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24. Journalistentag der dju und der Fachgruppe Medien in ver.di in Berlin: Tiefgründige Recherche braucht Professionalität, Geld, Zeit und Beharrlichkeit

Berlin (ots) - Zum Thema "In die Tiefe! Recherche: Handwerk - Kunst - Notwendigkeit" diskutierten am 27. November 2010 in Berlin 240 Teilnehmer auf dem 24. Journalistentag der deutschen Journalistinnen-und Journalisten-Union und der Fachgruppe Medien in ver.di. In seiner Begrüßung betonte Frank Werneke, stellv. ver.di-Vorsitzender, dass Recherchequalität und Qualitätsjournalismus ihren Preis hätten. Das sei die Haltung von ver.di in den aktuellen tariflichen Auseinandersetzungen für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen und Zeitschriften. Ginge es nach den Verlegern, würden sie neue Tarifverträge nur mit schlechteren Konditionen wie der Streichung des Urlaubsgeldes abschließen. Deshalb warb Werneke dafür, den Kürzungsplänen der Verleger energischen Widerstand entgegenzusetzen.

Recherche sei an Bedingungen geknüpft, die zunehmend in Frage gestellt würden, wenn man Qualität auf dem Altar des Anzeigen- und Werbegeschäfts opfere, Journalismus mit PR verquicke und die Journalisten zu "Büchsenspannern und Handlangern von Lobbyisten" verkommen lasse, sagte Hans Leyendecker, Redaktion Investigative Recherche der "Süddeutschen Zeitung" in seiner Keynote. Obwohl in den letzten Jahren vielerorts spezielle Rechercheressorts entstanden seien, werde in der Praxis das normale Handwerk ordentlicher Recherche oft mit investigativem Journalismus gleichgesetzt. Allein durch die Haltung "wir sind alle Jäger", auf der Spur, Leute anzuprangern und Exklusivgeschichten zu erhaschen, sei investigativer Anspruch nicht erfüllt. Vielmehr ginge es um "beharrliches Dranbleiben, die unabhängige, kritische Art, Themen zu setzen". Es gelte "den Leser im Blick zu haben, ohne sich von ihm korrumpieren zu lassen."

Große Herausforderungen für eine Qualitätsoffensive des Journalismus unter den Prämissen des Sparzwanges machte Uwe Röndigs vor allem in der Lokalberichterstattung aus. Tiefgründige Recherche stünde hier oft in Konkurrenz zur "Chronistenpflicht". Doch wer im Lokalressort mehr Recherche wolle, "braucht Redaktion, keine Task-Force", erklärte der Redaktionsleiter des "Weilburger Tageblatts". Tiefgang sei "Aufgabe der Gesamtredaktion", erfordere neben den materiellen Voraussetzungen aber auch Nachdenken über journalistisches Selbstverständnis, die Lösung innerer Spannungen und ein "barrierefreies Rechercheklima".

Mit provokativen Gedanken zur Frage "Wozu noch Journalismus?" wurde der Journalistentag abgeschlossen. Prof. Stephan Weichert von der Macromedia Hochschule für Medienwissenschaft und Kommunikation Hamburg warf den Medienmachern Unwillen vor, über die eigene Zukunft nachzudenken und zu analysieren, was sie bei der Ausübung ihres Berufes behindert. Journalismus sei seit jeher "innovationsgetrieben" und müsse sich auch "von innen heraus" erneuern. Unternehmerisches und vernetzteres Denken sie dabei ebenso nötig wie ein fundamentaler Wandel der "Infomationsarchitektur" im Lande.

Pressekontakt:

Ulrike Maercks-Franzen
Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union
dju in ver.di
Bundesgeschäftsführerin
Telefon 030/ 69 56 23 22
Fax 030/ 69 56 36 57
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