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BUND lehnt Pläne zum Ausbau der Flughäfen ab und fordert Nachtflugverbot

    Frankfurt a.M (ots) - Scharfe Kritik an den Plänen der
Bundesregierung zum Ausbau deutscher Groß- und Regionalflughäfen hat
der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geäußert. Der
Umweltverband erläuterte heute in Frankfurt seine Position für die am
Donnerstag in Bonn stattfindende Anhörung zum Flughafenkonzept der
Bundesregierung.
    
    "Die absehbare Verdoppelung des Luftverkehrs innerhalb der
nächsten 15 Jahre wird alle internationalen Anstrengungen zum
Klimaschutz zunichte machen", so Dr. Werner Reh,
BUND-Flugverkehrsexperte. Selbst die Bundesregierung habe
festgestellt, dass die Minderung von Umwelt- und Lärmbelastungen
durch technische Verbesserungen an den Flugzeugen vom enormen
Wachstum des Flugverkehrs überkompensiert werde. Trotz dieser
Tatsache würden die wirtschaftlichen Interessen der
Luftfahrtindustrie über den Gesundheitsschutz der Anwohner und den
Umweltschutz gestellt.
    
    Maßstab für die zukünftige Entwicklung des Luftverkehrsstandortes
Deutschland muss nach Meinung des BUND der Klimaschutz und die
umweltverträgliche Entwicklung der Mobilität von Menschen und Gütern
sein. Statt den Ausbau von Flughäfen zu forcieren, fordert der
Umweltverband den Abbau der milliardenschweren Subventionen für den
Luftverkehr und die Verschärfung der Lärmschutzvorschriften.
    
    Dr. Werner Reh: "Die Bundesregierung muss jetzt ein klares
Handlungskonzept vorlegen, wie sie mit geeigneten Maßnahmen die
Verlagerung der Kurzstreckenflüge auf die Bahn und eine bessere
Kooperation zwischen den Flughäfen erreichen will. Selbst vom
internationalen Flughafen Frankfurt aus gehen 40 Prozent der Flüge
über Strecken von weniger als 500 km. Ein Szenario des Deutschen
Luft- und Raumfahrtzentrums belegt, dass mit gezielten Maßnahmen etwa
100.000 Kurzstreckenflüge pro Jahr allein in Frankfurt eingespart
werden können. Für den Ausbau deutscher Flughäfen gibt es also
keinerlei Rechtfertigung."
    
    Der BUND macht in erster Linie die finanzielle Privilegierung des
Luftverkehrs für dessen ungehemmte Entwicklung verantwortlich. Im
Gegensatz zu Bahn und Autoverkehr bezahlt der Flugverkehr weder
Kerosinsteuer noch Mehrwertsteuer. Allein diese Steuerbefreiungen
summieren sich in Deutschland nach Angaben des BUND auf 12 Milliarden
DM pro Jahr. Dr. Werner Reh: "Die angekündigte Einführung von
emissionsbezogenen Abgaben darf nicht nur auf dem Papier stehen,
sondern muss auf europäischer Ebene massiv vorangetrieben werden".
    
    Zum Schutz der Flughafenanwohner fordert der Umweltverband eine
Verschärfung des Fluglärmgesetzes. Das Flughafenkonzept der
Bundesregierung enthalte dazu zwar Absichtserklärungen, jedoch keine
konkreten Maßnahmen für einen effektiven Gesundheitsschutz. Der BUND
fordert schärfere Lärmgrenzwerte und ein gesetzliches Nachtflugverbot
von 22.00 bis 6.00 Uhr. Von den Flughafenbetreibern verlangt der BUND
die Übernahme aller Kosten für Lärmschutzmaßnahmen in der
Flughafenumgebung.
    
    Deutliche Kritik übte der Umweltverband an den Planungsprozessen
zu den Flughäfen Berlin-Brandenburg und Frankfurt. "Handwerklicher
Dilettantismus und Rücksichtslosigkeit erschweren den Dialog mit den
Menschen in der Nachbarschaft dieser Flughäfen. Pläne für einen
Ausbau von Flughäfen müssen künftig an der Belastbarkeit der Anwohner
und am Minimierungsgebot für Umweltschäden ausgerichtet werden",
sagte Dr. Werner Reh.
    
    Die von Bundesverkehrsminister Klimmt prognostizierten
hunderttausende neuer Arbeitsplätze auf den Airports sind für den
Umweltverband reines Wunschdenken. "Die Politik muss sich von der
Illusion verabschieden, dass Flughäfen Jobmaschinen sind. Von 1991
bis 1997 ist die Zahl der Beschäftigten pro Million Fluggäste von
1010 auf 545 gesunken. Angesichts der laufenden Rationalisierungen
wird der Ausbau deutscher Flughäfen kaum neue Arbeitsplätze, dafür
aber einen massiven Verlust an Umwelt- und Lebensqualität mit sich
bringen", so Dr. Werner Reh.
    
    Die Stellungnahme des BUND kann beim BUND-Verkehrsreferat (Adresse
s.u.) angefordert werden.
    
ots Originaltext: BUND
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Bei Rückfragen:

Dr. Werner Reh, BUND-Flugverkehrsexperte / Tel 0177-4368948 und
Tilmann Heuser, BUND-Verkehrsexperte / Tel. 030-27586-435 oder BUND
Pressestelle: Rüdiger Rosenthal / Tel. 030-27586-425 (0171-8311051)
Fax: -449; e-Mail: presse@bund.net; Presse-Archiv:
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