführten Bundesländer die Agrarwende.
Wenn Schröder es mit einer verbraucherorientierten Landwirtschaft
ernst meint, muss er für eine klare Linie in der SPD sorgen."
    
    Neben den Bundesländern torpediere auch der Deutsche Bauernverband
die Bemühungen um eine umweltfreundlichere Landwirtschaft.
    
    Lutz Ribbe, Umweltpolitischer Direktor der Umweltstiftung
EURONATUR: "Noch im Januar hat der Präsident des deutschen und
europäischen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, auf der Grünen Woche
versprochen, die deutschen Bauern würden in Zukunft mehr "Klasse
statt Masse" produzieren. Doch den Worten sind bisher keine Taten
gefolgt. Im Gegenteil: Der Bauernverband verweigert nach wie vor jede
Zusammenarbeit mit reformwilligen Kräften und versucht einen Keil
zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftende Bauern zu
treiben. Außerdem ignoriert er den Verbraucherwunsch nach gesunden
Lebensmitteln und umwelt- und tiergerechter Produktion."
    
    Auch auf EU-Ebene sind aus Sicht der beiden Umweltverbände
wesentliche Gesetzesänderungen überfällig. So sei es nicht
nachzuvollziehen, dass ein generelles Verbot von Antibiotika in
Futtermitteln erst für 2005 vorgesehen sei, nachdem ein EU-weites
Tiermehlverbot innerhalb weniger Wochen verhängt wurde. Lutz Ribbe:
"Diese Verzögerungstaktik ist nichts anderes als ein Kniefall vor der
pharmazeutischen Industrie und der Massentierhaltungslobby!"
    
    Kritikwürdig sei auch der Vorstoß der EU-Kommission, tierische
Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier selbst dann nicht als
"gentechnisch verändert" kennzeichnen zu wollen, wenn die Tiere zu
100 Prozent mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert
worden seien.
    
    Prof. Hubert Weiger: "So lange die EU die Profiteure der alten
Agrarpolitik weiter unterstützt, muss Deutschland mit einem
nationalen Alleingang beim Verbot von Grüner Gentechnik und
Antibiotika im Futtermittel vorangehen."
    
    EURONATUR und BUND sagten Bundeslandwirtschaftsministerin Künast
auch weiterhin ihre "kritische Solidarität" zu und forderten die
Bundesregierung auf, den begonnenen Kurs konsequent fortzusetzen.
Nach Ansicht der beiden Umweltverbände sei das Prinzip, die Vergabe
von Fördermitteln an Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen zu knüpfen, der
einzig richtige Weg.
    
    Auch auf Seiten der Verbraucher sehen BUND und EURONATUR noch
Handlungsbedarf, damit die Agrarwende an der Ladentheke Wirklichkeit
werden könne. Zum einen müsse das Verbraucherinformationsgesetz jetzt
zügig verabschiedet werden, um mehr Transparenz in der
Lebensmittelherstellung und -überwachung zu schaffen und den
Konsumenten alle relevanten Informationen über Waren zugänglich zu
machen. Zum anderen seien veränderte Einkaufsgewohnheiten gefragt.
    
    Prof. Huber Weiger: "Wir appellieren an den Lebensmittelhandel,
deutlich mehr Bio-Produkte anzubieten, damit die Kunden im Laden eine
echte Wahl haben. Denn die besten politischen Weichenstellungen für
mehr Ökolandbau nützen nur wenig, wenn die produzierten
Öko-Lebensmittel nicht überall in den Regalen stehen. Die
Verbraucherinnen und Verbraucher können ein besseres Ökosortiment
forcieren, indem sie in ihren Lebensmittelläden gezielt nach
Bio-Produkten fragen und diese bevorzugt kaufen."
    
      
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Prof. Hubert Weiger, BUND-Agrarexperte, Tel: 0911-818780, mobil:
0160-2811867; Lutz Ribbe, Umweltpolitischer Direktor EURONATUR,
mobil: 0170-412 57 67 oder EURONATUR: Tel. 02226-2045, Fax -17100,
email: bonn@euronatur.org, Archiv unter: www.euronatur.org; oder
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