aktien-meldungen.de: "Das Potenzial bleibt hoch" - EnviTec-CFO Jörg Fischer im Gespräch mit a|m

Hamburg (ots) - Die EnviTec Biogas AG (ISIN: DE000A0MVLS8 / WKN: A0MVLS) plant, installiert und betreibt Biogasanlagen und ist damit an der gesamten Wertschöpfungskette für die Herstellung und Verwendung des Energieträgers Biogas beteiligt. Im Interview mit a|m spricht der Finanzvorstand Jörg Fischer über den Verlauf des ersten Quartals und die Ziele für 2010.

a|m: Sie haben im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis steigern können, wenngleich der kalte Winter die Entwicklung beeinträchtigt hatte. Dennoch zeigten Sie sich mit der Geschäftsentwicklung nicht ganz zufrieden. Wo sehen Sie Optimierungsbedarf und was erwarten Sie für die folgenden Quartale?

Jörg Fischer: Nach wie vor gehört unser Unternehmen zu den führenden Biogasanlagenherstellern in Europa und setzt sich gemessen am Umsatz, dem Leistungsspektrum und der Innovationskraft von anderen Marktteilnehmern ab. Die Entwicklungen des Jahres 2009 und des ersten Quartals 2010 zeigen, dass wir auch schwierige wirtschaftliche Phasen gut überstehen und sehr flexibel sind. Bereits in der Vergangenheit haben wir gezeigt, dass wir ein sehr gutes Gespür für die Chancen innerhalb des Biogas-Marktes haben. Für unser Unternehmen ist es sehr wichtig, geeignete Maßnahmen zu treffen, um neue Märkte zu erschließen und unsere Ertragskraft zu steigern. An diesem Ziel arbeiten wir. Zusätzlich gewinnen wir stetig neue Erkenntnisse, die der Weiterentwicklung unserer Technologie zu gute kommen. Wir wollen in diesem Jahr darüber hinaus unsere Prozesse weiter optimieren. Das zweite Quartal hat für EnviTec Biogas gut begonnen. Die Kapazitäten werden zum Ende des Quartals sehr gut ausgelastet sein. Wir rechnen damit, dass sich diese Entwicklung auch weiter fortsetzt, denn das Potenzial bleibt hoch. Für die kommenden Quartale haben wir uns viel vorgenommen. Vor allem wollen wir den ertragsstarken Betrieb eigener Biogasanlagen in Kooperation mit Partnern im In- und Ausland gezielt ausbauen. Der Bereich ist mit seinem regelmäßigen Cashflow eine ideale Ergänzung zu den beiden anderen Segmenten Anlagenbau und Service. Zielsetzung insgesamt ist gewinnbringendes, nachhaltiges Wachstum durch den Verkauf und den eigenen Betrieb von Biogasanlagen und Dienstleistungen rund um deren Betrieb.

a|m: Wie steht es um die strategische Ausrichtung? Wird der Eigenbetrieb wieder an Bedeutung verlieren, wenn der Auftragseingang im Bereich Anlagenbau wieder zulegt?

Jörg Fischer: Dem Segment Eigenbetrieb haben wir immer eine große Bedeutung zugemessen. Daran wird sich auch nichts ändern. Im Ausland - beispielsweise in Italien und Frankreich - nutzen wir die eigenen Anlagen auch als wichtige Referenzen, um potenzielle Kunden vor Ort von der Wirtschaftlichkeit der Biogasproduktion und dem Know-how unseres Unternehmens zu überzeugen. Die Entwicklung des ersten Quartals 2010 mit seinen sehr schlechten Wetterbedingungen zeigt, dass das Segment Eigenbetrieb unsere Geschäftsentwicklung wie erwartet stützt und stabilisiert. Wir profitieren von unserer hohen Liquidität, die uns in die Lage versetzt, den Bau eigener Anlagen auch aus eigener Kraft zu finanzieren. Mit dem Betrieb dieser ertragsstarken Anlagen sind wir im In- und Ausland unabhängiger von den Erlösen aus dem Anlagenbau für Kunden. Insofern wird die Bedeutung dieses Segments auch unabhängig von steigender Nachfrage im Segment Anlagenbau weiter zunehmen. Inzwischen zeichnen sich auch Fortschritte bei den Genehmigungsverfahren für die Biogasanlagen ab. Diese verlaufen in einigen Ländern mittlerweile schneller und effizienter als noch vor zwei Jahren. Diese Entwicklung kommt beiden Segmenten zu gute.

a|m: Wie sieht die Liquiditätssituation in Ihrem Unternehmen aus? Ist diese solide genug, um zukünftige Engpässe kompensieren zu können?

