aktien-meldungen.de: "Der Solarstrom boomt. Selbst die drohende Reduzierung der Förderung sollte der Markt verdauen können" - versiko-Vorstand Alfred Platow im Interview
Hamburg (ots) - Die versiko AG (ISIN: DE0005408686 / WKN: 540868) ist im Bereich Konzeptionierung und Vertrieb ökologischer Kapitalanlageprodukte tätig und bietet ihren Kunden nachhaltige Vermögensberatung an. Im Interview mit a|m spricht der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Alfred Platow über die Auswirkung der Finanzkrise auf sein Unternehmen und die Zukunftsaussichten der Solarbranche.
a|m: Herr Platow, die versiko AG gilt als Pionier im Bereich "Nachhaltige Kapitalanlage". Wie hat sich die Finanzkrise auf den Geschäftsverlauf Ihres Unternehmens ausgewirkt?
Alfred Platow: versiko hat sich wie die gesamte Branche den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht entziehen können. Eine Beratungs- und Vermittlungstätigkeit als Allfinanz-Makler ist von den Entwicklungen des Finanzmarktes nicht abzukoppeln. Wir mussten bereits in den ersten zwei Quartalen 2009 erkennen, dass die Verunsicherung und Investitionszurückhaltung unserer Kunden und Kundinnen ein Neugeschäft erheblich erschwert haben.
Der Vorstand hat deshalb bereits im August 2009 eine grundlegende Restrukturierung dieses Geschäftsbereichs der nachhaltigen Vermögensberatung beschlossen und bekannt gegeben. Der Vertrieb durch freie Handelsvertreter in 10 bundesweiten versiko-Filialen wurde zum 31. Dezember 2009 zugunsten eines exklusiven Zentralvertriebs mit festangestellten Mitarbeitern aus dem Stammhaus in Hilden aufgegeben. Wie in den vergangenen Jahren wiederholend in den Geschäftsberichten dargelegt, haben wir in dem kostenintensiven Vertrieb mit bundesweiten Büros keine ausreichende Ertragskraft herstellen können. Unabhängig von der globalen Finanzkrise haben sich viele gesetzliche Anforderungen der letzten Jahre, welche oft verbraucherschützende Ziele verfolgen, als große Kostentreiber herausgestellt. Für versiko bedeutete der Abbau der Filialen in 2009 auch, dass in der Hauptumsatzzeit nur noch ein bescheidenes Jahresendgeschäft und damit ein insgesamt deutlich reduzierter Jahresumsatz realisiert wurde. Seit 1. Januar 2010 starten wir nach altem Konzept neu durch.
a|m: Nach wie vor ist die Solarindustrie einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die nachhaltige Kapitalanlage. Hätten Sie vor 3 Jahren gedacht, dass dieser Markt eine derartige Krise durchlaufen muss?
Alfred Platow: Der Solarstrom boomt. Selbst die drohende Reduzierung der Förderung von Solarstrom sollte der Markt verdauen können. Zunehmender Wettbewerb und sinkende Produktionskosten haben die Errichtung von Solaranlagen vergünstigt. Jetzt ist eine Phase der Konsolidierung. Die Koalition will ausdrücklich den Eigenverbrauch stärken. Solaranlagenbesitzer, die den Strom selbst verbrauchen anstatt ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen, haben einen zusätzlichen Nutzen: Sie müssen keinen bzw. weniger Strom von außen einkaufen und erhalten eine Eigenverbrauchs-Vergütung. Die staatlichen Förderprogramme innerhalb Europas unterscheiden sich stark. Man sollte alle Möglichkeiten zu einer Harmonisierung der Förderung in Europa nutzen.
a|m: Wir wird sich der Solarsektor aus Ihrer Sicht in den nächsten zwölf Monaten weiterentwickeln?
