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Verdacht der illegalen Arbeitnehmerüberlassung bei "Rossmann"
"Report Mainz", 4.10.2016, 21.45 Uhr in @DasErste

Mainz (ots) - Beim Einsatz von Werkvertragsmitarbeitern in Filialen der Drogerie-Kette "Rossmann" könnten rechtliche Regeln gebrochen worden sein. Diesen Verdacht ergaben gemeinsame Recherchen des Magazins "stern" und des ARD-Politikmagazins "Report Mainz".

In Filialen von "Rossmann" werden für Einräumarbeiten tausende Mitarbeiter des Subunternehmens "Promota.de" auf Basis von Werkverträgen eingesetzt. Interne Firmenunterlagen, Filmaufnahmen aus "Rossmann"-Filialen und Aussagen von Mitarbeitern legen jedoch den Verdacht nahe, dass Angestellte des Subunternehmens und "Rossmann"-Stammbeschäftigte in den Filialen enger zusammenarbeiten, als dies nach den Regeln für Werkverträge zulässig ist.

"Rossmann" und "Promota.de" wiesen solche Vorwürfe bisher mit Verweis auf bestandene Überprüfungen durch den TÜV Rheinland zurück. Nach einer internen Schulungsunterlage der "Promota.de"-Tochter "Tempus" vom Frühjahr 2016 verändert das Subunternehmen seine Arbeitsabläufe jedoch offenbar gezielt dann, wenn die TÜV-Prüfer in den "Rossmann"-Filialen erscheinen. So sollen die Einräumer "während des Audits" spezielle "Besonderheiten" beachten und Regale nicht gleichzeitig mit "Rossmann"-Mitarbeitern einräumen. "Die Ausübung der gleichen Tätigkeit" von Mitarbeitern der Drogeriekette und des Subunternehmens "zur gleichen Zeit ist ein Indiz für 'verdeckte Arbeitnehmerüberlassung' und gefährdet den Werkvertrag", ermahnte das Unternehmen seine Teamleiter.

Sind keine TÜV-Prüfer im Haus, sei es hingegen vollkommen normal, dass die Werkarbeiter die Regale zeitgleich mit "Rossmann"-Mitarbeitern einräumen, bestätigten "Promota.de"-Mitarbeiter dem "stern". Das gleiche Bild zeigte sich auf Filmaufnahmen aus "Rossmann"-Filialen in verschiedenen deutschen Städten, die "Report Mainz" vorliegen.

"Promota.de" wies die Vorwürfe zurück. Es würden "keine Abläufe geändert", wenn der TÜV komme. Wenn "Promota.de"-Mitarbeiter zeitgleich mit "Rossmann"-Leuten einräumten, dann gehe es um unterschiedliche Waren. "Promota.de" wie "Rossmann" wiesen auch den Verdacht der illegalen Arbeitnehmerüberlassung entschieden zurück.

Angesichts der Recherchen von "stern" und "Report Mainz" gebe es "ernsthafte Verdachtsmomente, die für eine illegale Arbeitnehmerüberlassung sprechen", urteilte dagegen Peter Schüren, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Münster. Schüren äußerte die Auffassung, dass hier die Behörden aktiv werden sollten, die für die Bekämpfung von Scheinwerkverträgen zuständig sind: "Das ist ein Fall für den Zoll."

Gegenüber "Report Mainz" klagen mehrere Mitarbeiter der Fremdfirmen zudem über schlechte Arbeitsbedingungen und miese Bezahlung. Sie empfinden die Arbeit als "Ausbeutung" und "erniedrigend" angesichts der Tatsache, dass sie im Vergleich zu "Rossmann"-Mitarbeitern viel weniger verdienten. Fahrten zwischen verschiedenen Einsatzorten würden nicht als Arbeitszeit bezahlt. Vielfach müsse umsonst gearbeitet werden, um zeitliche Vorgaben zu erfüllen. Ein Mitarbeiter, der bis vor kurzen in einer "Rossmann"-Filiale im Einsatz war, sagte im Interview: "Es wurde immer mehr gefordert, mehr gefordert, mehr gefordert. Also nervlich war ich kaputt." "Rossmann" ist zu 49 Prozent an der Firma "Promota.de" beteiligt.

Weitere Informationen auf www.reportmainz.de.

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