Jahreszeiten Verlag, VITAL

Pillen aus dem Internet - Arzneimittelkommission warnt vor großen Risiken für die Käufer
Psychopharmaka als Intelligenzverbesserer angeboten - Kunden erhielten oft keine Hinweise auf Neben- und Wechselwirkungen

Hamburg (ots) - Der Kauf von Arzneimitteln über das Internet kann für den Bezieher große gesundheitliche Risiken beinhalten. In einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift "vital" sagte Dr. Karl-Heinz Munter von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, der Kunde wisse nicht, woher die Medikamente kommen, wie sie gelagert wurden "und ob sie überhaupt geprüft wurden". So habe die Arzneimittelkommission schon wiederholt Qualitätsmängel festgestellt: Das Verfallsdatum war abgelaufen oder der auf der Packung angegebene Wirkstoff stimmte nicht mit den Tabletten überein. Außerdem fehlten zuweilen die Originalverpackungen, waren Beipackzettel entweder überhaupt nicht oder nur in fremder Sprache vorhanden. Auch seien schon Arzneien mit falschen Anwendungsbereichen angeboten worden. Die Arzneimittelkommission hat nach Angaben von Munter einmal zum Test ein Medikament bestellt, das gegen Depressionen angeboten wird. Tatsächlich habe es sich um ein Anti-Epileptikum und Mittel gegen Herzrhythmusstörungen gehandelt. Teilweise wanderten auch Psychopharmaka als Intelligenzverbesserer in die virtuelle Wundertüte. "So etwas kann lebensbedrohend sein. Gerade bei den verschreibungspflichtigen Arzneien hat der Patient keine Ahnung von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen", sagte Munter "vital". Doch nicht nur die "harten" Medikamente, die in Deutschland nur gegen Rezept abgegeben werden, könnten zu einem gesundheitlichen Risiko führen. So werde im Internet das Vitamin-A-Präparat "Retin A" als Aknemittel vermarktet. "Das Mittel kann bei ungeborenen Kindern zu schwersten Missbildungen führen und sollte zwei Jahre vor einer Schwangerschaft abgesetzt werden", warnte Munter Frauen. Das Risiko der Internetbestellung trage der Patient allein. Die Anbieter, die mit der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept gegen deutsches Recht verstießen, seien im Ausland kaum dingfest zu machen. ots Originaltext: vital Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Rückfragen bitte an: Redaktion "vital" Rüdiger Bloemeke Tel.: 040/2717-3106 Original-Content von: Jahreszeiten Verlag, VITAL, übermittelt durch news aktuell

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