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GEW kritisiert Kürzungen bei Integrationskursen
"Knüppel zwischen Beine geworfen"
Böhmer fordert 15 Millionen Euro mehr Geld
"Report Mainz", heute, 20.09.2010, 21.45 Uhr im Ersten

Mainz (ots) - Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, hat die im Juli beschlossenen Kürzungen bei Integrationskursen scharf kritisiert. Gegenüber dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" sagte er wörtlich: "Es ist kein zusätzlicher Anreiz geschaffen worden, das Gegenteil geschieht, es ist ein Knüppel zwischen die Beine geworfen worden."

Das Bundesinnenministerium hatte im Juli per Rundschreiben an die Träger von Integrationskursen mitgeteilt, dass eine Wartezeit von drei Monaten zwischen der Zulassung von Teilnehmern und dem Kursbeginn eingeführt wird. Anträge von Migranten, die als nicht vorrangig eingestuft werden, werden sogar erst ab 2011 bearbeitet. Zudem wurden die Fahrtkosten gekürzt. Künftig wird nur noch die Fahrt zum nächstgelegenen Träger erstattet. Falls diese Schulen ausgebucht sind, müssen die Teilnehmer warten, statt auf andere Schulen ausweichen zu können. Außerdem wird die vorgeschriebene Qualifizierung der Lehrer von Integrationskursen nicht mehr bezuschusst. Die Lehrkräfte gelten ohnehin als sehr niedrig bezahlt. Pro Unterrichtsstunde bekommen sie häufig nur 16 Euro brutto. Thöne sagte dazu gegenüber "Report Mainz": "Die Tatsache, dass bei einer so qualifizierten Tätigkeit so hundsmiserabel bezahlt wird, ist ein Skandal. Mit der Streichung der Zuschüsse drücke ich eine ohnehin unhaltbare Situation noch tiefer. Und das mit der Begründung, es ist kein Geld da."

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Maria Böhmer, bekräftigte in diesem Zusammenhang gegenüber "Report Mainz", dass der Bund weitere 15 Millionen Euro für die Kurse bereitstellen müsse, um die Lücke zu schließen. Dafür wolle sie sich einsetzen. Wörtlich sagte sie: "Wir haben hier noch Bedarf und für die Integration müssen wir einfach noch weiter Geld in die Hand nehmen." Zu den erfolgten Kürzungen sagte Böhmer: "Wir wollen, dass die Menschen am Kurs teilnehmen. Das darf nicht an der Kinderbetreuung, das darf nicht an der Fahrkartenrückerstattung und das darf nicht am Kursbeginn scheitern." Im Hinblick auf die Bezahlung der Lehrer räumte die Integrationsbeauftragte Defizite ein: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einer fairen, gerechten Bezahlung und der Qualität der Kurse. [...] Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass manche Lehrkraft sagt, wir werden auf einem Niveau bezahlt, die nicht unserer Qualifikation entspricht."

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