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BUND: Waldzustand in Deutschland und Europa weiter verschlechtert

    Berlin (ots) - Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) zeigt die weitere Zunahme der Waldschäden in
Deutschland und Europa, dass sich die Umweltsituation trotz einiger
beachtlicher Teilerfolge weiter verschlechtert. Das werde in dem
morgen von der Bundesregierung vorgelegten Waldzustandsbericht
deutlich.
    
    Helmut Klein, waldpolitischer Sprecher des BUND: "Der Wald ist
unser bester Bioindikator, weil er in optimaler Weise die Einflüsse
von hunderten von Umweltfaktoren sichtbar macht. Angesichts der
Schäden wäre es gut, wenn sich der Forstminister wenigstens in diesem
Zusammenhang zu präzisen und sachgerechten Forderungen durchringen
könnte. Schließlich stirbt der Wald weiterhin an der Luft, die wir
atmen und dem Klima, das wir verschulden. Außerdem hängen
Klimaveränderung, Hochwasserereignisse, Trinkwasserqualität,
Erholungsmöglichkeit, Passierbarkeit und Bewohnbarkeit der Gebirge
und vieles mehr vom Zustand unserer Wälder ab."
    
    Auch der Wirtschaftsminister, der Finanzminister und die
Gesundheitsministerin könnten die Tatsache nicht länger ignorieren,
dass Umweltschutz zwar heute Geld koste, versäumter Umweltschutz aber
morgen unbezahlbar und übermorgen sogar tödlich werden könne. Die
Versauerung der deutschen Waldböden schreite zwar heute langsamer
voran als vor 20 Jahren, aber nach übereinstimmender Erkenntnis aller
zuständigen Stellen finde sie auf 80 Prozent der Fläche weiter statt.
Die Belastung durch bodennahes Ozon, das aus den Auspuffgasen der
Kraftfahrzeuge entsteht, steige weiter. Das Umweltbundesamt habe
schon 1995 dokumentiert, dass die Konzentration dieses Gases auf 95
Prozent der Landesfläche die Grenze der Belastbarkeit von Wald und
Menschen übersteige.
    
    Klein:" Der anthropogene Treibhauseffekt schädigt den Wald und
dessen beschleunigter Verfall verstärkt wiederum die Erwärmung der
Atmosphäre. Eine Gesellschaft, die das weiß und nicht entschieden
handelt, macht sich selbst zum Auslaufmodell. Mandatsträger, die
diese Politik vertreten, machen sich schuldig."
    
    Die gerade von der OECD veröffentlichten Ergebnisse der
Waldschadenserhebung in 30 europäischen Ländern belegten, dass - mit
Schwerpunkt in Italien - der Anteil geschädigter Waldbäume weiter
zunehme. Im August 1999 zeigten 63,7 Prozent von 128.977 untersuchten
Bäumen an 9.892 Standorten Kronenverlichtungen. Europaweit am
schwersten betroffen sei die Tanne mit 86,3 Prozent Gesamtschaden und
43,4 Prozent schwer geschädigten Bäumen. Ihr folge die Stieleiche mit
82,6 Prozent beziehungsweise 28,5 Prozent. Danach folge die Buche,
die in Deutschland am schwersten betroffen sei mit 77,8 Prozent
beziehungsweise 24,2 Prozent. Bei Fichte mit 73,6 bzw. 34,8 Prozent
und Waldkiefer mit 65,6 bzw. 14,6 Prozent scheine das Fortschreiten
der Krankheit zum Stillstand gekommen zu sein. Eine Besserung sei
aber nicht zu erkennen.
    
    Der Anteil kranker Bäume im deutschen Wald sei um 2 auf 65 Prozent
gestiegen, der der schwer kranken um 1 Prozent auf 23. Nachdem sich
beim Zustand der Eiche ein Trend zur Besserung fortgesetzt habe, sei
jetzt die Buche am schlimmsten betroffen. Bei der häufigsten Baumart
in Deutschlands Wäldern, der Fichte, seien nach leichter Zunahme 25
Prozent schwer und insgesamt 66 Prozent krank.
    
    Alle Angaben seien weiterhin durch zahlreiche von der Politik
vorgegebene Erhebungsfehler geschönt. Den bedeutendsten stelle
weiterhin die Beschränkung der Datenerhebung auf die Einschätzung der
Kronenverlichtung (noch) stehender Bäume dar.
    
    Eine Sortierung der Ergebnisse nach alten und neuen Bundesländern
zeige, dass die Schäden in der ehemaligen DDR von 1992 bis 1996
deutlich zurückgegangen seien, während sich ein entsprechender Trend
in den alten Bundesländern nur angedeutet habe. Die Ursache sei wohl
die deutliche Verbesserung der Luftqualität nach dem Zusammenbruch
der DDR-Wirtschaft und beginnende Emissionskontrollen gewesen. Seit
1996 stiegen die Schäden in Ost und West gleichermaßen.
    
    Dramatisch ist nach Ansicht des BUND die seit Jahren immer wieder
bestätigte Entwicklung der Bodenschäden durch Versauerung und
Stickstoffeintrag. Hierzu sei es wenig hilfreich, wenn die
Landwirtschaftsminister immer wieder darauf hinwiesen, dass der
Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft ein großes Problem sei.
Vielmehr sei es angebracht, dass alle Minister, die Landwirtschaft
und Forsten in ihrem Ressort vereinigen, diese bizarre
Bewußtseinsspaltung bezüglich ihrer Verantwortung überwinden und
Lösungen einleiten würden.
    
    Helmut Klein:" Das weitere Fortschreiten der sichtbaren Schäden an
den Bäumen und das zunächst verborgene Fortschreiten der Bodenschäden
sind alarmierend, zumal sie von fast allen Bundesländern als
schwerwiegend beurteilt werden. Das jährliche gebetsmühlenhafte
Verkünden der neuesten Schadensbilanz wird dem Problem ebensowenig
gerecht wie der Umgang dieser Gesellschaft mit Klimaänderung, BSE und
Atommüll."
    
      Weitere Informationen, Grafiken zur Schadensentwicklung und
Zitate zum Thema finden Sie auf der Homepage des BUND-Arbeitskreises
Wald unter http://home.T-online.de/home/WaldKlein/
    
ots Originaltext: BUND
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de

Für Rückfragen:
Dr. Helmut Klein,
waldpolitischer Sprecher des BUND,
Tel: 08152-2344,
mobil: 0171-5391309;
eMail: Waldklein@T-online.de oder

BUND-Pressestelle,
Tel. 030-27586-425/ -489;
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