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BUND: Strahlenschutz in Deutschland unzureichend
Nachbesserung der Novelle der Strahlenschutzverordnung gefordert

    Berlin (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) hat Nachbesserungen am Entwurf der neuen
Strahlenschutzverordnung verlangt. Die Grenzwerte für die Freigabe
radioaktiver Abfälle und für beruflich strahlenexponierte Personen
seien unzureichend.
    
    Renate Backhaus, atompolitische Sprecherin des
BUND-Bundesvorstandes: "Sinn und Zweck einer Strahlenschutzverordnung
muss es sein, gesundheitliche Strahlenschäden zu verhindern. Der
bisherige Entwurf bleibt hinter diesem Ziel weit zurück. So wird die
Chance für eine Strahlenschutzverordnung vertan, die dem Stand der
Wissenschaft tatsächlich Rechnung trägt. Weder für beruflich
Strahlenexponierte noch für die übrige Bevölkerung gewährleistet die
neue Strahlenschutzverordnung ausreichend Sicherheit und Schutz vor
radioaktiven Gefahren."
    
    Ein Kernpunkt der Kritik der BUND-Strahlenkommission sind die
sogenannten Freigabewerte für schwachaktive Reststoffe. Radioaktiv
belastetes Material wie Bauschutt, Bodenaushub oder Metallschrott
kann durch die Freigabe in den normalen Wirtschaftskreislauf geraten
und auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen landen. Die
Freigabewerte sollen gewährleisten, dass für dort arbeitende Personen
und für die übrige Bevölkerung eine maximale Zusatzbelastung von 10
Mikrosievert pro Jahr nicht überschritten wird.
    
    Nach BUND-Auffassung bieten die vorgesehenen Freigabewerte keine
ausreichende Gewähr zur Einhaltung der 10 Mikrosievert-Grenze. Es sei
sogar mit Verstrahlungen zu rechnen, die um Größenordnungen darüber
liegen. Die im Entwurf der Strahlenschutzverordnung enthaltenen
Freigabewerte seien weitaus höher als in Großbritannien und den USA.
Für mehr als ein Drittel der Radionuklide wären in Großbritannien die
Grenzwerte um den Faktor 100, in Einzelfällen sogar um den Faktor 10
000 strenger. Der BUND fordert deshalb auch für Deutschland die
Festlegung wesentlich niedrigerer Freigabewerte als im derzeitigen
Verordnungsentwurf vorgesehen.
    
    Zweiter Kritikpunkt des BUND sind die Grenzwerte für beruflich
strahlenexponierte Personen. Zwar wird positiv bewertet, dass der
Grenzwert von 50 auf 20 Millisievert Effektivdosis pro Jahr gesenkt
werden soll. Dies sei aber lediglich eine Anpassung an den in anderen
europäischen Ländern seit Jahren üblichen Standard und entspreche bei
weitem nicht dem wissenschaftlichen Kenntnisstand über biologische
Strahlenwirkungen. Deutlich verschlechtere sich zudem der
Strahlenschutz durch die vorgesehene Anhebung der maximal erlaubten
Dosis innerhalb eines Berufslebens. Während die bisherige
    
    Strahlenschutzverordnung diese Dosis auf 400 Millisievert
begrenze, könne künftig eine Dosis von bis zu 600 Millisievert
erreicht werden.
    
    Backhaus: "Für Berufstätige in Atomanlagen wird das Risiko noch
größer, an Krebs zu erkranken. Das erste Schadensersatzurteil
zugunsten der Ehefrau eines an Krebs gestorbenen
Atomkraftwerksarbeiters hat es im letzten Jahr bereits gegeben. Wenn
die neue Strahlenschutzverordnung kommt, sind eine zunehmende Anzahl
solcher Prozesse absehbar."
    
    Der BUND fordert die Bundesregierung auf, den vorliegenden Entwurf
der Strahlenschutzverordnung zurückzuziehen. Bei einer Neufassung
müssten der Stand der Wissenschaft ausreichend berücksichtigt und
atomkritische Strahlenexperten einbezogen werden.
    
    Hinweise: 1) Ein Hintergrundpapier ist bei der BUND-Pressestelle
erhältlich.
    
    2) Der neue Bericht des Otto-Hug-Strahleninstitutes
"Strahlengefahr für Mensch und Umwelt" ist ab 15. April im Buchhandel
(ISSN 0941-0791) oder bei der Gesellschaft für Strahlenschutz e.V.
(Universität Bremen, FB 1, Psf. 330440, 28334 Bremen) erhältlich.
    
ots Originaltext: BUND
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