BUND

Agrar-Wende nach 100 Tagen am Ende?
BUND setzt weiter auf Renate Künast

    Berlin (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) sieht nach 100 Tagen Amtszeit von Verbraucherschutzministerin
Künast noch keinen Durchbruch zu einer grundlegend neuen
Agrarpolitik. Zwar habe die Ministerin angekündigt, den Grundsatz
"Klasse statt Masse" zum Maßstab zu machen und den ökologischen
Landbau stärker zu fördern, doch seien in der Praxis bisher nur zarte
Ansätze dafür zu erkennen. Die Ministerin müsse in den nächsten
Monaten weiterhin auf durchgreifenden Agrarreformen bestehen, sonst
sei die vielbeschworene Agrarwende am Ende bevor sie überhaupt
begonnen habe, so BUND-Chefin Dr. Angelika Zahrnt.
    
    Zahrnt: "Renate Künast hat ihr Amt in einer paradoxen Situation
angetreten: Einerseits signalisieren BSE und MKS, wie dringend eine
neues Leitbild für die Landwirtschaft nötig ist. Andererseits sind es
die aktuellen Probleme der Seuchenbekämpfung, die als Altlast der
jahrzehntelangen falschen Agrarpolitik die Ministerin zu einem
kurzfristigen Krisenmanagement zwingen und damit strukturelle
Veränderungen verhindern. Entschieden muss es jetzt um die strikte
Ausrichtung der Lebensmittelproduktion nach ökologischen Kriterien
gehen, bevor sich Besitzstandswahrer und Blockierer wieder in einer
Abwehrfront formieren."
    
    Nach Ansicht des BUND müsse eine Zwischenbilanz der Tätigkeit der
Agrarministerin berücksichtigen, dass eine Veränderung der
festgefahrenen Strukturen im Agrarsektor auch auf EU-Ebene enorme
Widerstände überwinden muss und nicht von heute auf morgen zu
bewerkstelligen sei.
    
    Zahrnt: "Das ehrgeizige Ziel, den Ökolandbau in zehn Jahren auf
einen Marktanteil von 20 Prozent zu bringen, ist eine gute Vorgabe.
Ein Qualitätssiegel ist dabei ein erster Schritt. Nötig ist aber ein
Maßnahmebündel mit verstärkten Anreizen zur ökologischen
Nahrungsmittelproduktion, der Umschichtung von Subventionen und der
verbrauchernahen Vermarktung der Produkte."
    
    Neben der Förderung des Ökolandbaus gehe es vor allem um eine
grundlegende Neuorientierung der Landwirtschaft. Kriterien hierfür
sind laut BUND ein unbefristetes Verbot von Tiermehl und
Milchaustauschern, die maximale Tierbesatzdichte von zwei
Großvieheinheiten pro Hektar, die Bindung von Direktzahlungen an
Umweltauflagen sowie die artgerechte Tierhaltung.
    
    Zahrnt: "Wir stehen Frau Künast bei ihren Bemühungen um eine neue
Agrarpolitik zur Seite, wenn sie unser Engagement für den Wandel
nutzen will. Ob es darum geht, Konzepte für eine neue Landwirtschaft
zu entwickeln oder den Verbrauchern Ökolebensmittel schmackhaft zu
machen - sie kann auf uns zählen. Wir werden aber auch weiter
kritisch prüfen, ob sie die notwendigen politischen Maßnahmen
durchsetzt und ihre Zielvorgaben für eine umweltverträgliche
Landwirtschaft einhält."
    
    
ots Originaltext: BUND
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