aktien-meldungen.de: Biofrontera: BF-200 ALA-Zulassung eröffnet großes Marktpotenzial - CFO Werner Pehlmann im Exklusivinterview
Hamburg (ots) - Das Spezialpharmaunternehmen Biofrontera (ISIN: DE0006046113 / WKN: 604611) mit Sitz in Leverkusen hat sich auf die Entwicklung medizinischer Kosmetik und Medikamenten zur Pflege und Behandlung von Haut- und Entzündungskrankheiten spezialisiert. Im Interview mit a|m spricht der Finanzvorstand Werner Pehlemann über die bevorstehende BF-200 ALA-Zulassung und das zukünftige Wachstumspotenzial.
a|m: Guten Tag, Herr Pehlemann, vor kurzem haben Sie die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2009 vorgelegt. Der Umsatz fiel mit 336 Tsd. EUR noch sehr niedrig aus. Mit welcher Entwicklung rechnen Sie hier für die kommenden Jahre?
Werner Pehlemann: Die Biofrontera ist ein forschendes Unternehmen, das frühzeitig einen eigenen Vertrieb etabliert hat, um so schon vor der Markteinführung des ersten Medikamentes den Markt kennenzulernen und ein Vertrauensverhältnis zu den Dermatologen aufzubauen. Trotz des sicherlich im Vergleich zu den Ausgaben des Unternehmens geringen Umsatzes ist dieser ausreichend groß, um die Ausgaben für Vermarktung und Vertrieb zu decken. Die tägliche Kommunikation mit den Dermatologen liefert uns indes wichtige Hinweise für die Bedürfnisse der Hautpraxen und bietet eine ausgezeichnete Grundlage für die Präsentation der wissenschaftlichen Erfolge der Biofrontera. Unser führender Produktkandidat BF-200 ALA zur Behandlung des hellen Hautkrebses wird nach der im Herbst 2011 erwarteten Zulassung als Medikament verfügbar sein und wir gehen davon aus, dass unsere etablierte Vertriebsstruktur dazu führt, sehr schnell signifikante Ergebnisbeiträge zu erreichen.
a|m: Das Ergebnis konnten Sie deutlich verbessern, allerdings lag es mit -3,4 Mio. EUR weiterhin im negativen Bereich. Wann werden Sie den Break-even erreichen?
Werner Pehlemann: Das Unternehmensergebnis findet sich in den immer noch hohen Ausgaben für die klinische Entwicklung von BF-200 ALA wieder. Mit dem nun erfolgreichen Abschluss der klinischen Erprobung von BF-200 ALA werden wir im laufenden Geschäftsjahr die Kosten noch einmal deutlich senken können. Einen ersten Hinweis darauf kann man dem in der letzten Woche veröffentlichen Quartalsbericht entnehmen. Die zuverlässigste Antwort auf den zweiten Teil Ihrer Frage ist sicherlich mit der Zulassung von BF-200 ALA zu beantworten. Mit diesem Meilenstein erwarten wir, dass die Biofrontera ihre Profitabilität erreichen kann. Hinzu kommt, dass wir mit unserem Wirkkosmetikum Belixos ebenfalls steigende Umsätze verwirklichen können. Da Biofrontera nur in Deutschland selbst den Vertrieb steuert, werden derzeit die notwendigen Auslizenzierungen an internationale Partner mit Hochdruck vorangetrieben. Der Abschluss eines Vertrages für den Vertrieb von Belixos in arabischen Ländern wurde kürzlich bekannt gegeben. Potenzielle Einkünfte aus solchen Vertriebskooperationen sind für uns heute nur sehr schwer kalkulierbar, sie stellen aber das größte Potenzial des Unternehmens dar.
a|m: Was sind die Voraussetzungen für das Erreichen des Break-even?
Werner Pehlemann: Mit der Zulassung von BF-200 ALA wird die wichtigste Voraussetzung geschaffen und gleichzeitig auch die zukünftige Ertragskraft deutlich gemacht. Mit der bereits heute gesehenen signifikanten Verbreitung dieses Krankheitsbildes und der Verdoppelung der Patientenzahlen alle zehn Jahre ergeben sich starke Wachstumsraten für Medikamente zur Behandlung des hellen Hautkrebses, von denen BF-200 ALA das Medikament mit der besten jemals dokumentierten Wirksamkeit ist. Wir betrachten den hellen Hautkrebs als einen der prominentesten Wachstumsmärkte in der Medizin.
a|m: Im Herbst vergangenen Jahres erfolgte die deutsche Markteinführung des Creme-Produktes Belixos®. Lässt sich bereits sagen, wie sich der Verkauf von Belixos® auf den Umsatz im ersten Quartal 2010 ausgewirkt hat?
