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BUND: Zwiespältige Bilanz nach 10 Jahren deutsch-deutscher Umweltunion
Trittin muss Naturschutzprojekt Deutsche Einheit jetzt durchsetzen

    Berlin (ots) - Nach zehn Jahren deutsch-deutscher Umweltunion
zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
anlässlich einer Reise seines Vorstands in die Neuen Länder
Sachsen-Anhalt und Thüringen eine gemischte Bilanz der ökologischen
Lage in Ostdeutschland. Im Gegensatz zu früher sei der größte Teil
Ostdeutschlands heute kein ökologisches Krisengebiet mehr, jedoch
seien auch im Umweltbereich eine Reihe von Fehlern der alten
Bundesrepublik wiederholt worden.
    
    Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Bundesvorsitzende: "Die neuen Länder
haben heute annähernd die gleichen Umweltprobleme wie sie im Gebiet
der früheren Bundesrepublik auftreten. Großräumig werden Flächen
asphaltiert und Landschaften zersiedelt. Der Straßenverkehr bringt
zunehmend Lärm, Abgase und gesundheitliche Belastungen. Der
Ressourcenverbrauch ist weiterhin zu hoch, mehr Verpackungsabfälle
und große Mengen Sondermüll sind die Folge. Zehn Jahre nach der
deutschen Einheit ist die Frage aktueller denn je, ob sich die
Gesellschaft weiterhin ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen
in Richtung eines ungebremsten Wachstums entwickeln will oder endlich
den Weg zu einem nachhaltigen und umweltfreundlichen
Wirtschaftsmodell einschlägt."
    
    Zu den negativen Entwicklungen gehört nach BUND-Auffassung u.a.
auch der Rückgang der Fernwärmeversorgung in den Neuen Ländern.
BUND-Vorstandsmitglied Ralf-Uwe Beck: "Eine Reihe von ostdeutschen
Städten wurde früher bis zur Hälfte mit Fernwärme versorgt. Das wäre
eine hervorragende Voraussetzung für den Ausbau der
Kraft-Wärme-Kopplung gewesen. Die Übernahme der westdeutschen
Struktur der Energiewirtschaft hat dies jedoch verhindert. Ein
anderes Beispiel ist die Abschaffung von Sero, dem europaweit
vorbildlichen System zur Erfassung und Trennung von Wertstoffen. Die
in der DDR erreichte 100%-ige Mehrwegquote bei Glasflaschen ist heute
unvorstellbar." Ebenfalls negativ bewertet der BUND die Abnahme der
Gütertransporte auf der Schiene um zwei Drittel und der
Personenbeförderung per Bahn um mehr als die Hälfte.
    
    Der BUND sieht in den neuen Ländern auch eine Reihe positiver
Entwicklungen. Vor allem der Rückgang der Schadstoffe in Luft, Wasser
und Boden sind Erfolge für Mensch und Umwelt. So wurde in den Neuen
Ländern die Menge der Luftschadstoffe annähernd halbiert, die
Emission von Schwermetallen in die Flüsse ging um rund 80 Prozent
zurück. Die Beendigung des Uranabbaus und die Stilllegung der
Atomkraftwerke im Osten Deutschlands sind nach BUND-Auffassung
Schritte zu einer neuen Energiepolitik. Besonders positiv in der
Umweltbilanz der deutschen Einheit bewertet der BUND die Ausweisung
großer Nationalparke und die Einrichtung von Biosphärenreservaten.
    
    Sebastian Schönauer, stellvertretender Bundesvorsitzender des
BUND: "Leider blieb es beim Naturschutz bei diesen Anfängen. Eine
Ernst zu nehmende Naturschutzpolitik hat sich im vereinten
Deutschland daraus nicht entwickelt. Auch unter der jetzigen
Regierung ist hier kein Durchbruch in Sicht, obwohl der rot-grüne
Koalitionsvertrag die Verwirklichung von Naturschutzprojekten und die
Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes vorsieht. Der BUND hat
dafür bereits vor Monaten einen Gesetzentwurf vorgelegt, auf den
Regierungsentwurf warten wir noch immer."
    
    Der BUND fordert Bundesumweltminister Trittin auf, die überfällige
Gesetzesnovelle jetzt vorzulegen und öffentlich zu diskutieren, um
mehr Akzeptanz für den Schutz der Natur in Deutschland zu erreichen.
    
    Zahrnt: "Zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit muss vom
Bundesumweltminister ein deutliches Signal für das Naturschutzprojekt
Deutsche Einheit ausgehen. Die Naturgebiete im früheren
innerdeutschen Grenzgebiet - dem Grünen Band - müssen endlich
geschützt werden. Die bundeseigenen Flächen müssen dem Naturschutz
kostenlos zur Verfügung gestellt und die notwendigen Mittel für die
Sicherung des Grünen Bandes bereitgestellt werden."
    
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