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Ostthüringer Zeitung: Jörg Riebartsch kommentiert: Rechts ist nicht hip

Gera (ots) - Links wählen, aber rechts leben. Das kennt man. Es gibt aber auch: Rechts denken, rechts reden, rechts handeln - aber nicht rechts sein wollen. Das ist neu.

Teilnehmer von Demonstrationen der AfD, von Pegida oder anderen, jubeln dort ausländerfeindlichen Parolen zu, fühlen sich dann allerdings aus ihrer Sicht zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Neulich ereiferte sich ein offensichtlicher Sympathisant der AfD und Leser dieser Zeitung darüber, dass in einer Kommentierung ein Rechtsruck bei seiner Partei lapidar als Randbemerkung auftauchte. Er wollte Zweifel wecken an der Feststellung, dass nach dem Abgang von Parteigründer Bernd Lucke und der Machtübernahme durch Frauke Petry die AfD nach rechts gerückt sei.

Rassistischen Äußerungen und Protestrufen gegen Asylsuchende auf Demonstrationen Beifall zu spenden, ist weder ein Zeichen von Liberalität, noch macht man sich damit die rot-rot-grüne Willkommenskultur zu eigen. Die Fronten sind da klar. Aber weshalb will man als bekennender Asylgegner bei zunehmend aggressiver Stimmung nicht als Rechter gelten?

Verfassungsschutzbehörden in Deutschland haben dafür eine simple Erklärung: Linksextremismus oder Rechtsextremismus können gleichermaßen eine Gefahr für die Grundordnung im Lande darstellen. Aber links zu sein findet in der breiten Mitte der Bevölkerung eher Akzeptanz. Muffig-völkisches Spießertum trifft beim aufgeklärten reisefreudigen Mittelstand auf Unverständnis, ist nicht hip.

Hinzu kommt, dass tumbe Radikalisierung differenzierte Fragen nach der Lösung möglicher Probleme im Zusammenhang mit starker Zuwanderung verdrängt. Fragen übrigens, die sich nicht nur CDU- und SPD-Anhänger stellen, sondern wie man mittlerweile weiß, auch die Basis der Linkspartei. Nicht jeder also, der mit großen Augen sinnvolle Fragen zu Flüchtlingen stellt, ist ein rechter Tor.

Der Übergang mag fließend sein, aber Abgrenzen kann man sich: Das Grölen von rechtsradikalen Parolen mit überschlagender Stimme muss man nicht beklatschen. Tut man es, zeigt das eine Geisteshaltung.

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