Werner Pehlemann: Belixos® hat unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt. Im Rahmen der Möglichkeiten und der Vertriebsstrategie haben wir in einem ersten Schritt von Dermatologen geführte Kosmetikinstitute besucht. Dazu bietet der Internetshop www.Belixos.de eine wertvolle Ergänzung. Nachdem das Produkt über diese Wege eine gute Reputation gewonnen hat, schließt sich ab Sommer der Vertrieb über den Großhandel und die Apotheken an. Bisher beurteilen über 70 % der Nutzer das Produkt als sehr gut, so dass wir eine für dieses Marktsegment sehr hohe und seltene Kundenzufriedenheit feststellen können.
a|m: Neben dem Produkt BF-200 ALA, das sich bereits in der dritten klinischen Testphase befindet, haben Sie weitere Produkte wie etwa BF-derm1 und BF-1 in der Pipeline. Wie schätzen Sie das Marktpotenzial für die einzelnen Produkte ein und ab wann rechnen Sie mit einer Markteinführung?
Werner Pehlemann: Um Sie kurz berichtigen zu dürfen, BF-200 ALA hat bereits die klinische Entwicklung vollständig und erfolgreich durchlaufen. Die Phase III-Studien wurden mit ausgezeichneten Ergebnissen abgeschlossen. Wir warten derzeit noch auf die für eine Medikamentenzulassung erforderlichen Stabilitätsdaten industriell gefertigter Chargen. Der Zulassungsantrag soll im Spätsommer gestellt werden.
Nun zu Ihrer Frage. Wir wollten nie eine one-product-company sein und haben schon früh auf eine breite, allerdings auch kostenintensivere, Produktpalette gesetzt. Wir wissen um die Potenziale der Folgeprodukte sowie von Belixos®, die die Nachhaltigkeit unseres Unternehmens sichern sollen. Mit BF-derm1 und BF-1 erreichen wir darüber hinaus Patientenkreise, deren Medikation bisher unzureichend ist. Das weltweite Marktpotential für die beiden anderen Medikamentenkandidaten eröffnet mit über EUR 200 Mio. für BF-derm1 und über EUR 1 Mrd. für BF-1 eine vielversprechende Ertragskraft für die Zukunft.
Darüber hinaus sind die weiteren Vermarktungsmöglichkeiten für weitere Indikationsfelder für BF-200 ALA noch bei weitem nicht ausgereizt.
a|m: In welchem Land bzw. Region sehen Sie derzeit das größte Wachstumspotenzial für klinische Kosmetik- und Pflegeprodukte?
Werner Pehlemann: Für unseren eigenen Vertrieb ist erst einmal Deutschland das interessanteste Territorium, in dem wir selber den Verkauf und die Betreuung steuern können. Und obwohl Deutschland nur einen Anteil von 5 % des Weltmarktes einnimmt, haben wir mit unseren Produkten eine gute Chance, allein mit den in Deutschland erzielbaren Umsätzen die Profitabilität zu erreichen. Die zwei größten Pharmamärkte USA und Asien werden wir mit geeigneten Partnern erschließen, wenn die Zulassungen für die jeweiligen Länder vorliegen. Für alle unsere Produkte haben wir weltweite Rechte.
a|m: Welche Ziele haben Sie sich für das laufende Geschäftsjahr gesteckt?
Werner Pehlemann: Für dieses Jahr steht ganz oben die Einreichung der Zulassung für BF-200 ALA, hier wollen wir im Spätsommer unser Dossier abgeben. Darüber hinaus sollen die Ausweitung der Belixos-Serie und das Angebot über Apotheken Schwung in die Verkaufszahlen bringen. Die bereits angesprochene Verpartnerung von BF-200 ALA und Belixos in internationalen Absatzregionen spielt in diesem Jahr ebenfalls eine äußerst große Rolle. Begleitet werden müssen diese operativen Ziele von Kapitalmaßnahmen, die es der Gesellschaft ermöglichen, die Zulassung und notwendige Marketingmaßnahmen voran zu treiben. Auch hier haben die geführten Gespräche bereits zu ersten sehr guten Ergebnissen geführt.
a|m: Herr Pehlemann, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch.
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