Alfred Platow: Die Solarwirtschaft in Deutschland braucht verlässlichere Rahmenbedingungen seitens der Politik, die den finanziellen Spielraum für zukünftige Investitionen und Innovationen offen halten. Für 2010 rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft mit einem Photovoltaik-Marktwachstum im In- und Ausland von mindestens 50 Prozent. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der Markt für Solarstromanlagen in Deutschland gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Teile der deutschen Solarbranche bangen dennoch um ihre Zukunftsaussichten, falls die Solarstromförderung in den nächsten Jahren stärker gekürzt wird. Diese Einschätzung teilt auch der Bundesrat, der zur Zeit in Schulter and Schulter mit der Solarbranche Nachbesserungen in der laufenden EEG-Novelle verlangt. Die Bundesregierung will die Solarstromförderung in den nächsten zwei Jahren um bis zu 42 Prozentpunkte senken, allein in diesem Sommer soll sie um 16 Prozent fallen. Entschieden ist wie wir alle wissen noch nichts. Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat werden sich hierzu Anfang bis Mitte Juli äußern. Um im globalen Wettbewerb zu bestehen, planen die in Deutschland ansässigen Produktionen allein im Inland in den nächsten vier Jahren Investitionen in Höhe von rund 10 Milliarden Euro. Damit werden modernste Solarfabriken gebaut und die Forschung und Entwicklung nach vorne gebracht. Spätestens 2013 wird Solarstrom vom eigenen Hausdach nach Einschätzung des BSW-Solar bereits das Preisniveau konventioneller Verbraucherstromtarife erreichen. Daher stehen alle Zeichen auf sonnig und ich bin sehr zuversichtlich.
a|m: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009 mussten Sie einen deutlichen Verlust ausweisen (Anm. d. Red. ca. 3,4 Mio. Euro). Werden Sie 2010 wieder schwarze Zahlen schreiben können?
Alfred Platow: Wir konnten für 2009 das positive Bilanzergebnis von 1.135 Mio. Euro bekannt geben. Damit können wir zufrieden sein, da in dieses Ergebnis natürlich auch signifikante Abschreibungen aus der Einstellung des bundesweiten Filialvertriebs eingeflossen sind. Das Resultat der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ist mit -3.438 Mio. Euro (VJ 2.014 Mio. Euro) deutlich negativ. Davon entfallen aber 63,6 % (2.187 Mio. Euro) auf Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens. Das Jahresergebnis nach Steuern beträgt -3.248 Mio. Euro (VJ 2.010 Mio. Euro).
Für 2010 sieht es gut aus. Der kostenintensive Filialvertrieb fällt als Kostentreiber weg. Dessen Auflösung ist abgewickelt. Unsere mit 60 % solide Eigenkapitalausstattung spricht für sich. Wir kehren zurück zu unseren Wurzeln. Mit unserem neuen Zentralvertrieb aus dem Stammhaus in Hilden/Düsseldorf über angestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden wir unsere langjährigen Kunden weiterhin erstklassig betreuen. Ganz nach unserem Motto "EXKLUSIVERSIKO"! Das zeigt sich schon jetzt nach den ersten 6 Monaten deutlich und die ersten Erfolge werden sichtbar. Neue Kunden werden wir mit intelligenten Produkten und höchster Qualität dazu gewinnen. Unser zweites Standbein, die Kapitalanlagegesellschaft und 100%ige Tochter ÖKOWORLD LUX S.A., wird auch in Zukunft überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen können. Daher rechne ich ganz klar mit schwarzen Zahlen.
a|m: Wo sehen Sie die zukünftigen Wachstumstreiber für versiko?
Alfred Platow: Nach wie vor ist der Markt der Nachhaltigkeit der Markt der Zukunft. Klimawandel und Bevölkerungswachstum beeinflussen künftig die globale ökonomische Entwicklung: Beide Faktoren sind eng miteinander verzahnt. Der Klimawandel ist vorwiegend Folge menschlicher Aktivitäten und wird durch das Bevölkerungswachstum mit einer zunehmenden Verbreitung von nutzungs- und konsumintensiven Lebensstilen verstärkt. Das Bevölkerungswachstum und wirtschaftliche Entwicklung führen zu beschleunigter Reduzierung vieler Ressourcen und der Notwendigkeit von sinnvollen Alternativen. Umweltschonende und energieeffiziente Techniken bzw. Erneuerbare Energien werden dringend erforderlich. Daneben ist die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung insbesondere mit Wasser, Lebensmitteln, Energie, Gesundheitsfürsorge und Bildung die wesentliche ökonomische Herausforderung.
Die aktuellen Begebenheiten am Golf von Mexiko und die globale Auseinandersetzung mit dem Thema Erdöl und dem dramatischen Naturgau schärfen das Bewusstsein und die Diskussionen. Die Vision der Energiewende wird immer greifbarer. Ein konkretes Handeln unumgänglich. Obama will neue Regeln, neue Regulierungen, damit so etwas wie der BP-Spill nie wieder geschehe.
