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Die Entmachtung der jungen Generation - Zukunftsforscher Opaschowski sieht gravierende Folgen des demographischen Wandels

Hamburg (ots) - Nicht nur die Brexit-Entscheidung in Großbritannien hat offenkundig gemacht, wie sehr demografischer Wandel und Überalterung der Bevölkerung die nächste Generation zum Opfer von Mehrheitsverhältnissen machen können. Die ältere Generation stellt, in Großbritannien ebenso wie in Deutschland, das größte Wählerpotential dar und die Jugend ist zur Minderheit geworden. Bei der Brexit-Entscheidung hatten die jungen Wähler mit ihren Gegenstimmen keine Chance, auch wenn sich mehr von ihnen an der Wahl beteiligt hätten. Kann es auch in Deutschland zu Werte- und Entscheidungskonflikten kommen? Die Ipsos-Werteumfrage des Zukunftsforschers Opaschowski weist nach, dass es eine große Kluft in der Werteorientierung zwischen Jung und Alt gibt.

Selbstständigkeit und Selbstvertrauen versus Höflichkeit und Anstand

Bei der Frage, welche Werte im Leben besonders wichtig sind, gibt es nur eine Übereinstimmung: Jung (14-24 Jahre) und Alt (65+ Jahre) messen der Ehrlichkeit die größte Bedeutung in ihrer Wertehierarchie zu. Ansonsten setzen die Generationen ganz unterschiedliche Prioritäten:

   - Die 14- bis 24-Jährigen legen großen Wert auf die 
     "Selbstständigkeit" (69%), für die 65plus-Generation ist die 
     "Höflichkeit" (71%) wichtiger.
   - Für die Jüngeren steht  "Freundlichkeit" auf Platz 3, bei 
     Senioren nimmt "Verlässlichkeit" diesen Platz ein.
   - Die Jungen betonen besonders das "Selbstvertrauen", die ältere 
     Generation weist hingegen mehr auf die Bedeutung von "Benehmen 
     und Anstand" hin.
   - Und schließlich zählt bei den Älteren zu den fünf wichtigsten 
     Werten im Leben der "Fleiß", für die Jungen hat 
     "Hilfsbereitschaft" eine größere Bedeutung. 

Alterspyramide entmachtet die Jungen

Sicher hat es in den Werteorientierungen und Lebenseinstellungen schon immer Unterschiede zwischen den Generationen gegeben. "Neu ist hingegen das generative Ungleichgewicht in einem historisch unvorstellbaren Ausmaß" betont Professor Opaschowski und nennt ein Beispiel: Noch 1967 hatte das amerikanische Nachrichtenmagazin "Time" die Generation der unter 25-Jährigen zur Persönlichkeit des Jahres ("Man of the Year") erklärt. Sie war dominant und tonangebend. 44 Prozent der Einwohner Deutschlands waren seinerzeit keine dreißig Jahre alt.

Jetzt kehrt sich das Verhältnis um. Es kommt zu gravierenden Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Opaschowski: "Der Übermacht der Alten kann schon bald die Ohnmacht oder gar Entmachtung der Jungen gegenüberstehen. Wird in naher Zukunft die Generation 65plus zum 'Man of the Year' erklärt werden, weil es bis zum Jahr 2060 in Deutschland nur noch halb so viele junge Einwohner unter 20 Jahren wie Menschen im Alter von über 65 Jahren gibt?" (vgl. Statistisches Bundesamt 2015: Bevölkerung Deutschland bis 2060). Mit der weiteren Zunahme der Lebenserwartung kann es zu neuen gesellschaftlichen Generationskonflikten kommen.

Steckbrief

Repräsentative face-to-face Mehrthemenumfrage von 1.000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland. Feldzeit: 09. bis 15.05.2016

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