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BUND: Studie des Umweltbundesamtes zur Ökobilanz von Getränkeverpackungen ist mangelhaft

Berlin (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wirft der heute in Berlin vorgestellten Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zur Ökobilanz von Getränkeverpackungen schwere Mängel vor. Nach Auffassung des BUND verzerrt die Untersuchung die Ökobilanz in unzulässiger Weise zugunsten von Einwegverpackungen. Olaf Bandt, Leiter der Fachpolitik beim BUND: "Das UBA rechnet mit aufwendigen Modellen an den eigentlichen Entscheidungsfragen für Politiker und Verbraucher vorbei! Regionale und daher ökologisch unschlagbare Mehrwegsysteme werden von Einwegverpackungen verdrängt, die bundesweit viele hundert Kilometer über Autobahnen rollen. Die Konsequenz dieser Entwicklung ist immer mehr Einwegmüll und LKW-Verkehr. Das UBA nivelliert die beiden Systeme trotzdem, indem es von durchschnittlichen Transportwegen mit zum Teil mehreren hundert Kilometern ausgeht. Die sind für Mehrweg tatsächlich ungünstig, in der Praxis aber bisher die Ausnahme. Das Ergebnis dieser Methode: Weder Verbraucher noch Politiker können aus der Studie ablesen, welche ökologischen Vorteile regionale Mehrwegsysteme tatsächlich haben. Solche Rechenmodelle soll es beim UBA erst später geben. Für den Mehrweg kann es dann aber zu spät sein." Der BUND macht falsche Annahmen des Umweltbundesamtes in weiteren Punkten für das irreführende Ergebnis verantwortlich. Olaf Bandt: "Neben dem Fehler bei den Transportwegen vergleicht die Untersuchung ausschließlich leere Verpackungen, statt das Gesamtprodukt aus Verpackung plus Inhalt zu bewerten. Dadurch ergeben sich überproportional große Gewichtsunterschiede zwischen Mehrwegflaschen aus Glas und Einwegverpackungen aus Karton, Alu, Weißblech oder PET. Auf dieser Grundlage lassen sich Transportemissionen für Einwegverpackungen mühelos schönrechnen. Beim realen Transport bestimmt aber das Gesamtgewicht die Emissionen und nicht die leere Verpackung allein." Auch bei der Aluminiumproduktion für Getränkedosen wirft der BUND dem UBA Schönfärberei vor. Die Ökobilanz-Studie geht davon aus, dass in diesem extrem energieintensiven Sektor große Anteile der eingesetzten Energie aus Wasser- und Atomkraft stammen, anstatt den durchschnittlichen Netz-Energiemix aus fossilen Brennstoffen, regenerativen Energien und Atomkraft anzusetzen. Damit wird die Alu-Verpackung im Vergleich zu den konkurrierenden Verpackungssystemen unberechtigter Weise bevorzugt behandelt. Olaf Bandt: "Und noch ein wesentlicher Punkt ist korrekturbedürftig. Die Studie des Umweltbundesamtes behauptet, Getränkeverpackungen aus Karton würden CO2-neutral hergestellt, weil dabei Holz als Energiequelle diene. Holz binde schließlich beim Nachwachsen genau so viel Kohlendioxid, wie beim Verbrennen frei geworden sei. Diese Logik ist absurd, denn sie bedeutet, dass es egal ist, wieviel Energie man verschwendet, so lange sie nur aus Holz gewonnen wird. Dabei geht es doch gerade darum, den Energieverbrauch insgesamt deutlich zu senken." Der BUND war von Anfang an im projektbegleitenden Gremium des UBA vertreten und hat immer wieder auf die Defizite der vorliegenden Ökobilanzstudie hingewiesen. Die Einwände wurden bisher jedoch nicht berücksichtigt. Olaf Bandt: "Wenn das Umweltbundesamt seine falschen Annahmen nicht korrigiert, wird die Studie eine deutliche Zunahme von bundesweit transportierten Karton-Verpackungen im Getränkesektor bewirken. Dann kommt es durch den hohen Energieaufwand bei der Karton-Herstellung und längere Transportwege zu einer Steigerung der CO2-Emissionen. Das widerspricht dem offiziellen Klimaschutzziel der Bundesregierung, die Kohlendioxidemissionen zu verringern." Der BUND fordert das Umweltbundesamt daher auf, die Untersuchung zu überarbeiten und eine verlässliche Grundlage für die ökologische Beurteilung von Getränkeverpackungen zu schaffen. Von der Bundesregierung verlangt der BUND die Einführung einer Verpackungsabgabe, um regionale Mehrwegsysteme zu schützen und zu fördern. Den Verbrauchern rät der BUND, Einwegverpackungen aus Alu, Kunststoff oder Karton im Regal zu lassen und statt dessen Mehrwegflaschen der Bier-, Saft- und Mineralwasserhersteller aus der Region zu kaufen. Zur Kritik des BUND im einzelnen liegt ein 13-seitiges detailliertes Hintergrundpapier vor, das in der Pressestelle angefordert werden kann. ots Originaltext: BUND Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei weiteren Rückfragen: Olaf Bandt, Leitung Fachpolitik / Tel. 030-275 86-438 oder BUND-Pressestelle: Daniel Kluge / Tel. 030-27586-464 Fax: -449; e-Mail: presse@bund.net; Presse-Archiv: http://www.bund.net/aktuell Original-Content von: BUND, übermittelt durch news aktuell

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