Jörg Fischer: Die Vermögens- und Finanzlage des Konzerns ist weiterhin sehr solide. Sie ermöglicht es uns, auch in schwierigen Zeiten vielversprechende Geschäftsfelder auszubauen und in Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu investieren. Am Ende des ersten Quartals verfügte EnviTec Biogas über ein Eigenkapital in Höhe von 174,4 Mio. Euro (Q1 2009: 178,6 Mio. Euro). Wir profitieren von einer nach wie vor hohen Eigenkapitalquote in Höhe von 76,7 Prozent (Q1 2009: 81,8 Prozent) und sind damit unabhängig von Fremdkapitalgebern, können Engpässe sehr gut kompensieren.

a|m: Im April haben Sie erste Aufträge für den Biogasanlagenbau aus Frankreich erhalten. Wie sieht Ihre Expansionsstrategie für das Ausland im Detail aus?

Jörg Fischer: Wir konzentrieren uns auf die für uns attraktivsten Märkte, in denen Biogas die größten Erfolgsaussichten hat. Hierzu zählen neben Deutschland, dem weltweit größten Markt für Biogas, Länder wie Indien, Italien, Frankreich, Großbritannien, Tschechien und die Slowakei. Wir betreuen unsere Kunden in diesen Märkten über lokale Vertriebsbüros. Es zeichnet sich deutlich ab, dass sich insbesondere diejenigen Auslandsmärkte positiv entwickeln, die eine attraktive und langfristig ausgerichtete Vergütung für Biogas implementiert haben. Besonders in Italien und Frankreich zieht das Geschäft an. So starteten wir im ersten Quartal in Italien, einem unserer wichtigsten Märkte, vier Projekte. An sieben weiteren Anlagen wird bereits gearbeitet. Der Auftragsbestand in Italien belief sich am 31. März 2010 auf über 40 Mio. Euro, mehr als viermal so viel wie zum Vorjahreszeitpunkt.

a|m: Die bisherige projektbezogene Kooperation mit BKN biostrom wurde nun in ein Joint-Venture überführt. Welche Gründe haben für eine Intensivierung der Partnerschaft gesprochen, wie wird die Zusammenarbeit im Einzelnen aussehen und wie wird sich das Joint-Venture in Ihren Zahlen niederschlagen?

Jörg Fischer: Wir haben mit der BKN biostrom AG die gemeinsame Holding ETBKN GmbH & Co. KG für den Bau und den Betrieb von Biogasanlagen gegründet, bei der EnviTec Biogas Mehrheitsgesellschafter ist. Wir verfügen beide über langjährige Expertise im Biogasmarkt und bringen unsere jeweiligen Stärken in das Joint-Venture ein. EnviTec Biogas engagiert sich mit fundiertem Technologie-Know-how und eigener Anlagentechnik. BKN biostrom trägt mit seiner Erfahrung in der Projektentwicklung sowie dem Betrieb von Biogasanlagen zum Erfolg bei. Die Projekt-Pipeline für unser gemeinsames Unternehmen ist bereits gut gefüllt, die ersten Anlagen sollen noch in diesem Jahr gebaut werden. Ziel ist es, die Rolle von Biogas in der dezentralen Energieversorgung zu stärken und zunächst ein Portfolio von mehr als 15 Megawatt in dem Joint Venture umzusetzen. Nach Inbetriebnahme verbleiben die Biogasanlagen im Besitz der ETBKN Holding GmbH & Co KG. Gemeinsam erwirtschaften wir mit dem Betrieb der Anlagen dauerhafte Erträge. Die Zusammenarbeit unterstützt uns in unserem Ziel, den Bau eigener Anlagen voran zu treiben. Insofern steigern wir damit die Erlöse aus dem Segment Eigenbetrieb.

a|m: Welche Ziele haben Sie sich für das laufende Geschäftsjahr gesetzt?

Jörg Fischer: Wir beabsichtigen, 2010 die bestehenden Geschäftsfelder Anlagenbau, Eigenbetrieb und Service konsequent auszubauen und planen insbesondere im Eigenbetrieb umfangreiche Investitionen. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vom Herbst 2009 weitere Anreize für die Branche vorgezeichnet. Unser Ziel ist es, neben dem Ausbau des Eigenbetriebs, insbesondere die Einspeisung von aufbereitetem Bioerdgas voranzutreiben. Dieser noch relativ junge Sektor bietet den Anbietern von Biogasanlagen ein riesiges Potential und wir sind gut aufgestellt, um hier weiterhin die führende Rolle zu spielen. In vielen europäischen Ländern stärken darüber hinaus die Regierungen die Anbieter von Biogasanlagen mit neuen Gesetzen und einer attraktiven und langfristig ausgerichteten Vergütung, um diesen wichtigen Bereich der erneuerbaren Energien zu fördern. Von diesen Entwicklungen wollen wir profitieren. Die Weichen sind gestellt.

a|m: Herr Fischer, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch.

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