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Ostthüringer Zeitung: Jörg Riebartsch kommentiert: Krieg und Frieden

Gera (ots) - Es ist ja nicht so, dass man sich erst seit Leo Tolstoi mit der Frage befasst, wie Krieg und Frieden zusammen hängen. Manchmal stehen Krieg, das Morden und Abschlachten, mehr auf der Tagesordnung. Manchmal weniger. Im Moment mehr. Deshalb befinden sich derzeit 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht.

Zuweilen trügt der Schein und es wirkt, als seien Kriege geografisch in weite Ferne gerückt, zum Beispiel der Bürgerkrieg in Syrien. Mit millionenfacher Flucht vor diesem Krieg nach Europa und Terrorismus an unseren Haustüren als Exportartikel wird plötzlich deutlich: Kriege finden nicht mehr kontrolliert in einer Manege statt, sondern beziehen das Publikum ungefragt mit ein.

Darüber zu lamentieren und dem Ratschlag zu folgen, sich nicht in Kriege verwickeln zu lassen, klingt schön simpel, funktioniert aber in Wahrheit nicht. Der verwirrende Kriegsschauplatz Syrien zeigt das.

Viel zu lange hat die Weltgemeinschaft dem Morden dort schon zugeschaut. Diesmal funktioniert auch die linke Dialektik nicht, dafür den ungeliebten Amerikanern Schuld zuzuweisen. Gerade in Syrien haben sich die Amerikaner lange zurückgehalten. Dafür versucht sich Wladimir Putin mit seiner russischen Armee als Weltpolizist. Mit den Angriffen seiner Luftwaffe hat er, wie Menschenrechtsorganisationen vorrechnen, bereits mehr als 200 Zivilisten getötet. Man vermisst hierzu den Aufschrei aus den Reihen der Putin-Versteher.

Auch Deutschland hat sich an Syrien verknotet. Die Kurden, die in Syrien und vom Norden des Iraks aus gegen das Terror-Regime des IS kämpfen, werden mit Waffen beliefert. Deutsche Waffen bekommen aber auch die Türken im Nachbarland, die wiederum die kurdische Arbeiterpartei PKK als Terroristen bekriegt. Diese wiederum schießt in der Türkei und in den angrenzenden Gebieten für die kurdische Unabhängigkeit.

Gleichzeitig will Deutschland aber, dass die Türkei die Flüchtlinge aus Syrien aufhält, die dort vor einem Krieg fliehen, an dem auch Kurden mit deutschen Waffen teilnehmen. Um die Wirrnisse noch zu vergrößern: Das ist nur ein Mosaikstein dessen, was in Syrien momentan passiert und Europa schon lange in Atem hält.

Insofern ist Kritik an der Bundesregierung, die zugesagt hat, den Kampf Frankreichs gegen den islamischen Staat in Syrien mit Aufklärungsflügen zu unterstützen, zumindest verspätet. Hat uns die Geschichte gelehrt, dass es immer gelingt, sich aus Kriegen herauszuhalten? Oder wissen gerade wir Deutschen nicht aus eigener Erfahrung selbst, dass es Koalitionen der Guten braucht, um das Böse zu besiegen?

Natürlich ist es leicht als Opposition die Regierung zu schelten oder als kirchlicher Würdenträger zu mahnen, wenigstens an den Feiertagen das Morden einzustellen. Es ist schade, dass sich die Welt nicht gesund beten lässt. Aber leider ist die Wirklichkeit brutaler als es die Romantik religiösen Lichterglanzes träumen lässt. Der Frieden funktioniert nicht immer ohne Krieg.

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