BR Bayerischer Rundfunk

Bayerisches Fernsehen
Donnerstag, 14. Februar 2002, 17.02 Uhr (VPS 17.01)
Zum Tode von Elisabeth Mann Borgese

    München (ots) -          
    
    Botschafterin der Meere - Elisabeth Mann Borgese    
    Von Eberhard Görner
    
    Vergangene Woche verstarb überraschend im Alter von 83 Jahren
Elisabeth Mann Borgese. Das Bayerische Fernsehen ehrt die
erfolgreiche Wissenschaftlerin und die aussergewöhnliche Frau mit
einer Dokumentation aus dem Jahre 1997 über ihr Leben und ihre
Berufung.
    
    "Die Besten zweiter Klasse" urteilte Thomas Mann über Frauen -
weshalb seine Frau Katia sich ärgerte, als das fünfte Kind wieder
eine Tochter war: Elisabeth (geb. 24.04.1918). Vom Vater in der
Novelle "Unordnung und frühes Leid" und im "Gesang vom Kindchen"
literarisch verewigt, hatte die Tochter nie den Ehrgeiz, in die
schriftstellerischen Fußstapfen des Nobelpreisträgers zu treten.
Stattdessen wandte sie sich einer anderen Leidenschaft des Vaters zu:
dem Meer. "Wir müssen die Ozeane retten, wenn wir uns selbst retten
wollen" wurde ihr Motto. Seit 1967 nahm sie regelmäßig an den
UNO-Seerechtskonferenzen teil. Dem unermüdlichen Engagement der
Professorin für Politologie an der Technischen Universität von
Halifax/Kanada ist es letztlich auch zuzuschreiben, daß es heute ein
Seerecht gibt, in dem die Meere als "Gemeinerbe der Menschheit"
angesehen werden und das im August 1996 der Internationale
Seegerichtshof in Hamburg seine Arbeit aufgenommen hat. Ihr 1976
erschienenens Buch "Das Drama der Meere" wurde bis heute in 13
Sprachen übersetzt, 1993 wurde dem langen Zeit einzigen weiblichen
Mitglied des Club of Rome in Assisi der Internationale Umweltpreis
des Franziskanischen Zentrums für Umweltstudien verliehen. Elisabeth
Mann Borgese hätte von den Erlösen der Bücher ihres Vaters bequem
leben können ? sie investierte das Geld aber in die Rettung der
Meere. Was trieb das letzte lebende Mann-Kind dazu, ein
Ozean-Institut auf Malta zu gründen und weltweit Voträge über
Meeresverschmutzung und ?rettung zu halten, statt über den berühmten
Vater und ihre Kindheit zu sprechen? Welche Schwierigkeiten hatte sie
als Frau in der Forschung - welche Vorteile hat sie als Thomas Mann-
Tochter?
    
    Der Filmautor Eberhard Görner hat Elisabeth Mann Borgese zu Hause,
in der Universität und auf ihren Wanderungen am Meer begleitet und
zeigt, daß die Biographie dieser außergewöhnlichen Frau vielen Mut
machen kann, neue Wege zu gehen.
    
    Fotos über BR-Bildarchiv, Telefon 089/5900-3040; Fax
089/5900-3284.
    
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