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Ostthüringer Zeitung: Kommentar
Nichts ist gut in Afghanistan von Miguel Sanches

Gera (ots) - Frank-Walter Steinmeier war gestern in Afghanistan. Es hat sich dafür die Formel vom "nicht angekündigten", oder vom "überraschenden" Besuch eingebürgert. Der Begriff verschleiert die Wahrheit. Auch nach 13 Jahren Militäreinsatz ist die Lage so prekär, dass jede Reise top secret ist und der Außenminister sich nicht traut, es wie jedes andere Land zu besuchen.

In Afghanistan sorgte Steinmeier für die Untertreibung des Jahres. O-Ton: "Wir haben nicht alles das erreicht, was wir uns vorgestellt haben." Mit dem Wissen von heute hätte man 2001 die Bundeswehr nie in Marsch setzen dürfen. Es hat zu viel Blut und Geld gekostet, es war de facto eine Affekthandlung - und naiv. Es gibt Erfolge, aber sie sind sehr brüchig.

"Nichts ist gut in Afghanistan" - so lautete der Befund von Bischöfin Margot Käßmann am Heiligabend 2009. Er sei vielleicht überpointiert gewesen, "aus heutiger Sicht aber nicht weit von der Realität entfernt", schrieb erst vor ein paar Tagen der frühere Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier. Sein Aufsatz trägt die Überschrift "echter Frieden lässt sich von außen kaum erzwingen" und hebt sich wohltuend ab von den aktuellen Fantasien über ein Ende der deutschen "Zurückhaltung".

Bis heute hat Afghanistan keiner Folgemission zugestimmt. Der deutsche Minister hat Präsident Karsai gebeten, "baldmöglichst" ein Truppenstatut unterzeichnen. Karsai, wusste Steinmeier noch zu erzählen, habe aber keinen Termin genannt.

Wir müssen Afghanistan nicht zum Glück zwingen. Und vor allem sollten wir das F-Wort nicht länger scheuen. F wie Fehlschlag. Nichts ist gut in Afghanistan. Käßmann hatte Recht.

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