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Ostthüringer Zeitung: Jörg Riebartsch kommentiert: Thüringen rückt nicht nach links

Gera (ots) - Das hatten sich die Parteien links von der CDU einfacher vorgestellt. Einen Politikwechsel hatten sie angeboten und Thüringens Wähler haben darauf reagiert: Sie haben erschrocken das linke Lager schrumpfen lassen. Daran ändert auch der persönliche Erfolg von Bodo Ramelow nichts, der mit seinen Linken allein auf Kurs geblieben ist. Da auch Christine Lieberknecht Zugewinne verbucht hat - sogar deutlicher als Ramelow - lautet nun die Botschaft des Wählers keineswegs, die CDU-Ministerpräsidentin müsse weg.

Während das linke Lager abgenommen hat, legte das rechte durch den fulminanten Erfolg der AfD sehr deutlich zu. Jenseits der stärksten Partei, der Union, gibt es also noch ein rechtskonservatives Potenzial im Freistaat. Und dieses konservative Potenzial schlummert keineswegs nur in CDU oder NPD. Allein 16 Prozent der Wähler der AfD in Thüringen kommen aus der Linkspartei.

Verständlich, dass die Parteien gestern Abend eiligst versucht haben, die Wahlergebnisse in ihre Richtung zu interpretieren. Im Taumel seines Gewinns hat Linken-Spitzenmann Ramelow nicht nur vor laufenden Kameras seiner Ehefrau eine Liebeserklärung gemacht, sondern einen klaren Auftrag für einen Politikwechsel erkennen wollen. Da war ihm wohl aus dem Blick geraten, dass seine Wunsch-Koalitionspartner Grüne und vor allem die SPD Verluste erlitten haben.

Die SPD in Thüringen ist gestern regelrecht pulverisiert worden. Jetzt weiß man, dass die Taktik von Spitzenfrau Heike Taubert falsch war: Sich nicht festlegen zu wollen, für keinen notwendigen Partner zu stehen, kommt beim Wähler überhaupt nicht gut an.

Das Kuriose des Thüringer Wahlergebnisses ist, dass die SPD für ihre Taktik unklarer Bekenntnisse vom Wähler gerüffelt wird, aber ohne Strafe davon kommt. Im Gegenteil: Obwohl bald annähernd 90 Prozent der Thüringen keine sozialdemokratische Politik wollen, wird die SPD - das ist eine gesicherte Erkenntnis von gestern Abend - wieder an der nächsten Landesregierung im Freistaat beteiligt sein.

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