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Ostthüringer Zeitung: Wolfgang Schütze kommentiert: Im Zweifel hat Gauck recht

Gera (ots) - Nein, Freunde werden Bundespräsident Joachim Gauck und wohl die meisten Linken in diesem Leben nicht mehr. Muss ja auch nicht sein.

Gauck und alle, denen er aus dem Herzen spricht, werden allerdings weiter hinnehmen, dass es in puncto Linke andere Meinungen gibt. Und die Linken müssen es samt ihrer Anhänger hinnehmen, dass das Staatsoberhaupt öffentlich an Teilen dieser Partei zweifelt.

Oder soll der ehemalige Bürgerrechtler Gauck etwa begeistert davon sein, dass die Rechtsnachfolger der SED sich 25 Jahre nach dem Mauerfall immer noch nicht von der Kommunistischen Plattform und von Verbindungen zu Stasi-Traditionsvereinen trennen wollen?

Oder soll Gauck gnädigst übersehen, dass in einer wahrscheinlichen rot-rot-grünen Landesregierung in Thüringen auch zwei Ex-Stasi-Leute de facto am Tisch sitzen, auch wenn sie nicht Minister oder Staatssekretär werden sollen?

Rot-Rot-Grün hat nur eine Stimme Mehrheit im Landtag. Der ehemalige Inoffizielle Mitarbeiter "Fritz Kaiser" und die ehemalige Inoffizielle Mitarbeiterin "Sonja" sitzen in der Linken-Fraktion. Sie können den Daumen heben oder senken. Und Bodo Ramelow, an dessen demokratischer Gesinnung kein Zweifel besteht, ist als Ministerpräsident auch von diesen beiden ehemaligen Spitzeln abhängig. Es steht ihm freilich frei, seinen Genossen zu vertrauen. So wie es Gauck frei steht, das offensichtlich nicht zu tun.

Wahlergebnisse sind zu akzeptieren, keine Frage. Aber Wählertäuschung auch? Es ist die Spekulation wert: Wie viel Prozent hätte die Linke in Thüringen bekommen, hätte sie vor der Landtagswahl ehrlich und deutlich und überall gesagt, dass nach dem 14. September auch sie die DDR als das bezeichnen wird, was dieses sozialistische, von der SED diktierte System ja tatsächlich war: ein Unrechtsstaat.

Für "Sonja" ist übrigens dies nach wie vor ein "Kampfbegriff", den sie ablehnt. Mal sehen, ob sie demnächst dann auch so konsequent ist, sich dem Koalitionsvertrag mit SPD und Grünen, in dem das drinstehen soll, zu verweigern.

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