Das ist "Wasser auf die Mühlen" für die Erneuerbaren Energien und eine sehr gute Perspektive für unsere Lösungen. Apropos Wasser, Wasser ist natürlich auch ein Megathema im Bereich nachhaltige Geldanlagen. Damit meine ich nicht Wasser in Flaschen, sondern die globale Wasserverknappung, der es entgegenzuwirken gilt.
a|m: versiko hält über 40% an der Sonne und Wind Beteiligung AG - was sind die Gründe für dieses Engagement? Werden Sie an dieser Beteiligung festhalten?
Alfred Platow: Die Sonne und Wind Beteiligungen AG ist die erste und bislang einzige auf Cleantech fokussierte Venture-Capital-Gesellschaft in Deutschland. Die Konzentration auf Beteiligungen an wachstumsstarken Frühphasen-Unternehmen in den Cleantech-Segmenten Energieerzeugung, Energiespeicherung sowie Energieeffizienz entspricht unserer Vision und unserer Ausrichtung. Denn das ist die Zukunft! Mit vier Neuinvestments im Jahr 2009 zählt die Sonne und Wind den aktivsten Venture-Capital-Investoren in Deutschland. Als Sparings-Partner für "Beteiligungen mit Sinn" werden junge Unternehmen durch eine facettenreiche Expertise sowie ausgeprägte Netzwerke unterstützt, erfolgreich beraten und aufgebaut. Die im Jahre 2000 von der versiko AG initiierte und heute börsennotierte Beteiligungsgesellschaft kann ein sehr erfreuliches Jahresergebnis für 2009 vorstellen! Die versiko AG hält über ihre 100%ige Tochtergesellschaft The Return of the Sun AG 43 % an der Sonne und Wind.
a|m: Am 23. April dieses Jahres haben Sie ein Aktienrückkaufprogramm gestartet und bisher rund 50 Tsd. Aktien erworben. Wie viele Aktien können Sie insgesamt zurückkaufen und wozu sollen die Aktien verwendet werden?
Alfred Platow: Die Hauptversammlung der versiko AG vom 26. Juni 2009 hat die Gesellschaft ermächtigt, bis zum 23. Dezember 2010 eigene Stamm- und Vorzugsaktien bis zu 10 % des Grundkapitals zu erwerben. In Anbetracht der unverändert robusten Eigenkapitalausstattung sowie guter Liquiditätsentwicklung hat der Vorstand am 23. März 2010 beschlossen, am 24. März 2010 mit dem Rückkauf eigener Vorzugsaktien zu beginnen. Bis einschließlich 23. Dezember 2010 wird die versiko AG bis zu 815.000 Stück Vorzugsaktien, das heißt bis zu 10 % des Grundkapitals, über die Börse erwerben. Der Aktienrückkauf erfolgt unter Führung einer Bank, die ihre Entscheidung über den Zeitpunkt des Erwerbs von Aktien der Gesellschaft unabhängig und unbeeinflusst von dieser trifft unddabei die übliche Marktpraxis und die Anforderungen der Gesellschaft hinsichtlich Volumen und Gültigkeitsdauer der Order beachtet. Dabei darf der Kaufpreis je Aktie (ohne Erwerbsnebenkosten) den Mittelwert der Schlusskurse der Aktie für die Gesellschaft im XETRA Handel während der letzten fünf Börsentage vor dem Erwerb der Aktien nicht um mehr als 10 % über- oder unterschreiten. Der Erwerb der Aktien soll dabei zu allen gemäß Hauptversammlungsbeschluss vom 26. Juni 2009 und gesetzlich zulässigen Zwecken erfolgen.
Das Rückkaufprogramm kann, soweit erforderlich und rechtlich zulässig, jederzeit ausgesetztwerden. Die durch versiko zurückerworbenen Aktien dienen auch zur Festigung zukünftiger Lieferantenbindungen. So bieten wir z.B. Versicherungsunternehmen die Möglichkeit, solche Aktienpakete von 1- max. 2 % zu erwerben und zum Miteigentümer der versiko zu werden. Das gibt einer Geschäftsbeziehung eine besondere Note. Die Auswahl, ob ein Unternehmen und dessen diesbezügliches Engagement zur versiko passt, obliegt uns.
a|m: Herr Platow, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview.
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