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Umweltverbände: Bundestag verscherbelt Nationales Naturerbe
50.000 Hektar wertvollster Naturschutzflächen vor dem Ausverkauf

Berlin (ots) - Die Umweltverbände BUND, WWF, NABU und GRÜNE LIGA sowie der Naturschutz-Dachverband DNR sehen in dem heutigen Beschluss des Bundestages zum Vermögensrechtsergänzungsgesetz den Auftakt zur weiteren Privatisierung wertvoller Naturschutzflächen in den neuen Bundesländern. Die Treuhandnachfolgeinstitution BVVG besitzt noch über 1 Million Hektar Fläche in Ostdeutschland. Viele Naturschutzgebiete wurden bereits privatisiert. Bundesumweltminister Trittin hatte daher die Überlassung von 100.000 Hektar Naturschutzgebietsfläche an die betroffenen neuen Bundesländer oder an Naturschutzverbände eingefordert. Es wird jedoch nur die Hälfte der insgesamt 100.000 Hektar bundeseigener Naturschutzflächen kostenlos an Bundesländer oder Naturschutzverbände abgegeben. Für die restlichen 50.000 Hektar können zum vollen Verkehrswert innerhalb eines halben Jahres Verkaufsabsichten erklärt werden. Die Bundesländer können sie auch gegen andere Flächen tauschen. Sowohl die Bundesländer als auch die Umweltverbände haben bereits signalisiert, dass sie die für den Kauf benötigten immensen Geldbeträge innerhalb einer so kurzen Frist nicht aufbringen können. "Es ist ein Skandal, dass sich der Bund wertvollste Naturschutzflächen abkaufen lassen will, während viele ärmere Länder auf dieser Erde Naturschutzflächen ankaufen", sagte Leif Miller, Leiter der NABU-Bundesvertretung in Berlin. Die Bundesregierung trete mit dem heutigen Beschluss ihre Verantwortung für das Nationale Naturerbe mit Füssen. WWF-Geschäftsführer Dr. Georg Schwede: "Es ist eine große Chance vertan worden, deutsche Schutzgebiete sich so entwickeln zu lassen, wie sie die Rahmenbedingungen der EU im Programm Natura 2000 vorsehen." BUND-Bundesgeschäftsführer Dr. Gerhard Timm: "Der Gesetzentwurf zur Übertragung der Naturflächen an Bundesländer und Umweltverbände ist eine Mogelpackung. Die schnelle Übernahme von 50.000 Hektar zum Verkehrswert und aller Folgekosten ist nicht realistisch. Zum Abschluss der Kaufverträge sind mindestens zehn Jahre erforderlich und die Bundesregierung muss Ländern und Verbänden die Mittel zum Schutz des `Tafelsilbers der deutschen Einheit` in die Hand geben Der Flächenzuschnitt der Angebote darf außerdem nicht administrativ erfolgen, sondern muss sich nach den tatsächlichen Schutzerfordernissen richten. Wir fordern den Bundesrat auf, dem Gesetz nur mit diesen Änderungen zuzustimmen. Sonst wird die einmalige Gelegenheit, die mit der deutschen Einheit gewonnenen Naturareale insgesamt zu sichern, leichtfertig verschenkt." Beide Regierungsparteien hatten in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass der Ausverkauf bundeseigener Naturschutzflächen gestoppt und ein Konzept zur dauerhaften Sicherung dieser Flächen gefunden wird. Mit der jetzt getroffenen Regelung haben sich nach Auffassung der Umweltverbände jedoch die Vertreter kurzsichtiger ökonomischer Interessen durchgesetzt. ots Originaltext: BUND Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Bei Rückfragen: Rüdiger Rosenthal/ BUND-Pressestelle, 030-27586-425, Dr. Kerstin Oerter/ BUND-Naturschutzreferentin, Tel. 030-27586-451, Christoph Heinrich / NABU-Naturschutzexperte, Tel. 0228-4036-163 Original-Content von: BUND, übermittelt durch news aktuell

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